Bielefeld/Gütersloh. Ein Warnstreik hat am Freitag, 27., und Samstag, 28. Februar, große Teile des kommunalen Nahverkehrs in Nordrhein-Westfalen und mehreren Bundesländern lahmgelegt. Die Gewerkschaft Verdi hatte zu den Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Seit dem frühen Sonntagmorgen rollen Busse und Bahnen in Bielefeld und Gütersloh wieder, doch ein Ende des Tarifkonflikts mit den Arbeitgebern ist derzeit noch nicht in Sicht – Warnstreiks bleiben damit weiter möglich.

Von den Warnstreiks betroffen waren der Gewerkschaft zufolge allein in NRW mehr als 30 kommunale Verkehrsunternehmen mit rund 30.000 Beschäftigten. Zu den kommunalen Verkehrsbetrieben, um die es in den Verhandlungen geht, gehören nahezu alle großen Städte in Nordrhein-Westfalen von Bielefeld (Mobiel), Gütersloh (Stadtbus), Bonn, Köln, Düsseldorf und Duisburg über Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund bis nach Hagen. Die Aachener Verkehrsbetriebe Aseag gehören zu den wenigen Ausnahmen in NRW, auf die sich die Tarifverhandlungen nicht beziehen.

Nach Schätzungen der Gewerkschaft Verdi beteiligten sich am Samstag mehr als 7.000 Beschäftigte am Streik im kommunalen Nahverkehr in NRW. Die Streikbeteiligung sei damit ähnlich stark wie am Freitag, so eine Sprecherin.

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Heimspiel von Arminia Bielefeld betroffen

Betroffen vom Warnstreik war auch die An- und Abreise zum ausverkauften Heimspiel des Fußballzweitligisten DSC Arminia Bielefeld gegen Hannover 96 am Samstag.  

Ebenfalls deutliche Auswirkungen hatte der Streik auf den ebenfalls ausverkauften Bundesliga-Kracher zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München (mehr als 81.000 Zuschauer) sowie weitere Fußballspiele in NRW.


An den Streiktagen fuhr in Bielefeld keine Stadtbahn. Das hatte auch Auswirkungen auf das Heimspiel von Arminia Bielefeld am Samstag. - © Andreas Zobe

An den Streiktagen fuhr in Bielefeld keine Stadtbahn. Das hatte auch Auswirkungen auf das Heimspiel von Arminia Bielefeld am Samstag.
| © Andreas Zobe

Dazu kommen Ausfälle bei der Deutschen Bahn

Nicht nur der Streik sorgte am Samstag für Probleme bei der Anreise zum Hannover-Spiel in Bielefeld. Die Deutsche Bahn hat am Freitag, 27. Februar (21 Uhr), die Eisenbahnbrücke an der Sophienstraße in Herford gesperrt. Grund sind lange geplante Bauarbeiten. Wegen der Sperrung entfallen die Halte der Fernzüge in Hamm, Gütersloh, Bielefeld, Herford und Bad Oeynhausen.

Die Details: Eine Woche lang kein Fernverkehr in Bielefeld, Gütersloh und Herford

Im regionalen Nahverkehr fallen mehrere Linien auf Teilstrecken aus, teilweise fahren Ersatzbusse. Der Schienenersatzverkehr orientiere sich jedoch „nur an dem normal üblichen Reiseaufkommen und hat somit nicht genügend Kapazitäten, um das Reiseaufkommen zu einem Heimspiel von Arminia Bielefeld abzudecken“, teilt die Bundespolizei mit. Sie empfiehlt, „alternative Verkehrsmittel in Erwägung zu ziehen“.

Mobiel: Warnstreik allein zulasten der Kunden

„Eine Betriebsstilllegung lässt sich einmal mehr leider nicht vermeiden, weil wir wieder mit einer hohen Beteiligung der Beschäftigten rechnen müssen“, sagt Mobiel-Geschäftsführer Martin Uekmann vor dem Beginn des Warnstreiks in Bielefeld. „Wir bedauern die Auswirkungen für unsere Fahrgäste sehr und weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir als Unternehmen das Streikrecht zwar grundsätzlich respektieren, diese Maßnahme aber für unverhältnismäßig halten.“

Ein zweitägiger Warnstreik zu diesem frühen Zeitpunkt der Verhandlungen gehe einzig und allein zulasten der Kundinnen und Kunden.

Zweite Verhandlungsrunde am 2. März

Bei der ersten Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt waren die Positionen von Verdi und von den Arbeitgebern noch weit voneinander entfernt. Am 2. März steht die zweite Runde an. „Wir erwarten, dass die Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde auf unsere konkretisierten Forderungen eingehen und ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen“, sagte der Gewerkschafter Heinz Rech, der die Verhandlungen für Verdi NRW führt.


Eine Fahne von Verdi:. Am Freitag und Samstag rief die Gewerkschaft bundesweit zu Warnstreiks im ÖPNV auf. - © Stefan Puchner/dpa

Eine Fahne von Verdi:. Am Freitag und Samstag rief die Gewerkschaft bundesweit zu Warnstreiks im ÖPNV auf.
| © Stefan Puchner/dpa

„Offenbar verstehen die Arbeitgeber immer noch nicht, dass es auf Dauer keine funktionierende ÖPNV-Daseinsvorsorge mehr geben kann, wenn wir jetzt nicht entscheidend die Arbeitsbedingungen verbessern“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle laut einer Mitteilung.

Verdi fordert deutliche Verbesserungen für Beschäftigte

Verdi fordert, die Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich um zwei Stunden auf 37 Stunden zu reduzieren. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von zehn auf mindestens elf Stunden erhöht werden, und der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen.

Außerdem pocht die Gewerkschaft auf deutlich mehr Investitionen in Infrastruktur und Personal. Diese Forderungen seien die Grundlage für einen attraktiven Nahverkehr, sagte Gewerkschafter Rech.

Forderungen aus Sicht der Arbeitgeber nicht realisierbar

Aus Sicht der Arbeitgeber sind Verdis Forderungen nicht realisierbar. Die Gewerkschaft ignoriere die schlechte Finanzlage der kommunalen Nahverkehrsunternehmen, heißt es vom Kommunalen Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen. Würde man den Forderungen nachkommen, müsste voraussichtlich an vielen Stellen verstärkt etwa über die Einstellung von Linien, über längere Takte und über die Vergabe von Beförderungsleistungen an das private Busgewerbe nachgedacht werden.

Mit Informationen der dpa.