Die bereits 1904 gegründete Traditionsbäckerei Rudolf Neff GmbH mit Sitz in Karlsruhe hat beim Amtsgericht Karlsruhe einen Antrag Eigenverwaltung gestellt. Das geht aus einer Mitteilung des Unternehmens vom 26. Februar hervor. Ein Antrag auf Eigenverwaltung bedeutet, dass die Geschäftsführung ein zahlungsunfähiges oder überschuldetes Unternehmen unter eigener Leitung sanieren kann. Das Gericht hat dem Antrag am 24. Februar 2026 stattgegeben.

Unternehmen sichert Löhne für Mitarbeiter bis April 2026

Ziel des Eigenverwaltungsverfahrens ist die nachhaltige Sanierung und der langfristige Erhalt des Traditionsunternehmens. Die Geschäftsführung um Andreas Reich, Kati Neff-Reich und Simon Reich bleibt damit weiter im Amt und wird im Verfahren von den LIESER Rechtsanwälte als Generalhandlungsbevollmächtigte unterstützt.

Die Löhne und Gehälter der rund 200 Mitarbeiter sind für die Monate Februar, März und April 2026 über Insolvenzgeld gesichert. Danach erfolgen die Lohn- und Gehaltszahlungen wieder durch das Unternehmen, das auf die nächsten Monate durchfinanziert ist. Auf einer Betriebsversammlung wurden die Beschäftigten über das Eigenverwaltungsverfahren und die weiteren Schritte informiert.

„Wir stehen als Familienunternehmen zu unserer Verantwortung für unsere Mitarbeiter, für unsere Kundschaft und unser handwerkliches Erbe, für dass wir alle mit großem Einsatz und Überzeugung täglich einstehen“, so Geschäftsführer Andreas Reich.

Ursachen der wirtschaftlichen Schieflage

Wie viele handwerkliche Bäckereibetriebe sieht sich auch die Traditions-Bäckerei Neff seit Beginn des Ukrainekrieges massiven Kostensteigerungen ausgesetzt. So sind die Energiepreise im Vergleich zurzeit vor dem Krieg um bis zu 500 Prozent gestiegen. Das Unternehmen produziert seine Backwaren mit Öl- und Gasöfen und kann auf Energie nicht verzichten. Hinzu kommen stark gestiegene Rohstoffpreise, insbesondere für Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl.

Diese erheblichen Mehrkosten konnten aufgrund des intensiven Wettbewerbs und der hohen Preissensibilität der Kundschaft nur in sehr geringem Umfang an die Verbraucher weitergegeben werden. Preiserhöhungen hätten zu weiteren Umsatzverlusten geführt, da Verbraucher in Inflationszeiten sonst auf günstigere Angebote im Discounterbereich ausgewichen wären.

Keine Einschnitte bei der Qualität

Gleichzeitig hält das Familienunternehmen rigoros an der guten Qualität seiner Rohstoffe fest. Für die Traditions-Bäckerei Neff sind Qualität und handwerkliche Backkunst untrennbar miteinander verbunden. Zusätzlich belasten seit Jahren der zunehmende Fachkräftemangel im Bäckerhandwerk, die körperlich anspruchsvolle Arbeit mit Nacht- und Wochenendschichten sowie die jüngsten Erhöhungen des Mindestlohns die wirtschaftliche Situation für Bäckerbetriebe.

  • Katharina Peifer

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