DruckenTeilen
Ein ukrainischer Drohnenangriff auf eine Pumpstation zwingt Russlands Wirtschaft zu drastischen Kürzungen. Die Ölexporte sinken um 250.000 Barrel pro Tag.
Kiew – Während die Lage an der Front im Ukraine-Krieg für die Truppen Kiews zwar schwierig, aber nicht kritisch scheint, setzt man die Nadelstiche gegen das russische Hinterland fort. Das favorisierte Ziel bei den Drohnenangriffen auf Russland sind die wirtschaftlichen Lebensadern des Regimes von Wladimir Putin: die Ölpipelines und Raffinerien. Welche Wirkung diese Angriffe entfalten können, zeigt ein jüngster ukrainischer Drohnenschlag in der Region Tartastan, der Russlands Ölwirtschaft zu einem drastischen Schritt zwang.
Durch einen Drohnenangriff gegen eine Pumpstation in der Region Tartastan hat Russlands Öl-Wirtschaft einen schweren Schlag erlitten. © Montage: afp/Screenshot X
Russlands staatlicher Pipelinemonopolist Transneft hat die Rohölaufnahme in sein System um rund 250.000 Barrel pro Tag reduziert, nachdem ukrainische Drohnen eine Pumpstation an einer Schlüsselstelle angegriffen hatten. Die Reduktion könnte Russlands bereits bestehende Ölexportprobleme verschärfen, da das Land mit geringeren Lieferungen an wichtige Kunden in Indien und der Türkei aufgrund verschärfter westlicher Sanktionen kämpft.
Schlag gegen Russlands Wirtschaft: Ukrainische Drohne trifft wichtige Pumpstation
Der Drohnenangriff traf die strategisch wichtige Pumpstation Kaleykino in der Wolga-Region Tatarstan, die der Druzhba-Pipeline dient. Diese transportiert Moskauer Rohöl nach Osteuropa und zu Russlands wichtigsten westlichen Häfen. Der Angriff verursachte einen Brand an der Station, die eine Kapazität von etwa einer Million Barrel pro Tag besitzt und sich nahe der Stadt Almetyevsk befindet.
Die Transneft-Kürzungen betrafen hauptsächlich Lieferungen vom Tatneft-Produzenten in Tatarstan, wie eine mit der Situation vertraute Quelle der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Kaleykino ist ein zentraler Knotenpunkt für den westsibirischen Öltransport. Die in den 1970er Jahren erbaute Anlage fungiert als kritische Kreuzung für das Pumpen und Mischen verschiedener Ölqualitäten.
Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgen
Fotostrecke ansehenSchwere Schäden für Putins Ölwirtschaft nach Drohnenangriff
Bei dem ukrainischen Drohnenangriff wurden zwei Lagertanks mit je 50.000 Tonnen Kapazität getroffen und gingen anschließend in Flammen auf. Die Pipelines von Kaleykino versorgen wichtige westliche Häfen einschließlich Novorossiisk und Primorsk sowie die Druzhba-Pipeline. Die Station ist zudem ein bedeutender Knotenpunkt für Lieferungen an russische Inlandsraffinerien.
Das Ausmaß der Schäden muss noch bewertet werden, aber bei schweren Beschädigungen könnten russische Ölexporte sowohl in Volumen als auch in Qualität beeinträchtigt werden. Russlands verbleibende Ölströme nach Europa – zu Raffinerien in Ungarn und der Slowakei – sind bereits seit Ende Januar ausgesetzt.
Angriffe wie der in Tartastan sind im Ukraine-Krieg keine Seltenheit. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat wiederholt betont, dass man Schläge gegen wirtschaftliche Einrichtungen in Russland als strategisches Mittel im Verteidigungskampf gegen die russische Invasion ansehe. Immer wieder werden Explosionen oder Brände an russischen Raffinerien und Pumpstationen gemeldet, die sich stellenweise weit über 1000 Kilometer hinter der Frontlinie in der Ostukraine befinden. Die für die Angriffe benutzten Drohnen verfügen über extrem hohe Reichweiten oder werden teilweise auch aus dem russischen Inland gestartet.
Lage an der Front im Ukraine-Krieg: „Schwierig, aber nicht kritisch“
Die erfolgreichen Nadelstiche gegen Putins Wirtschaft sind von großer Bedeutung, da die Lage an der Front nach wie vor heikel ist. Russlands Truppen meldeten zuletzt Vorstöße nahe der umkämpften Stadt Pokrowsk, die sich mittlerweile nahezu komplett unter russischer Kontrolle befindet. Einen Zusammenbruch der Front muss Kiew wohl aber nicht befürchten. „Die Lage der Ukraine auf dem Schlachtfeld ist schwierig, aber nicht kritisch“, schreibt der ISW-Analyst George Barros in einem Beitrag auf X.
„Russland bleibt zwar gefährlich, ein Zusammenbruch der ukrainischen Verteidigung ist jedoch unwahrscheinlich. Russlands militärische Macht ist begrenzt, und die Annahme, es könne unbegrenzt kämpfen, ist falsch“, führt Barros weiter aus. Die Fähigkeiten Russlands für weitere Vorstöße dürften dabei auch davon abhängig sein, ob der Ukraine weiterhin erfolgreiche Schläge gegen Putins Ölwirtschaft gelingen. (Quellen: Kyiv Independent, Reuters, Institute for the Study of War) (fdu)