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Bei einer Podiumsdiskussion zur Landtagswahl sollte Manuel Hagel für die CDU werben – doch eine Zwischenfrage brachte den Spitzenkandidaten völlig aus dem Konzept.
Baden-Baden – Politische Diskussionsrunden vor Landtagswahlen können schnell zu einem Minenfeld werden. Besonders dann, wenn unvorbereitete Fragen die Kandidaten auf dem falschen Fuß erwischen. Beim Leserforum der Badischen Neuen Nachrichten vor der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg erlebte CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel einen solchen Moment. Das ist für den 37-Jährigen in diesem Wahlkampf nicht neu, bereits seit Tagen wird er mit Kritik zu seinen jüngeren, zweifelhaften Aussagen zu Realschülerinnen konfrontiert. Eine Nachfrage erwischte ihn nun aber eiskalt.
Viel Wirbel um CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel. (Archivbild) © Kay Nietfeld/dpa
Hagel hatte vor acht Jahren in einem Interview erzählt, es gebe „schlimmere Termine“ für einen Politiker als in einer Realschulklasse mit 80 Prozent Mädchenanteil. Dann geht er auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: „Ich werd‘s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen.“ Am Ende der Podiumsdiskussion der BNN am Mittwoch (25. Februar) wurde ihm nun erneut die Möglichkeit eingeräumt, zur Kritik an diesem Interview Stellung zu nehmen.
Landtagswahl BW 2026: CDU-Spitzenkandidat Hagel sprachlos nach Erklärung zu Schülerinnen-Aussage
CDU-Spitzenkandidat Hagel gab in Kürze sein Statement, das er im Landtagswahlkampf nun bereits öfter gegeben hat: Der Einstiegssatz sei „Mist“ gewesen, er würde ihn nicht mehr wiederholen, die Kritik käme nun aber zu spät, denn seine Frau habe ihm damals schon umgehend den Kopf gewaschen. Moderatorin Sibylle Kranich hakt nach: „Ist ihre Frau ihr moralischer Kompass?“ Hagel antwortet knapp „Ja“, schiebt aber schnell noch ein „Auch“ hinterher. Diese Aussage nutzt Linken-Spitzenkandidatin Amelie Vollmer für eine spitze Zwischenfrage: „Sollte dann nicht ihre Frau kandidieren, statt sie?“
Amelie Vollmer, Spitzenkandidatin der Linken für die Landtagswahl in Baden-Württemberg. © Marijan Murat/dpa
Großes Lachen und Applaus im Publikum, Hagel schüttelt auf der Suche nach Worten langsam den Kopf, ehe Moderator Theo Westermann ihn aus der unangenehmen Situation befreit und sagt: „Wir lassen das einfach mal stehen.“
Landtagswahl BW: Zwischenfrage von Amelie Vollmer wird gefeiert, Hagel kritisiert
Auf Instagram verbreitete sich der kurze Ausschnitt am Donnerstagmorgen rasant, sammelte innerhalb von 24 Stunden über 37.000 Likes ein. In den Kommentaren unter dem Instagram-Post wird die Zwischenfrage überwiegend gefeiert, viele Nutzer kritisieren Hagels Umgang mit der Situation scharf. „Wenn der moralische Kompass außerhalb der eigenen Person liegt, dann sollte man wohl lieber keine politischen Ämter innehaben“, schreibt eine Person. Ein anderer Kommentator fragt: „Wie schwer ist es eigentlich, einfach mal zu sagen: ‚Ich entschuldige mich, es tut mir leid, dass ich das damals so gemacht habe, das war falsch.‘“ Mehrere Nutzer bemängeln, dass Hagel keine Entschuldigung für seine damaligen Aussagen formuliert habe.
Der Instagram-Ausschnitt stammt von Neunund20, Teil eines Unternehmens für progressive politische Kommunikation, das vom Grünen-Politiker Patrick Haermann und dem ehemaligen EU-Grünen-Mitarbeiter Peter Jelinek gegründet wurde. Der Clip dürfte dort somit überwiegend ein bereits Hagel-kritisches Publikum erreicht haben. Trotzdem zeigt die hohe Resonanz und Viralität, wie gefährlich die Aussagen aus der Vergangenheit für Hagels Streben nach dem Amt des Ministerpräsidenten in Baden-Württemberg sein kann.
Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März – aktuelle Umfragen sehen CDU vorne
Die BW-Wahl findet am 8. März 2026 statt. Aktuelle Umfragen zur Landtagswahl in Baden-Württemberg sehen die CDU (28 Prozent) nach monatelangem deutlichem Vorsprung nur noch knapp vor den Grünen (27 Prozent). Die AfD ist unangefochtene Nummer 3 im BaWü-Rennen mit 18 Prozent, die SPD kommt aktuell nach deutlichen Verlusten nur noch auf 7 Prozent. FDP (6 Prozent) und Linke (5,5 Prozent) kämpfen um den Einzug in den Landtag in Stuttgart.
Aktuell regiert in Baden-Württemberg eine grün-schwarze Koalition unter Deutschlands einzigem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Der 77-Jährige verzichtete bei der Landtagswahl 2026 auf eine erneute Kandidatur, als Spitzenkandidaten schicken die Grünen nun den ehemaligen Bundesagrarminister Cem Özdemir ins Rennen. Bessere Chancen auf den Ministerpräsidentenposten scheint aktuell jedoch Manuel Hagel zu haben – trotz der aktuellen Kritik und spitzen Zwischenfragen von links. Zwischenfragen, die, wie Amelie Vollmer auf Instagram betont, zunächst unbeantwortet blieben, denn: „Eine Antwort ist mir Manuel Hagel schuldig geblieben.“