„Wie im Märchen“ ist 2026 das Leitmotiv der 55. Ausgabe des Moers Festivals. Und wie im Märchen kommt es einem in der Tat vor, dass das Musikfest zu Pfingsten an den Ort zurückkehrt, an dem es seine Wurzeln hat – in das Herz der Grafenstadt. Festivalleiter Tim Isfort will sich in der Jubiläumsausgabe mit der Kraft des Erzählens auseinandersetzen. Dabei geht es aber nicht allein darum, dass wie im Märchen am Ende alles gut wird. Isfort versteht die Erzählform auch als künstlerisches Mittel, um sich mit der Komplexität und Brutalität unserer Welt auseinanderzusetzen und zu zeigen, wie Märchen entstehen. Das Festivalplakat ziert das Denkmal von Luise Henriette von Oranien, das vor dem Schloss in Moers steht.

Das Moers Festival findet am langen Pfingstwochenende vom 21. bis zum 25. Mai statt und läuft in diesem Jahr über fünf anstatt vier Tage.

Das Moers Festival 2026, das zuletzt in der Enni-Eventhalle angesiedelt war, wechselt seinen Standort. Die Hauptbühne steht auf dem Kastellplatz, in direkter Nähe zum Schlosshof, der Keimzelle des renommierten Festivals. Weitere Spielorte sind der Schlosshof, die Kirchen St. Josef sowie die Evangelische Stadtkirche, das Alte Landratsamt, Schlosstheater und Peschkenhaus. Ein besonderer Ort der Begegnung soll auf der Wiese am Pulverhaus entstehen. Unter dem Motto: „Wo die wilden Frösche klatschen“ finden tagsüber Kinder- und Familienprogramm sowie Workshops statt, bevor sich das Areal abends in eine Konzertbühne verwandelt. Sessions gibt es auch in der Szenekneipe „Die Röhre“, im Bollwerk 107 und an der Skatebahn im Freizeitpark.

Zu Pfingsten werden gut 200 Musiker aus 20 Nationen in Moers erwartet. Die WDR-Bigband wird unter der Leitung von Vince Mendoza das Festival eröffnen. Gemeinsam mit dem südafrikanischen Jazzpianisten Nduduzo Makhathini wird sie laut Tim Isfort den Kastellplatz bereits am Donnerstag, 21. Mai, dem bundesweiten Aktionstag „Zusammenhalt in Vielfalt“, in großer Besetzung zum Klingen bringen. Das Publikum darf sich auf Musiktheaterproduktionen freuen – wie das „Festivalmärchen über eine wundersame Verwandlung“. Dahinter steckt Gellért Szabós Ideal Orchester aus Leipzig mit 23 Musikern. Es gibt ein Wiedersehen mit vielen Festival-Haudegen wie Angelika Niescier und Tomeka Reid, die in unterschiedlichen Konstellationen Musik machen und improvisieren werden. Moritz Simon Geist plant eine Installation auf dem Festivalgelände. Der Trompeter Nate Wooley wird ebenso erwartet wie das Moerser Jazzquartett, bestehend aus Thomas Klecha-Fauré, Matthias Dymke, Matthias Bangert und Rolf Hildebrandt.

Die USA stehen 2026 als ein Schwerpunktland im Fokus. Dies begründet der Festivalleiter nicht nur mit der Auswahl wegweisender Künstler der aktuellen US-Szene, sondern auch durch die „Marginalisierung schwarzer Kultur unter der derzeitigen US-Regierung“ sowie der Selbstdarstellung des amtierenden Präsidenten. Eingeladen sind die Saxophonistin Lakecia Benjamin und das New Yorker Ensemble „Yarn/Wire“. Weitere Namen sind Nicole Mitchel und Joy Guidry. Parallel dazu setzt das Festival die Reihe „Afrika“ fort – in diesem Jahr mit einem Fokus auf die Regionen Togo, Benin und Ghana. Es werden 20 Künstler erwartet. Im Kontrast dazu steht der Fokus „100 Jahre Moderne“. Es handelt sich um eine Hommage an Morton Feldmann und György Kurtág, die beide 100 Jahre alt werden.

2026 umgibt der bunte Markt nicht nur die Bühne auf dem Kastellplatz, sondern erstreckt sich als Flaniermeile von der Evangelischen Stadtkirche über die Kleine Allee bis in den Schlosspark hinein. Die Besucher dürfen sich auf internationale Köstlichkeiten freuen. Flankiert wird das gastronomische Angebot von einem Händlermarkt, dessen Angebot von Kunsthandwerk, Schmuck und Vintage bis zu Secondhand reicht.

Die Zeltstadt wird wieder im Freizeitpark aufgebaut, genauer gesagt auf der Ballonwiese, in direkter Nähe zur dortigen Plaza und nur einen kurzen Spaziergang vom Festivalgeschehen entfernt. Eine Kooperation mit der Enni Stadt und Service wird dafür sorgen, dass der Abfall auf dem Festival getrennt werden kann. Außerdem unterstützt das Unternehmen mit Mehrweggeschirr.

Kulturdezernent und Kämmerer Wolfgang Thoenes berichtete, dass Bund und Land weiter an der Seite des Moers Festivals stehen und finanziell unterstützen, ebenso wie die Stadt Moers. Gute Erfahrung habe man 2025 mit der Aktion „Pay what you want“ gemacht. Man habe die Einnahmenerlöse verbessern können. In diesem Jahr heißt das Motto „Pay what you can“. Der Ticketverkauf läuft bereits seit Februar. Es gibt Eintrittskarten für 45, 87, 129 und 172 Euro. Festivalbesucher entscheiden selbst, welche Preiskategorie am besten ins eigene Budget passt. Jede Ticketkategorie ist an allen Festivaltagen und Spielorten gültig. Außerdem gibt es das Ticket für „stille Helden“ zu 300 Euro. Es beinhaltet den Zutritt zu einem Geheimkonzert und zum Backstage-Bereich sowie einen kostenfreien Zeltplatz, Catering und ein Festivalshirt.