500 Euro und mehr – das bezahlen viele Eltern in Augsburg, wenn ihr Nachwuchs eine Kita besucht, und zwar pro Monat und Kind. Bei ohnehin hohen Lebenshaltungskosten und Mieten ist das für viele Familien eine große Belastung. Erst recht, wenn es um mehr als ein Kind geht. Die hohen Kosten für Kinderbetreuung in Augsburg sind ein drängendes Thema, wie Nachrichten an unsere Redaktion im Rahmen eines Whatsapp-Leseraufrufs zeigen. Leserinnen und Leser kritisieren scharf, sie bekämen von der Stadt wenig Unterstützung.
Mutter aus Augsburg-Lechhausen: Betreuungskosten in Augsburg „ein Fass ohne Boden“
Vanessa aus Lechhausen empfindet die Betreuungskosten wie „ein Fass ohne Boden“. Die Mutter zweier Kinder berichtet, dass eines ihrer Kinder in einer Krippe eines kirchlichen Trägers untergebracht ist. Insgesamt werden 550 Euro pro Monat für den Platz fällig. Die Gebühr sei zuletzt zweimal gestiegen. Eltern bleibe nichts anderes übrig, als zu zahlen. „Man ist total machtlos“, so empfindet es die Lechhauserin.
Eltern seien durch die hohen Kosten gezwungen, früher wieder in die Arbeit zurückzukehren. Die Stadt habe aus ihrer Sicht kein großes Interesse daran, Familien stärker zu fördern. „Es wird ja nur noch gekürzt“, sagt sie mit Blick auf das vom Freistaat gestrichene Kinderstartgeld und Familiengeld. „Kinder haben halt einfach keine Lobby. Außer Eltern setzt sich niemand ein“, kritisiert die Augsburgerin.
Andere Leserinnen und Leser sehen das ähnlich. Eine 35-jährige Augsburgerin aus Haunstetten denkt seit ihrer zweiten Schwangerschaft immer wieder daran, die Stadt oder gar das Land zu verlassen – obwohl sie eigentlich gerne in ihrer Heimatstadt lebt. Für eine Großtagespflege hätten sie und ihr Mann für ihr erstes Kind monatlich 400 Euro zahlen müssen. Dabei hätte aber die Gefahr bestanden, dass die beiden Tagespflegerinnen das Handtuch werfen, da diese von Hürden durch die Stadt berichtet hätten.
Eltern wünschen sich „faire Kitapreise“ – Stadt Augsburg sieht keine Handhabe
Einen anderen Betreuungsplatz hätte die Familie nicht bekommen. Die Augsburgerin sei kurz davor gewesen, ihren Job zu kündigen und bei ihrem Sohn zu bleiben, statt „weiterhin für so hohe Betreuungskosten aufzukommen und immer wieder von der Stadt das Gefühl zu bekommen, dass arbeitende Eltern absolut nicht respektiert oder unterstützt werden“. Komme nun das zweite Kind dazu, während die Familienleistungen gestrichen und die Lebenshaltungskosten steigen würden, „sehe ich ehrlicherweise total schwarz in die Zukunft“, sagt sie. Sie fragt sich, warum Augsburg nicht stärker in Betreuung und arbeitende Eltern investiere, statt etwa „massenhaft“ Geld ins Theater zu stecken.
Auch Katie aus Kriegshaber wünscht sich „faire Kitapreise“ und mehr finanzielle Unterstützung für Familien. Aktuell zahlten sie und ihr Mann 540 Euro für die dreijährige Tochter in einer katholischen Kita für sechs Stunden Betreuung am Tag.
Vertreter der Stadt verteidigen sich gegen die Vorwürfe. Gemeinsam mit freien und privaten Trägern bemühe man sich darum, „gute Bildungseinrichtungen sowie ausreichend und möglichst bedarfsorientiert Plätze zu schaffen und eine qualitätsvolle frühkindliche Bildung zu gestalten“, teilt Martina Wild (Grüne), zweite Bürgermeisterin und Referentin für Bildung und Migration mit.
Augsburg fördere die Träger durch verschiedene Zuschüsse. Insgesamt sei die Bezuschussung in jüngster Zeit „sukzessive erweitert“ worden, etwa für Bau oder Betrieb der Einrichtungen. Insgesamt 270 Millionen Euro seien seit 2020 etwa zu freien Trägern geflossen. Aber: Für freie und private Träger gelte ein eigenverantwortlicher Handlungsrahmen. Sie können ihre Gebühren aus unterschiedlichen Berechnungen selbst festlegen – und tun dies „in durchaus unterschiedlicher Höhe“, wie Wild anmerkt. Darauf habe die Stadt keinen Einfluss.
Stadt Augsburg verweist auf Zuschüsse und Familienhilfen
Für Eltern, die Kinder unter drei Jahren in die Betreuung geben, sind die Kosten jedoch auch in städtischen Einrichtungen hoch. Für eine tägliche Betreuungszeit von sieben bis acht Stunden werden dann inklusive aller Gebühren fast 450 Euro pro Kind fällig.
Für die Kindergarten-Plätze der über Dreijährigen stellt sich die Situation laut Wild so dar: Für einen Platz der städtischen Trägerin müssten Eltern etwa 131,50 Euro monatlich bei einer Betreuungszeit von sieben bis acht Stunden zahlen. Ohne den bayerischen Beitragszuschuss wären es 100 Euro mehr.
Wild betont, dass die tatsächlichen Betreuungskosten bei rund 1300 Euro pro Platz und Monat lägen. „Eltern zahlen also nur einen Bruchteil davon.“ Kürzlich habe man auch bewusst darauf verzichtet, die vollen Tarifsteigerungen von zehn Prozent auf die Elternbeiträge umzulegen. Die Beiträge sind in den vergangenen Jahren je um etwa drei Prozent gestiegen.
Die Bildungsreferentin verweist jedoch auch darauf, dass bei Familien mit geringeren Einkommen die Gebühren auf Antrag ganz oder teilweise vom Träger der öffentlichen Jugendhilfe übernommen werden können.
Augsburger Sozialreferent Schenkelberg: Eltern nutzen oft weitere Hilfen nicht
Generell würden Eltern oft weitere Hilfen zustehen, die aber nicht genutzt würden. So erklärt der Sozialreferent Martin Schenkelberg (CSU), es gebe über 150 Leistungen für Familien. „Diese finanziellen Leistungen werden oftmals jedoch nicht abgerufen, weil Familien ihre Rechte und Möglichkeiten nicht kennen oder die Verfahren zu kompliziert sind“, teilt Schenkelberg mit. Deshalb habe man sich 2023 mit Partnern wie Arbeitsagentur, Krankenkassen, Jobcenter, Familienkasse und dem Zentrum Bayern Familie und Soziales zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Über das Online-Portal augsburg.de/netzwerk-familienleistungen gebe es seitdem einen Überblick, welche Leistungen Augsburger Familien zustehen.
Auch an anderer Stelle entgegnet die Stadt dem Vorwurf, zu wenig für Familien zu tun. Mit dem Aktionsplan „Augsburg für Familien“, den der Stadtrat im Dezember 2024 auf den Weg brachte, gehe man mit 43 Maßnahmen gezielt auf die Bedürfnisse von Familien ein. So wurde etwa das Online-Portal „Familien-Kompass“ veröffentlicht, das Beratungs- und Unterstützungsangebote, Veranstaltungen und einen Ratgeberbereich bündelt, zudem Anlaufstellen wie familienfreundliche Orte oder Baby-Räume (mit Still- und Wickelbereich) zeigt.
Leseraktion: Wo gibt es in Augsburg Probleme?
Im Rahmen unserer Whatsapp-Leseraktion haben sich mehr als 150 Augsburgerinnen und Augsburger gemeldet. Eine Auswahl der Anliegen veröffentlichen wir – und konfrontieren nicht nur die Stadt, sondern auch die OB-Kandidatinnen und OB-Kandidaten damit. Auch bei der Podiumsdiskussion „Augsburg wählt“ am 1. März, ab 20.30 Uhr, sollen die Bewerberinnen und Bewerber zu drängenden Themen Stellung beziehen.
-
Dominik Schätzle
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis
-
Augsburg
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis
-
Martina Wild
Icon Haken im Kreis gesetzt
Icon Plus im Kreis