Bielefeld. Im Evangelischen Klinikum Bethel hat eine Familie aus Bielefeld-Schildesche eine medizinische Rarität erlebt: Mara und Max Deboer sind Eltern eineiiger Drillingsmädchen geworden – entstanden aus einer spontanen Schwangerschaft ohne künstliche Befruchtung. Das ist sogar noch seltener als ein Sechser im Lotto. Nach Angaben des Klinikums kamen die drei Mädchen mit jeweils rund zwei Kilogramm zur Welt und entwickelten sich von Beginn an gut.
„Sie wechselten bereits am zweiten Tag ohne Beatmung von der Intensivstation auf die Normalstation im Kinderzentrum Bethel“, heißt es in einer Mitteilung des Hauses. Die Geburten erfolgten per Kaiserschnitt um 10.43 Uhr, 10.44 Uhr und 10.47 Uhr. Für den Eingriff arbeiteten mehrere Hebammen sowie die spezialisierten Teams der Geburtshilfe und Neonatologie im Perinatalzentrum Level I des Evangelischen Klinikums Bethel zusammen.
Eineiige Drillinge: biologisch extrem selten
Medizinisch ordnen Fachleute die Geburt als außergewöhnlich selten ein. Eineiige Drillinge entstehen, wenn sich eine einzige befruchtete Eizelle nicht nur einmal, sondern zweimal teilt, sodass drei genetisch identische Embryonen entstehen. Dieser Vorgang muss in einem sehr engen Zeitfenster stattfinden, damit alle drei Kinder die gleiche genetische Ausstattung und ähnliche Entwicklungsbedingungen im Mutterleib haben.
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Zur Häufigkeit existieren nur Schätzungen, die die Seltenheit verdeutlichen: Während eineiige Zwillinge bei ungefähr einer von 250 Schwangerschaften auftreten, wird die Wahrscheinlichkeit für eineiige Drillinge je nach Quelle mit etwa 1 zu 60.000 bis hin zu 1 zu 200 Millionen Geburten angegeben. Sie gelten damit als absolute Ausnahmeerscheinung.
Hohe Risiken – und weshalb Level-I-Zentren wichtig sind
Mara und Max Deboer freuen sich dreifach. In ihren Armen halten sie Klara, Romy und Jette (vorne). Mit der Familie freut sich das Team des aus dem Perinatalzentrum.
| © Mario Haase
Mehrlingsschwangerschaften gelten grundsätzlich als Risikoschwangerschaften. Drillinge haben im Vergleich zu Einlingen und Zwillingen ein deutlich erhöhtes Risiko, sehr früh geboren zu werden, häufiger untergewichtig zu sein und Komplikationen wie Atemprobleme oder Kreislaufinstabilität zu entwickeln, so Experten. Bei eineiigen Mehrlingen mit gemeinsamer Plazenta kommen spezielle Risiken hinzu, etwa Durchblutungsungleichgewichte zwischen den Kindern (fetofetales Transfusionssyndrom), weshalb engmaschige Ultraschall- und Doppler-Kontrollen notwendig sind.
Das Perinatalzentrum Level I am EvKB ist für solche Fälle ausgerüstet: Level-I-Zentren bilden die höchste Versorgungsstufe für Risikoschwangerschaften und Frühgeborene in Deutschland. Sie verfügen über eine gemeinsame Struktur aus Kreißsaal, Operationssaal und Neonatologie mit Intensivplätzen und betreuen unter anderem extrem kleine Frühgeborene ab der Grenze der Lebensfähigkeit, sehr komplexe Mehrlingsschwangerschaften und Kinder mit angeborenen Fehlbildungen. Genau dort wurde die Drillingsschwangerschaft von Mara Deboer engmaschig überwacht – ab der 20. Schwangerschaftswoche mit Untersuchungen im Sechs-Tage-Rhythmus, zuletzt stationär.
Dass alle drei Mädchen mit rund zwei Kilogramm Gewicht so stabil zur Welt kamen und schon nach kurzer Zeit ohne Beatmung auf die Normalstation wechseln konnten, werten die Behandelnden als ausgesprochen günstigen Verlauf für eine solche Hochrisikoschwangerschaft.
Dankbarkeit – und der Wunsch nach Alltag
Die Eltern zeigen sich tief beeindruckt von der Betreuung in Bethel. „Vom ersten Tag bis heute ist die Versorgung hier phänomenal gut“, sagen Mara und Max Deboer. Neben der medizinischen Besonderheit wünschen sie sich für die Zeit nach der Entlassung vor allem Normalität. „Wir möchten nach dieser besonderen Zeit einfach ein normales Familienleben führen“, erklären sie.
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