Ulrike Kurtz, Mitbegründerin der Stuttgarter Ortsgruppe von „Omas gegen Rechts“, hat sich vorgenommen, an diesem Samstag ihr Handy maximal zu laden. Am Samstagabend nämlich wollen Sie und ihre Mitstreiterinnen einen Lichterzug veranstalten, der ab 18 Uhr vom Marktplatz zur Oper führt.
„Omas“ knipsen „Licht an für die Demokratie“
Um demokratische Werte soll es auch diesmal gehen – gemeinsam mit dem Stuttgarter Bündnis für Demokratie und Menschenrechte. Der Zeitpunkt – acht Tage Woche vor der baden-württembergischen Landtagswahl – ist bewusst gewählt. In dem Aufruf der „Omas“ heißt es: „Licht an für Demokratie ist mehr als ein Symbol. Es ist ein Weckruf an alle, die nicht zuschauen wollen, wie antidemokratische Bewegungen Angst und Desinformation verbreiten.“ In einer Zeit, in der Hetze im Netz und auf der Straße zunehme, brauche es „die klare Stimme der Vernunft und des Mitgefühls“.
Geplant ist, zum Start am Marktplatz einige Artikel des Grundgesetzes zu verlesen. Der Lichterzug wird dann in Richtung Schlossgarten vor die Oper ziehen. Statt langer Reden sollen knapp und prägnant demokratische Errungenschaften herausgestellt werden, betont Kurtz. Dazu gehöre auch der Hinweis, dass Meinungsfreiheit dort ihre Grenzen habe, wo Menschen herabgewürdigt würden. „Hass und Hetze sind keine Meinung“, sagt Kurtz. Zum Abschluss der Kundgebung gegen 19 Uhr soll die Europahymne erklingen.
Selbstbewusster Auftritt Foto: Archiv/Lichtgut/Ferdinando Iannone
Ähnliches findet am Samstagabend auch in rund 20 anderen Orten in Baden-Württemberg statt, darunter in Esslingen, Sindelfingen, Kirchheim, Vaihingen/Enz, Tübingen, Karlsruhe und Freiburg. Neben Lichterketten sind Mahnwachen und Lesungen angekündigt.
Auch Männer machen bei den „Omas“ mit
Man muss übrigens nicht Oma sein, um bei den „Omas gegen Rechts“ Aufnahme zu finden. „Alter und Geschlecht spielen keine Rolle“, sagt Ulrike Kurtz, die selbst drei Enkel hat. „Uns eint unsere Haltung.“ Der Stuttgarter Ortsgruppe, die mittlerweile als Verein firmiert und sich jeden dritten Donnerstag im Monat im Forum 3 in der Gymnasiumsstraße trifft, gehörten auch Männer an.
Und sie wird stetig größer. Seit der Gründung am 8. Mai 2019, dem 74. Jahrestag des Kriegsendes, sind die Stuttgarter „Omas“ auf knapp 100 Aktive angewachsen. Dazu kommen weitere rund 200 „Uns-Wohlgewogene“, wie die 71-jährige Gründerin sagt. Tendenz steigend. Das sei auch bundesweit so, wo die „Omas gegen Rechts“ seit 2018 aktiv sind. Die „Correctiv“-Recherchen über „Remigrationspläne“ auf einem Potsdamer Treffen von Antidemokraten Anfang 2024 haben demnach viele Menschen mobilisiert.