Gefängnis zu verkaufen: Immobilie mit „Potenzial“ | ndr.de
Stand: 26.02.2026 21:14 Uhr
Die frühere JVA Rennelberg in Braunschweig soll verkauft werden. Der Startpreis: 3,6 Millionen Euro. Dafür gibt es enge Zellen, kalte Gänge und echten Gefängnis-Charme.
Das ehemalige Braunschweiger Gefängnis aus dem Jahr 1884 ist in die Jahre gekommen. Hinter den dicken Mauern ist es in diesen Tagen noch kälter als draußen. Der Putz bröckelt von der Decke – geheizt wird hier schon länger nicht mehr. Die vergitterten kleinen Fenster lassen nur wenig Tageslicht ins Innere. Viel Inventar ist verschwunden. Nur noch die Waschbecken und die Toiletten hängen an den Wänden. Verblasste Zeichnungen erinnern an Menschen, die hier früher einsaßen. Im April 2024 zogen die verbliebenen 44 Untersuchungshäftlinge in die Hauptanstalt nach Wolfenbüttel um. Nun steht das Areal zum Verkauf.
Startpreis: 3,6 Millionen Euro

Hinter diesen Türen saßen Mörder, Einbrecher und Betrüger.
3,6 Millionen Euro beträgt der Startpreis für das 13.400 Quadratmeter große Gelände in bester westlicher Innenstadtlage. Zuständig für den Verkauf ist das Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften. In den vergangenen Wochen und Monaten habe er zehn Interessenten durch die Gebäude geführt, berichtet Mitarbeiter Oliver Wahnschaff. „Was diese mit dem Gelände und Gebäude vorhaben, weiß ich allerdings nicht“, sagt er. Da habe sich niemand in die Karten schauen lassen. Und bislang seien auch noch keine Angebote für das Objekt eingegangen.
Ideen für künftige Nutzung

Auch eine Kapelle befindet sich auf dem 13.400 Quadratmeter großen Gelände.
Zum Areal gehören Werkstätten, eine Großküche, Sportflächen und eine Kapelle. Das Landesamt nennt Gastronomie, Kleingewerbe, Kunst- und Kulturprojekte sowie Hotelkonzepte als denkbare Nutzungen. Auch Wohnungen seien möglich. Ausgeschlossen seien hingegen „unpassende Nutzungen“ wie Spielhallen oder Bordelle. „Interessenten müssen ein tragfähiges Konzept vorlegen und die Finanzierung nachweisen“, sagt Oliver Wahnschaff. Das Land behalte sich aber vor, über Zeitpunkt und Bedingungen der Vergabe frei zu entscheiden.
Denkmalschutz als Herausforderung
Das Problem für künftige Eigentümer: Ein Großteil der Gebäude steht unter Denkmalschutz. Wer umbauen will, muss strenge Vorgaben beachten – etwa bei den Fenstern oder bei der Raumaufteilung. Mehr Licht in die Zellen zu bringen oder größere Öffnungen zu schaffen, dürfte aufwendig werden. Und ganz allgemein: Der Sanierungsstau ist enorm. Auch aus diesem Grund hat das Land Niedersachsen den Standort aufgegeben, weil eine umfassende Sanierung zu einem zeitgemäßen Gefängnisbetrieb zu teuer geworden wäre. Immerhin, heißt es im Exposé: „Ein Energieausweis ist nicht notwendig.“
In Helsinki gibt es ein Gefängnishotel

Hotel Katajanokka in Helsinki war früher ein Gefängnis.
Auch in anderen Städten wie etwa in Göttingen stehen Gefängnisse leer. Im finnischen Helsinki wurde ein Gefängnis zum Hotel umgebaut. Auch dieses stammt aus dem 19. Jahrhundert und ähnelt dem Braunschweiger Gefängnis verblüffend. Wo einst Zellentüren ins Schloss fielen, übernachten nun Touristinnen und Touristen. Die historische Architektur blieb dabei weitgehend erhalten – darin aber schicke Möbel und modernster Komfort. Auch in Berlin und Kaiserslautern gibt es seit einigen Jahren ein Gefängnishotel. In Hamburg-Wandsbek ist dagegen das Amtsgericht in ein ehemaliges Gefängnis eingezogen.
Gebaut 1884 – ein Ort mit dunkler Vergangenheit

In diesen sogenannten Todeszellen wurden während des Zweiten Weltkriegs Menschen eingesperrt.
Errichtet wurde das Braunschweiger Gefängnis 1884 als Kreis- und Untersuchungsgefängnis. Es unterstand dem Strafgefängnis Wolfenbüttel und diente als zentrale Frauenhaftanstalt. Während der NS-Zeit war es für viele Inhaftierte eine Zwischenstation auf dem Weg in andere Gefängnisse, Hinrichtungsstätten oder Konzentrationslager. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es auch von der Wehrmacht und der SS als Haftort genutzt. Einige Braunschweiger fordern deshalb, dass an dieser Stelle auch eine Gedenkstätte entstehen müsse. Drei Zellen, so will es die Stadt Braunschweig, sollen originalgetreu erhalten bleiben.
Staatstheater plant Aufführung im ehemaligen Gefängnis
Noch ist vollkommen unklar, was aus dem ehemaligen Gefängnis werden wird. Sollte bis Ende April 2026 kein geeignetes Angebot eingehen, will das Land die Frist verlängern oder alles neu ausschreiben. Immerhin: Einen ersten konkreten Interessenten gibt es, sagt Wahnschaff. „Das Staatstheater Braunschweig will das ehemalige Gefängnis im Sommer für kurze Zeit als Veranstaltungsstätte nutzen“, erzählt er. Vielleicht die Gelegenheit für alle Braunschweiger, „ihren Rennelberg“ mal von innen zu sehen.

Das Mindestgebot für die Immobilie mit mehreren Gebäuden in Innenstadtnähe liegt bei 3,6 Millionen Euro.

Alle rechnen laut Stadtverwaltung mit einem siebenstelligen Investitionsbetrag. Die JVA steht seit 16 Jahren leer.

Der Sanierungsstau der JVA Braunschweig aus dem Jahr 1884 ist zu hoch und die marode Bausubstanz bietet zu viele kreative Verstecke.