Der Schriftzug "IKEA" an einem Gebäude.

AUDIO: Ikea schließt Callcenter in Rostock: Verhandlungen über Sozialplan für Mitarbeiter (1 Min)

Stand: 26.02.2026 15:17 Uhr

Fast 300 Mitarbeiter eines Callcenters in Rostock verlieren nach Angaben der Gewerkschaft ver.di ihren Job. Betreiber Ikea gibt „langfristige strukturelle Erwägungen“ als Grund für die Schließung an. Seit dem Vormittag laufen Gespräche über einen Sozialplan.

Ein Callcenter in Rostock, das vom Möbelkonzern Ikea betrieben wird, soll nach Angaben der Gewerkschaft ver.di zu Ende August schließen. 279 Beschäftigte würden ihren Job verlieren. Die Gespräche über einen Sozialplan laufen seit dem Vormittag. In dem Callcenter wurden bislang Kundenanfragen bearbeitet.

Auch Streik Thema der Gespräche

Was bei den Gesprächen herauskommen könnte, dazu konnte ver.di im Vorfeld nichts sagen. Natürlich werde es um Möglichkeiten der Weiterbeschäftigung und alternativ um Abfindungen für die Beschäftigten gehen. Auch ob ein Streik sinnvoll sei, werde sich laut ver.di erst nach Beginn der Gespräche herausstellen. Am Vormittag startete am Standort Rostock-Schutow bereits die erste Runde der Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft. Erste Ergebnisse werden im Laufe des Nachmittags erwartet.

Betriebsrat kurzfristig informiert

Ver.di kritisiert vor allem die Vorgehensweise der Geschäftsführung. Der Betriebsrat sei bewusst erst eine halbe Stunde vor der Gesamtbelegschaft über die Schließungspläne informiert worden. Nach Angaben von Ikea sind „langfristige strukturelle Erwägungen“ wie das Auslaufen eines Mietvertrages und die Notwendigkeit umfangreicher Investitionen zur Modernisierung des Standorts der Grund für die Veränderungen. Die Beschäftigten zeigten sich nach Angaben von Daniel Mucha, Mitarbeiter und Betriebsrat, „vollkommen überrascht“ und besorgt um ihre Jobs. Der Betriebsrat sprach von einer sozial unverantwortlichen Entscheidung und kritisierte die fehlende Transparenz als „Schlag ins Gesicht“ der langjährigen Mitarbeitenden.

Einrichtungshaus in Rostock nicht betroffen

„Auch wenn solche Entscheidungen nie einfach sind, werden sie getroffen, um die langfristige Stärke und nachhaltige Zukunft von Ikea Deutschland im sich wandelnden Einzelhandel zu sichern“, betonte das Unternehmen in einer Erklärung. Das Einrichtungshaus in Rostock sei von der Schließung ausdrücklich nicht betroffen, wie die Konzernleitung mitteilte. Das Callcenter in der Hansestadt ist eines von dreien, die der Konzern in Deutschland betreibt. Ikea ergänzte zudem, dass sich Kundenbedürfnisse und das digitale Verhalten verändert hätten. Persönlicher Support werde künftig nur noch dort angeboten, wo er den größten Mehrwert bringe. Welche Rolle neue Technologien oder Künstliche Intelligenz bei der Entscheidung spielen, ließ das Unternehmen offen.

Politiker zeigen sich besorgt

Wirtschaftsminister Wolfgang Blank (parteilos) bezeichnete die Entscheidung als „harten Schlag für die Beschäftigten in Rostock“. Er erinnerte daran, dass Ikea als großer Arbeitgeber und Weltkonzern Verantwortung für die Menschen vor Ort trage. „Dieser Verantwortung muss Ikea jetzt mit fairen und sozialverträglichen Lösungen gerecht werden“, forderte der Minister. Auch Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) zeigte sich betroffen. Sie erklärte, dass zunächst alle schockiert gewesen seien, da Ikea als familienfreundliches Unternehmen einen guten Ruf als Arbeitgeber genieße. Kröger fragte sich, warum Ikea sich nicht früher an die Stadt gewandt habe, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Sie betonte, dass Rostock sicherlich Unterstützung geboten hätte, um einen neuen Standort für das Service-Center zu finden.

Das Einrichtungshaus IKEA von außen

Laut Gewerkschaft gibt es kaum Neueinstellungen, während die verbleibenden Mitarbeitenden mehr Aufgaben übernehmen müssten.

Nalan (Mariam Hage), Anna (Anna Schudt) und Greta (Lydia Lehmann) posieren

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