Über die Wünsche der Wähler gibt der neue BaWü-Check, die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach im Auftrag von 45 Tageszeitungen in Baden-Württemberg, Aufschluss. 1034 Onlineinterviews wurden im Februar durchgeführt – und 22 Prozent der Befragten wünschen sich eine Fortsetzung des derzeitigen grün-schwarzen Bündnisses.

Erstaunlich: 21 Prozent der Befragten wünschen sich eine Koalition von CDU und AfD. (Foto: SV-Grafik; Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 6195/II)
Direkt dahinter folgt als Wunschkoalition ein Bündnis von CDU und AfD (21 Prozent). Dies liegt vornehmlich am Wählerpotenzial der AfD: 81 Prozent der potenziellen AfD-Wähler wünschen sich nach der Wahl eine Koalition mit der CDU. Allerdings hat CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel eine Zusammenarbeit mit der rechten Partei kategorisch ausgeschlossen.
Kretschmann gut beurteilt
Das Urteil der Bevölkerung über die Gesamtbilanz der Regierung Kretschmann fällt derweil wenig positiv aus. Nur 27 Prozent nennen die Politik von Grün-Schwarzen in dieser Legislaturperiode erfolgreich, 38 Prozent bewerten sie als nicht erfolgreich. Deutlich positiver fällt das Fazit zu Winfried Kretschmann aus: Jeder Zweite findet, dass er ein guter Regierungschef war.
Bei einer Direktwahl hätte derzeit Cem Özdemir die Nase vorn: 34 Prozent würden den Spitzenkandidaten der Grünen als Ministerpräsidenten vorziehen, 25 Prozent präferieren CDU-Politiker Hagel. Bemerkenswert fällt das Urteil in den beiden politischen Lagern aus: Von den potenziellen Wählern der Grünen sprechen sich aktuell 81 Prozent für Özdemir aus, von den potenziellen CDU-Wählern nur 52 Prozent für Hagel.
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Bei der Problemlösungskompetenz liegen indes wieder die Christdemokraten vorn: 22 Prozent trauen der CDU am ehesten zu, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, 17 Prozent vertrauen den Grünen. Dahinter folgen AfD (13 Prozent), SPD (9 Prozent) und die Linke (5 Prozent).
Viele Wähler unentschlossen
Entschieden ist die Wahl derweil noch lange nicht: Für viele Bürger steht noch nicht fest, wem sie am 8. März ihre Stimme geben werden. Gleichwohl können die meisten sagen, welche Partei für sie bei der Landtagswahl in Betracht kommt: Die CDU kommt auf 32 Prozent, die Grünen kommen auf 25 Prozent. Jeder Fünfte kann sich vorstellen, die AfD zu wählen (20 Prozent).

Die Agenda der Bevölkerung. (Foto: SV-Grafik; Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 6195/II)
Regierung soll Wirtschaft stärken und Wohnraum bezahlbar machen
Die Bürger blicken zunehmend skeptischer auf die wirtschaftlichen Perspektiven des Landes, viele Erwerbstätige sorgen sich um ihren Arbeitsplatz. 57 Prozent fordern von der neuen Landesregierung, dass sie sich vor allem dafür einsetzen sollte, die Wirtschaft zu stärken.
Weitere 56 Prozent erwarten von der nächsten Regierung, dass sie für ausreichend bezahlbaren Wohnraum sorgt. 52 Prozent, dass sie eine gute und flächendeckende Gesundheitsversorgung sicherstellt. 49 Prozent fordern den Abbau bürokratischer Hürden und 47 Prozent die Bekämpfung der Kriminalität, ein Mehr an innerer Sicherheit. Viele Bürger sehen es zudem als zentrale Aufgaben, die Qualität der Schulen zu verbessern, für eine bessere Verkehrsinfrastruktur zu sorgen, den Umwelt- und Klimaschutz zu fördern sowie für ausreichende Kinderbetreuungsplätze zu sorgen.
Geringer Einfluss
Auch wenn die Stärkung der Wirtschaft an der Spitze ihrer politischen Agenda steht, glaubt die Mehrheit der Bevölkerung nicht, dass die kommende Landesregierung in diesem Bereich viel bewirken kann: Jeder Zweite ist überzeugt, dass der Einfluss der kommenden Landesregierung auf die wirtschaftliche Entwicklung in Baden-Württemberg eher begrenzt ist.

Die Klagen der Bevölkerung. (Foto: SV-Grafik; Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 6195/II)
Komplizierte Regeln bei Steuern, Pflege und Bau müssen weg
Die Idee, das Steuerkonzept so zu vereinfachen, dass die Steuererklärung auf einen Bierdeckel passt, ist mittlerweile mehr als 20 Jahre alt. Eine Vereinfachung hat es bislang noch nicht gegeben.
59 Prozent der Baden-Württemberger zählen dementsprechend die Steuer zu den Bereichen, in denen es zu viele bzw. zu komplizierte Regelungen gibt. 50 Prozent meinen, dass dies auch für gesetzliche Vorgaben bei der Gesundheitsversorgung und der Pflege gilt, beispielsweise bei der Frage, wer welche Kosten übernimmt. 49 Prozent beklagen Anzahl und Komplexität der staatlichen Vorgaben im Baubereich, jeweils rund jeder Dritte auch beim Datenschutz sowie bei Nachlassregelungen und der Altersvorsorge.
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Viele Baden-Württemberger verbinden auch mit dem Schritt in die Selbstständigkeit, kommunalen Behörden, Gerichten oder den Jobcentern zu viele und zu komplizierte Regelungen – einschließlich Scheidungen und Unterhalt. Auch die hohen TÜV-Auflagen werden kritisiert. Grundsätzlich zählt der Abbau von Bürokratie zu den dringendsten Aufgaben der kommenden Landesregierung. Die Mehrheit der Befragten hat selbst zumeist leidvolle Erfahrungen mit bürokratischen Hürden und Vorschriften gemacht.

Die Regierungsbilanz. (Foto: SV-Grafik; Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 6195/II)
Mehrheit unzufrieden mit der scheidenden Landesregierung
Das Urteil der Bevölkerung über die Gesamtbilanz der Landesregierung in dieser Legislaturperiode fällt wenig positiv aus. Nur 27 Prozent der Bürger bewerten die Politik der grün-schwarzen Regierung als erfolgreich, 38 Prozent hingegen als nicht erfolgreich; ein hoher Anteil der Bürger traut sich kein Urteil zu.
Ein Vergleich mit dem Urteil vor der letzten Landtagswahl zeigt, dass die Bilanz über die aktuelle Landesregierung kritischer ausfällt als vor fünf Jahren. Kurz vor der Landtagswahl 2021 bewerteten immerhin noch 32 Prozent die Politik der damaligen grün-schwarzen Landesregierung als erfolgreich, nur 26 Prozent als nicht erfolgreich.
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Deutlich positiver fällt das Fazit zu Winfried Kretschmann aus: Jeder Zweite findet, dass er alles in allem ein guter Ministerpräsident war, nur 20 Prozent ziehen eine kritische Bilanz seiner Amtszeit. Das Urteil fällt nahezu parteiübergreifend positiv aus. Nicht nur die potenziellen Wähler der Grünen zollen ihm Respekt, sondern auch die große Mehrheit der potenziellen Wähler von CDU, SPD und FDP. Allerdings sind nur 25 Prozent der potenziellen AfD-Wähler zufrieden mit Kretschmann. Seine 15-jährige Amtszeit endet mit der Wahl am 8. März.

Der Wunschkandidat. (Foto: SV-Grafik; Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 6195/II)
Viel Sympathie für Özdemir bei potenziellen Wählern
Bei der anstehenden Landtagswahl wird auch über die Nachfolge von Ministerpräsident Winfried Kretschmann entschieden. Die beiden aussichtsreichsten Bewerber sind die Spitzenkandidaten der Grünen sowie der CDU, Cem Özdemir und Manuel Hagel.
Bei einer Direktwahl hätte derzeit Cem Özdemir die Nase vorn: 34 Prozent der baden-württembergischen Bevölkerung würden den Spitzenkandidaten der Grünen als Ministerpräsidenten vorziehen, 25 Prozent hingegen Manuel Hagel. Damit hat sich das Meinungsbild seit Mitte 2025 nur unwesentlich verändert. Damals nannten 32 Prozent Cem Özdemir als ihren präferierten Ministerpräsidenten, 26 Prozent Manuel Hagel.
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Von den potenziellen Wählern der Grünen sprechen sich aktuell 81 Prozent für Özdemir aus, von den potenziellen Wählern der CDU hingegen nur 52 Prozent für Hagel. 29 Prozent der potenziellen Wähler der CDU würden überraschend Özdemir als Kretschmann-Nachfolger vorziehen.
Insgesamt trauen 22 Prozent der CDU am ehesten zu, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, 17 Prozent vertrauen in dieser Frage den Grünen. Weitere 13 Prozent schreiben der AfD die größte Problemlösungskompetenz zu, 9 Prozent der SPD und 5 Prozent der Linken.

Informationsquellen zur Landtagswahl (Foto: SV-Grafik; Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 6195/II)
Jeder zweite Bürger nutzt regionale Tageszeitungen als Informationsquellen
Bevorzugte Informationsquellen über die Landtagswahl sind die regionalen Medien sowie das Fernsehen: Jeder zweite Baden-Württemberger informiert sich in den regionalen Tageszeitungen oder deren Onlineportalen über die bevorstehende Landtagswahl, 44 Prozent im Fernsehen.
Mit deutlichem Abstand folgen andere Internetseiten, persönliche Gespräche, das Radio sowie soziale Netzwerke: Jeweils rund jeder Vierte informiert sich in einer dieser Informationsquellen. Relativ selten wird die Werbung der Parteien oder Wahlveranstaltungen für die Information genutzt. 12 Prozent der Bürger informieren sich gar nicht über die Landtagswahl.
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Wie schon in früheren Untersuchungen zeigen sich auch in der aktuellen Untersuchung generationenspezifische Informationskulturen. Für unter 30-Jährige spielen soziale Netzwerke eine deutlich größere Rolle als für die mittlere und ältere Generation. So informieren sich 59 Prozent der über 60-Jährigen und 53 Prozent der 45- bis 59-Jährigen in den regionalen Medien wie Tageszeitungen und deren Onlineportale über die Landtagswahl, aber nur 31 Prozent der unter 30-Jährigen. Umgekehrt nutzt fast jeder zweite unter 30-Jährige soziale Netzwerke.
Das Interesse an der Landtagswahl steigt, doch die Hoffnung schwindet
Die baden-württembergische Bevölkerung blickt überwiegend mit Skepsis oder sogar mit ausgeprägten Befürchtungen in die Zukunft. Das zeigt die aktuelle Untersuchung im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage, die im Februar 2026 durchgeführt wurde und sich auf 1.034 Onlineinterviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahre stützt.
Nur 32 Prozent sind für die kommenden 12 Monate optimistisch gestimmt, 54 Prozent hingegen skeptisch oder sogar ausgesprochen pessimistisch. Während sich der Anteil derer, die der Zukunft mit Hoffnungen entgegensehen, seit Mitte 2025 von 35 auf 32 Prozent sukzessive zurückentwickelt hat, ist der Anteil derjenigen, die mit ausgeprägten Befürchtungen oder mit Skepsis auf die kommenden 12 Monate blicken, im gleichen Zeitraum von 50 auf 54 Prozent angestiegen.
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Das Interesse an der bevorstehenden Landtagswahl ist durchaus beachtlich: 68 Prozent geben zu Protokoll, dass sie sich für die Landtagswahl am 8. März interessieren, nur 27 Prozent bekunden ein weniger ausgeprägtes Interesse, gerade einmal 5 Prozent gar kein Interesse.
Mit großer Sorge blickt ein Großteil der Bevölkerung auf das Erstarken der AfD. Erreichte die AfD bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg noch 9,7 Prozent der Stimmen, sehen Umfragen sie derzeit deutlich stärker. Die Mehrheit ist darüber beunruhigt: 54 Prozent sehen die Entwicklung, dass die AfD bei der bevorstehenden Landtagswahl deutlich Stimmen dazu gewinnen könnte, mit Sorge. Lediglich jeder Vierte begrüßt diese Entwicklung.
Besonders kritisch sehen die potenziellen Wähler der Grünen, Linken und SPD die gewachsene Unterstützung für die AfD: 89 Prozent der potenziellen Wähler der Grünen und jeweils drei Viertel der potenziellen Wähler von Linken und SPD zeigen sich über den Stimmenzuwachs der AfD beunruhigt; von den potenziellen Wählern der CDU sind es 62 Prozent.