Brauchen wir mehr Fahrradwege oder mehr Parkplätze? Sollte es künftig mehr Tempo-30-Zonen in Augsburg geben oder nützen solche Regelungen nichts? Immer wieder ist die Rede von einer Mobilitätswende, doch wie soll die für unsere Stadt aussehen? „Mobilitätswende oder Weiter so: Wofür stehen Sie?“ Diese Frage haben wir den Parteien gestellt, die zur Kommunalwahl antreten. Das sind ihre Antworten.

CSU: Wir setzen auf eine Mobilitätsentwicklung mit Augenmaß: vernetzt, klimafreundlich und alltagstauglich. Unser Maßstab in der Mobilität ist der Alltag der Menschen, nicht das einzelne Verkehrsmittel. In den vergangenen Jahren haben wir zentrale Grundlagen geschaffen – mit dem Umbau des Hauptbahnhofs, dem Ausbau des Straßenbahnnetzes und Investitionen in moderne Fahrzeuge. Jetzt geht es darum, die Systeme intelligent zu verbinden: ÖPNV, Rad- und Fußverkehr, Auto und neue On-Demand-Angebote. Unser Anspruch ist eine Mobilität, die funktioniert und Wahlfreiheit erhält – mit sicheren Wegen, verlässlichen Takten und digitalen Lösungen.

Grüne: Wir wollen Mobilität klima- und sozialgerecht gestalten. Die Zeit ist reif für die Mobilitätswende! Auf dem Weg haben wir einiges erreicht: neue Tempo-30-Bereiche, 17 km Fahrradstraßen und Radwege wie in der Hermanstr., die Linie 3 nach Königsbrunn und den Hauptbahnhof. Es liegt aber noch Wegstrecke vor uns. Im ÖPNV brauchen wir mehr Zuverlässigkeit, einen dichteren Takt und müssen das Tramnetz ausbauen. Der Radvertrag war ein Gewinn. Die Förderung des Radverkehrs setzen wir fort. Für uns gilt: Wir bauen gefährliche Stellen im Verkehr um, führen Schulstraßen ein, senken das Fahrtempo und gehen mit Vision Zero voran: Keine Verkehrstoten mehr! 

SPD: Ohne einen bezahlbaren und verlässlichen ÖPNV ist in Augsburg keine Mobilitätswende möglich. Wir bringen den Nahverkehr wieder in die Spur – mit dem 5-Minuten-Takt, neuen Straßenbahnen und Linien sowie vernünftigen Busverbindungen zu einem fairen Preis für alle. Auch beim Radverkehr muss Augsburg vorankommen. Wir kümmern uns um durchgängige Radwege und neue Fahrradtrassen. In der Altstadt und in Wohngebieten stehen wir für mehr Verkehrsberuhigung – für sichere Schulwege und ruhiges Wohnen. Oben auf unserer Prioritätenliste steht dabei die Hallstraße – wir fordern bereits seit langem die vollständige Sperrung für den Durchgangsverkehr.

AfD: Wir stehen für eine vernünftige Verkehrspolitik statt ideologischer Mobilitätsexperimente. Augsburg braucht fließenden Verkehr, erreichbare Stadtteile und realistische Lösungen für Pendler, Familien und Betriebe. Einseitige Bevorzugung einzelner Verkehrsmittel lehnen wir ab. Tempo-30-Experimente, Dauerbaustellen und künstliche Verknappung von Parkraum verschärfen die Probleme. Der ÖPNV muss bezahlbar, einfach und zuverlässig sein. Mobilität heißt für uns Wahlfreiheit, Funktionalität und Rücksicht auf alle Verkehrsteilnehmer.

Der Straßenbahn-Takt ist in Augsburg immer wieder Thema. Vielen Parteien ist er zu schlecht. Wie sie sich die Zukunft vorstellen.

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Der Straßenbahn-Takt ist in Augsburg immer wieder Thema. Vielen Parteien ist er zu schlecht. Wie sie sich die Zukunft vorstellen.
Foto: Silvio Wyszengrad (Archivbild)

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Der Straßenbahn-Takt ist in Augsburg immer wieder Thema. Vielen Parteien ist er zu schlecht. Wie sie sich die Zukunft vorstellen.
Foto: Silvio Wyszengrad (Archivbild)

Freie Wähler: Wir stehen für eine pragmatische Mobilitätswende statt ideologischer Verbote. Unser Ziel ist die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer: Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer und Nutzer des ÖPNV. Die Augsburger Innenstadt muss auch für Menschen erreichbar sein, die auf das Auto angewiesen sind, etwa ältere Menschen oder Familien. Gleichzeitig setzen wir uns für sichere und ausgebaute Radwege sowie einen deutlich verbesserten und bezahlbaren ÖPNV ein. Ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr kann Wohngebiete außerhalb der Stadt besser anbinden, Pendler entlasten und so einen Beitrag zur Entspannung des Wohnungsmarkts in Augsburg leisten.

FDP/Pro Augsburg: Das Auto zu verteufeln hilft nicht weiter. In einer wachsenden Stadt wie Augsburg ist es unrealistisch zu glauben, alle Zugezogenen würden nur Bus, Bahn oder Fahrrad nutzen. Am Ausbau der Straßen führt daher kein Weg vorbei – auch wenn wir bei Radwegen und ÖPNV noch Aufgaben haben. Schwarz-Grün hat falsche oder keine Prioritäten gesetzt. Statt bürokratisch Radwegstückchen ins Nichts zu bauen, braucht es durchgängige, sichere Achsen. Die City-Zone sollte beendet und die 1,2 Millionen Euro pro Jahr besser in günstige Verbindungen zwischen Park-and-Ride-Plätzen und Innenstadt investiert werden.

Linke: Wir stehen für eine soziale und ökologische Mobilitätswende. Mobilität ist ein Grundrecht und darf keine Frage des Geldbeutels sein. Wir setzen uns für einen deutlich günstigeren, perspektivisch ticketfreien ÖPNV ein, den Ausbau von Bus- und Straßenbahntakten sowie eine bessere Anbindung unterversorgter Stadtteile und des Umlands. Gleichzeitig wollen wir den Radverkehr durch sichere, durchgängige Radwege stärken und Verkehrsberuhigung sowie autofreie Zonen in Wohnquartieren und im Umfeld von Schulen ausbauen. Ziel ist eine Mobilität, die bezahlbar, klimafreundlich und für alle nutzbar ist.

ÖDP: Lange Wartezeiten müssen vermieden werden

ÖDP: Es gilt, insbesondere das Augsburger Busnetz zu verbessern. Ein Grundtakt mit 15 Minuten für alle Linien ist alternativlos. Lange Wartezeiten beim Umsteigen zwischen Bus und Tram sind zu vermeiden. In den Nachtstunden darf das Busnetz nicht durch das kostenpflichtige SWAXI-Angebot ‚kannibalisiert‘ werden. Insbesondere das Herz der Tram in der Innenstadt benötigt dringend einen Bypass. Wie erst kürzlich während des Christkindlmarktes werden Tramverbindungen in die Stadtteile durch Veranstaltungen immer wieder eingestellt und nur zum Teil durch Busersatzverkehr überbrückt. Die Mobilitätswende kann nur mit einem attraktiven ÖPNV gelingen.

Generation Aux: Mobilität muss im Alltag funktionieren. Sie soll einfach, schnell und sicher sein. Wir setzen auf einen ausgewogenen Mix aus öffentlichem Nahverkehr, Radverkehr, Fußverkehr und einem flüssigen Autoverkehr. Sicherheit und Alltagstauglichkeit haben dabei Vorrang vor Ideologie. Konkret planen wir eine Nord-Süd Radachse durch die Innenstadt, die Augsburg S-Bahn zu Gaswerk und Uniklinikum sowie nach München – kosteneffizient auf bestehenden Gleisen. Die Einführung von Superblocks in den Stadtteilen, das bedeutet weniger Durchgangsverkehr in Quartieren, mehr Ruhe, Sicherheit und Lebensqualität – ohne dabei Erreichbarkeit einzuschränken.

Augsburg in Bürgerhand: Die Bilanz von Schwarz-Grün: Keinen Schritt vorangekommen. Wir brauchen eine Verkehrswende mit deutlichem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Die Vernetzung zwischen Bahn, Bus, Straßenbahn, Carsharing, Fahrrad, Lastenfahrrad sind zu verwirklichen. Das Angebot für Park&Ride soll erweitert werden. Wir wollen die Zurücknahme der Preiserhöhungen im AVV und die Rückkehr zum 5-Minuten-Takt. Es sind preisgünstige Jahrestickets für Senioren und kostenlose für Schüler anzubieten. Ziel: Ein kostenloser Nahverkehr für alle. Augsburg ist keine „Fahrradstadt“. Ein massiver Ausbau des Radwegenetzes mit Schnellfahrrouten ist umzusetzen.

Die Partei: Schluss mit „weiter so“. Wir stehen für radikale Gleichberechtigung auf dem Asphalt durch High-Performance-Mobilitätszonen: Wer kann, fährt – wer bummelt, weicht. Ergänzt durch den reaktivierten Ringverkehr (COCK-Ring) wird Mobilität sicher, flüssig und kreisförmig gedacht.

WSA: Alle Verkehrsteilnehmer müssen respektiert werden

WSA: Die WSA steht für Mobilität ohne ideologische Gräben. Wir wollen sichere Radachsen, intelligente Ampelschaltungen, ausreichend Parkraum und ein Verkehrssystem, das alle Verkehrsteilnehmer respektiert. Unser Ansatz ist pragmatisch: Mobilität muss funktionieren – für Familien, Pendler, Handel und Gewerbe. Wir setzen auf Vernunft statt Verbote und auf Lösungen, die den Alltag wirklich verbessern.

V-Partei3: Eine echte Mobilitätswende ist eines der Steckenpferde der V-Partei³: mehr Raum und Sicherheit für Menschen, Grünflächen sowie sichere Wege für Fuß- und Radverkehr – ohne PKW´s zu ignorieren. Ziel ist ein zuverlässiger, langfristig kostenloser ÖPNV als Daseinsvorsorge, finanziert durch Umverteilung und Einsparungen, u.a. bei der SWA. Ergänzend müssen On-Demand-Angebote wie „swaxi“ ausgebaut, nicht abgebaut werden. Mobilität endet nicht an der Stadtgrenze: Stadt und Umland müssen noch stärker verzahnt werden. Ein attraktiver ÖPNV ist ein wichtiger Baustein für die Veränderung. 

Volt: Volt Augsburg denkt Mobilität ganzheitlich – für mehr ÖPNV, Radverkehr und Lebensqualität: Wir setzen auf dichte Takte und den Neubau der Tramlinie 5 (Hauptbahnhof–Uniklinikum) sowie den Ausbau der Tramlinie 1 (Hochzoll Süd). Sichere Radwege und Radschnellwege machen das Radfahren attraktiver. Weniger Autos im Stadtverkehr entlasten Straßen. Multimodale Knotenpunkte bündeln Bus, Tram, Bahn und Sharing-Angebote für flexible Mobilität.