TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Berlin/Frankfurt – Er war nie der Leise im Raum. Nie der, der abwartet, bis andere fertig sind. Michel Friedman ist einer, der nachfragt, widerspricht. Einer, der Debatte nicht als Show versteht, sondern als Pflicht. Jetzt ist er 70 geworden. Seit Jahrzehnten prägt der Jurist, Publizist und Moderator die politische Diskussion in Deutschland. Streitbar, analytisch. Für Friedman ist Demokratie kein Wohlfühlprojekt. Sie ist Anstrengung. Verantwortung. Dauerauftrag.

Im BILD-Interview zeichnet er ein ernstes Bild vom Zustand des Landes. Deutschland erlebe „eine verwirrte, nervöse Demokratie“. Die Zerstörer seien laut und leidenschaftlich, die Verteidiger dagegen oft „verunsichert und viel zu leise“. Demokratie, sagt er, bedeute Beteiligung, Kompromiss, Entscheidung – und das immer wieder neu. Wer Freiheit wolle, müsse für sie arbeiten.

Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen (58, l.) gratuliert Michel Friedmann

Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen (58, l.) gratuliert Michel Friedmann

Foto: Ufuk Ucta

„Hass ist keine Meinung, Judenhass ist pure Gewalt“

Von Mut möchte er hierzulande dennoch nicht sprechen. „Mutig sind die Menschen in Teheran, in Peking, in Moskau.“ In Deutschland gehe es nicht um Heldentum, sondern um Haltung. Darum, Realitäten nicht länger zu verdrängen. Krieg, Propaganda, autoritäre Kräfte, all das sei keine ferne Bedrohung mehr, sondern konkrete Herausforderung.

Besonders deutlich wird Friedman beim Thema Antisemitismus. „Hass ist keine Meinung. Judenhass ist pure Gewalt.“ Wenn jüdische Kinder in Deutschland wieder Angst haben müssten, sei das ein Alarmsignal für die gesamte Gesellschaft. „Wenn Juden nicht sicher leben können, ist die Demokratie in Gefahr.“ Ein bloßes „Stopp“ reiche nicht, es brauche persönliches wie politisches Einschreiten.

Mehr zum ThemaProminente Wegbegleiter würdigen Friedmans Wirken

Wegbegleiter beschreiben ihn als leidenschaftlich, präzise, manchmal unerbittlich, aber stets getragen von einem tiefen Glauben an den Menschen. An Argumente. An Verantwortung.

Privat klingt der 70-Jährige leiser. Er wünsche sich mehr Leichtigkeit, sagt er. Mehr Lachen. „Ich bin ein eher trauriger Mensch.“ Kraft geben ihm seine Familie, das Theater, Bücher, das Meer.

Und die 70? „Ich habe Respekt davor – aber sie interessiert mich nicht die Bohne.“

Unter den Gästen: Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (50, Grüne) mit seiner Frau

Unter den Gästen: Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (50, Grüne) mit seiner Frau

Foto: Ufuk Ucta

Auch Sozialministerin Bärbel Bas (57, SPD) gratulierte

Auch Sozialministerin Bärbel Bas (57, SPD) gratulierte

Foto: Ufuk Ucta

Gefeiert wurde Michel Friedman am Mittwochabend im Berliner Ensemble mit einer Soiree. Wegbegleiter würdigten sein Wirken. Seine Frau Bärbel Schäfer (62) knuddelte ihren Michel. Friedman hangelte sich von Umarmung zu Umarmung.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53, CDU) war am Abend ebenfalls zu Gast

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53, CDU) war am Abend ebenfalls zu Gast

Foto: Ufuk Ucta

Der Titel des Abends: „Vorsicht, Mensch!“ Warnung und Kompliment zugleich. Mit jeder Menge prominenter Namen: Ex-Außenminister Joschka Fischer (77), Die-Prinzen-Legende Sebastian Krumbiegel (59), Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53), Schauspieler Ulrich Matthes (66), Theater-Star Lars Eidinger (50).

Und Friedman? Der bleibt, was er immer war: wach, widerspenstig und zutiefst menschlich.