Nach den durchwachsenen ersten Wochen der Rückrunde in der 2. Handball-Bundesliga war schon ordentlich Druck auf dem Kessel beim TSV Bayer Dormagen, weil die Konkurrenz gepunktet hatte und die Abstiegszone wieder gefährlich nahegekommen war. Doch die junge Mannschaft des TSV hielt dem Druck zum Auftakt der extrem wichtigen Englischen Woche mit weiteren Spielen in Ludwigshafen (Mittwoch) und Oppenweiler (Sonntag) stand und bescherte seinen Anhängern im ewigen Westderby gegen TuSEM Essen am Samstagabend einen 39:35 (17:18)-Heimerfolg.

Auch wenn das Spiel angesichts der historischen Dimension dieser Paarung und wegen seiner Bedeutung für den Abstiegskampf durchaus ein paar Zuschauer mehr als die offiziellen 1496 vertragen hätte, war die Stimmung gut. Auf der Platte, auf den Bänken und auf den Rängen waren ordentlich Emotionen im Spiel. Entsprechend feierten die Dormagener hinterher ausgelassen und klatschten sich mit ihren Fans ab. Ihnen war anzumerken, dass ihnen eine große Last von den Schultern gefallen war.

Dabei hatte es zu Beginn des Derbys noch so ausgesehen, als würde die Bedeutung der Partie die Gastgeber verunsichern. Nach dem 1:1 durch Florian Boehnert schickte Peter Strosack nach einem Steal Luca Krist auf die Reise, doch der scheiterte bei seinem Tempogegenstoß an TuSEM-Keeper Finn Knaack. Ab da wirkte der TSV völlig von der Rolle, machte Fehler nach Fehler und lag schnell 2:6 (10.) zurück. „Wir wollten das Tempo bewusst hochhalten, weil Essen ja das Spiel vom Mittwoch in den Knochen hatte, werfen dann aber Bälle weg und vergeben freie Chancen“, so TSV-Coach Julian Bauer, der sich dann früh gezwungen sah, eine Auszeit zu nehmen.

Anschließend stabilisierten sich die Dormagener und kamen auch dank dreier Paraden von Keeper Christian Simonsen immer näher heran und gingen in der 17. Minute durch Boehnert sogar erstmals in Führung (9:8), doch nach dem anschließenden Ausgleich und einer Auszeit der Essener, kippte die Partie wieder in die andere Richtung. Während Essen im Angriff immer wieder Lösungen fand und kontinuierlich traf, streute der TSV immer noch zu viele Fehler ein und vergab gute Chancen. Da war das Beste an der ersten Hälfte, dass er aus dem zwischenzeitlichen Drei-Tore-Rückstand in der Schlussphase noch ein 17:18 machen konnte.

Nach dem Seitenwechsel zahlte sich dann die Hereinnahme von Torwart Louis Oberosler aus, der zunächst mit einer Parade gegen den ansonsten bärenstarken Linksaußen Finley Werschkull, der in Dormagen ausgebildet wurde, ein Ausrufezeichen setzte. Dann ließ der Österreicher noch zwei weitere folgen und hatte damit entscheidenden Anteil daran, dass der TSV in der 44. Minute mit 27:25 in Führung lag und Essen eine Auszeit nahm. „Vom Ergebnis her sind wir zwar zunächst drangeblieben, aber Dormagen hat schon die Kontrolle übernommen“, meinte TuSEM-Coach Kenji Hövels.

Weil die Gastgeber das Tempo hochhielten und die Essener Abwehr durch ihre starke Rückraumreihe mit Luca Krist, Finn Schroven und Florian Boehnert permanent beschäftigten und auch über die gut aufgelegten Außen Luis Pauli und Kaj Kriescher Betrieb machten, kamen die Gäste nach ihrem 40:32-Erfolg unter der Woche gegen Krefeld zusehends an ihre körperlichen Grenzen. Auch weil ihre Torhüter gar keinen Rückhalt mehr boten. Ein zusätzlicher Schlag war dann die Umstellung von Julian Bauer im Angriff auf den siebten Feldspieler. Als Nils Homscheid nur den Pfosten traf, sorgte Kriescher im Gegenzug mit dem 33:30 (52.) für die erste Drei-Tore-Führung des TSV. Finley Werschkull verkürzte zwar noch mal auf 34:35 für Essen.

Doch als Felix Böckenholt, der in den vergangenen Wochen durchaus Probleme hatte vom Siebenmeterstrich, per Strafwurf nervenstark auf 36:34 stellte und direkt danach Max Neuhaus den Ball verlor, was Florian Boehnert per Tempogegenstoß zum 37:34 (59.) nutzte, war eine Vorentscheidung gefallen. Anschließend brachte Dormagen den verdienten Sieg auch gegen eine offene Deckung der Essener sicher ins Ziel. Der Rest war pure Freude und Erleichterung. Doch schon am Mittwoch geht es mit dem Nachholspiel bei den Eulen Ludwigshafen weiter.

TSV-Tore: Krist (6), Boehnert (7), Kriescher (5), Böckenholt (3/3), Schroven (6), Strosack (3/2), M. Schmidt (1), J. Schmidt (1), Pauli (5), Hein (2)