Einen anderen Weg geht die zweite Saatkrähen-Hochburg in der Prignitz: Wittenberge. Auch hier haben sich die Bestände in den letzten 20 Jahren deutlich erholt und etwa vervierfacht auf gut 1.100 Brutpaare. In der Elbestadt ist vor allem der Clara-Zetkin-Park mit einer angrenzenden Kita, einer Schule und Wohnbebauung betroffen. Und auch hier ein Bild wie in Pritzwalk: Die bisherigen Maßnahmen haben zu keiner Reduktion der Bestände geführt, sondern eher zur Aufsplittung der Kolonien und einem mehr an Krähen.
Um Wege im Umgang mit den Saatkrähen zu finden, hat die Stadtverwaltung ein Pilotprojekt mit der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg gestartet. Durch einen Experten des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung wird ein Maßnahmenpaket erarbeitet, das die Umsetzung auch über mehrere Jahre wissenschaftlich begleiten soll. Jetzt liegen erste Ideen vor. „Das sind im Wesentlichen zwei Punkte: Das eine ist eine Aufklärung der Öffentlichkeit und das zweite ist, dass man an sensiblen Standorten die Brutpaare minimiert und zugleich neue Standorte anbietet, wo sie bleiben dürfen“, erklärt Wittenberges Stadtplanerin Kathrin Maltzahn.
Heißt: An besonders schwierigen Orten wie dem Clara-Zetkin-Park mit der Kita und Schule sollen die Nester langfristig immer wieder aus den Baumkronen geholt werden. Dafür sollen neue Lebensräume am Stadtrand oder auch außerhalb der Stadt geschaffen werden. „Solche Räume haben wir ja, das wollen wir gemeinsam mit dem Biosphärenreservat und der Naturwacht machen“, so die Stadtplanerin. Denkbar sei etwa der Grüne Ring, der rund um Wittenberge entstehen soll. Durch gezielte Pflanzungen von Bäumen, die von den Saatkrähen angenommen, könnte so ein Umzug den Vögeln schmackhaft gemacht werden, so die Hoffnung.
Wichtig sei es aber alle Partner mit ins Boot zu holen, also auch die Landnutzer. „Wir haben deshalb eine Arbeitsgruppe gegründet. Wir wollen auch unser Wissen vervollständigen, da geht es um die Fragen, was sind die genauen Nahrungsquellen für die Krähen und welche sensiblen Standorte wollen wir genau angehen.“