Bielefeld. Zeitaufwendige Ortstermine könnten in näherer Zukunft der Vergangenheit angehören – zumindest dann, wenn sich der Testlauf als Erfolg herausstellen sollte: Das Landgericht testet in einem deutschlandweit einmaligen Pilotprojekt den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen (VR-Brillen). Dies teilte Landgerichtspräsident Klaus Petermann nun während des Jahrespressegesprächs seiner Behörde mit.
Demnach möchte das Gericht die Nutzung von VR-Brillen in der Beweisaufnahme mehrerer Zivilkammern testen. Mittels der Brillen ist es den Nutzern möglich, sich anhand von vorliegenden Filmaufnahmen – idealerweise handelt es sich dabei um 360-Gradaufnahmen – einen dreidimensionalen Eindruck des Dargestellten zu verschaffen. „Das ist noch einmal etwas ganz anderes, als wenn man sich die Aufnahmen in 2-D an einem Monitor ansieht“, betont Petermann.
Noch in diesem Frühjahr möchte das Landgericht die Brillen von zwei Herstellern testen – zunächst in vier Zivilkammern, die sich insbesondere mit Verkehrsunfällen und Baustreitigkeiten auseinandersetzen. Die Einführung der Technik soll vor allem „ersetzen, dass man hinfährt und sich den Ort des Geschehens anguckt – vor allem bei Verkehrsunfällen“, erläutert Petermann. „Viele Beteiligte nehmen ihre Unfallstellen mittlerweile mit dem Handy auf, manche Smartphones ermöglichen 3-D-Aufnahmen. Diese kann man dann hier einreichen.“ Auch auf die Ortsaufnahmen der für das jeweilige Verfahren geladenen Gutachter werde dabei zurückgegriffen. „Wir erhoffen uns, dass man sich das Rausfahren dann weitestgehend sparen kann“, sagt der Landgerichtspräsident.
Das Gericht lädt zur Auftaktveranstaltung ein
Das Bielefelder Landgericht testet die neue Methode aus.
| © Phyllis Frieling
Für dieses Projekt steht das Landgericht in engem Austausch mit weiteren Beteiligten. Hierzu gehören insbesondere Simon Heetkamp von der Technischen Hochschule Köln sowie Marie Herberger von der Universität Bielefeld. Aber auch weitere Akteure wie die IHK, die Rechtsanwaltskammer und Anwaltsvereine seien in das Projekt eingebunden, ergänzt Landgerichts-Pressedezernent Guiskard Eisenberg.
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Eine Ausweitung der VR-Technik auf den Strafbereich sieht Klaus Petermann derzeit noch kritisch, wenngleich er sie nicht für unmöglich hält. In den genannten Zivilkammern sollen die VR-Brillen für die Dauer von einem Jahr, vielleicht eineinhalb Jahren getestet werden. „Wir wollen zu schnellen Ergebnissen kommen“, sagt Petermann. Der Startschuss fällt am 23. April dieses Jahres um 14 Uhr: Zu der Auftaktveranstaltung – keine Verhandlung, wie betont wird – lädt das Landgericht die Öffentlichkeit ein.
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