Valerie Valcourt tauschte ihren sechsstelligen Google-Job gegen eine Konditorenschule in Frankreich.

Valerie Valcourt tauschte ihren sechsstelligen Google-Job gegen eine Konditorenschule in Frankreich.

Courtesy of Valerie Valcourt

  • Valerie Valcourt verdiente fünf Jahre lang bei Google in Seattle sechsstellige Summen.
  • Sie verließ die Tech-Welt, um in Frankreich Konditorin zu werden.
  • Heute arbeitet sie auf Disney-Kreuzfahrtschiffen und plant eine eigene Patisserie.

Dieser Text basiert auf einem Gespräch mit Valerie Valcourt (36). Sie arbeitete früher bei Amazon und Google, bevor sie Konditorin wurde. Der Text wurde aus Gründen der Länge und Klarheit bearbeitet.

Als ich in der Highschool war, belegte ich einen Hauswirtschaftskurs, in dem wir viel gebacken haben. Es war eines meiner Lieblingsfächer. Einmal sagte meine Lehrerin: „Val, heute leitest du das Ganze“. Ab dann war ich für alles verantwortlich. In diesem Moment wusste ich, dass ich unbedingt auf eine Konditorschule gehen möchte.

Ich machte 2007 meinen Schulabschluss, aber meine Eltern sagten: „Du gehst nicht auf eine Konditorschule. Du musst nicht in einer Küche arbeiten.“

Also arbeitete ich etwa fünf Jahre lang bei großen Tech-Konzernen. Mit der Zeit merkte ich jedoch, dass ich nicht glücklich war. Der Wunsch, eine Konditorschule zu besuchen, war nie verschwunden.

Bei Google verdiente ich 100.000 US-Dollar

Valerie Valcourt liebt das Backen seit ihrer Jugend.

Valerie Valcourt liebt das Backen seit ihrer Jugend.

Courtesy of Valerie Valcourt

Ich lebte in Seattle und verdiente bei Google als Administrative Business Partner über 100.000 US-Dollar inklusive Aktien und Boni. Ich hatte Glück mit guten Wohnungen in coolen Vierteln, finanziell ging es mir gut – aber innerlich fühlte ich mich leer. Es herrschte eine sehr konkurrenzbetonte Atmosphäre. Ich sah mich im Raum um und dachte: „Was mache ich hier eigentlich?“

Ständig fragte ich mich, warum ich nichts tat, das mir wirklich Freude machte. Nebenbei backte ich immer wieder, machte Kuchen und Cupcakes für Freunde und merkte, wie sehr mir der Prozess des Backens gefiel.

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Ich bewarb mich an einer Konditorschule in Paris und wurde angenommen. Aber die Gebühren waren hoch, und ich stellte fest, dass ich das Geld dafür nicht hatte.

Außerdem war ich mental nicht bereit. Ich fühlte mich wie eingefroren und unfähig, die nötigen Schritte zu gehen. Also verließ ich die Tech-Branche und zog für ein Jahr nach New York. Dort arbeitete ich als Executive Assistant bei einem Meditationsunternehmen. Es war einer der stressigsten Jobs, die ich je hatte. Das bestärkte mich endgültig in meiner Entscheidung, Konditorin zu werden.

Der Weg nach Frankreich zur Konditorin

Mir war klar: Wenn ich in den USA studiere, müsste ich wahrscheinlich viele Kredite aufnehmen. Also schaute ich mir wieder Angebote in Frankreich an.

Ich fand ein beschleunigtes dreimonatiges Programm namens Gastronomicon in Agde, einem kleinen Küstenort im Süden Frankreichs. Es bot Konditorunterricht, Französischunterricht, ein viermonatiges Praktikum in einem Restaurant auf Michelin-Niveau und Unterkunft für Schule und Praktikum. Alles zusammen kostete 10.000 US-Dollar (ca. 8500€). Alle anderen Schulen, die ich mir ansah, boten mindestens einen dieser Punkte nicht – und waren trotzdem teurer.

Valcourt zog nach Agde in Südfrankreich, um eine Konditorenschule zu besuchen.

Valcourt zog nach Agde in Südfrankreich, um eine Konditorenschule zu besuchen.

Bruno De Hogues/Getty Images

Als ich es meinen Eltern erzählte, unterstützten sie mich sehr. Auch meine Schwester und meine Freunde standen hinter mir, was mir besonders in den Momenten half, in denen ich Zweifel hatte, noch einmal neu anzufangen. Ich war damals 33. Schlussendlich dachte ich: „Okay, ich kann das ausprobieren und sehen, wohin es mich führt. Ich weiß zwar nicht, was danach kommt, aber ich gebe mein Bestes.“

Erster Kulturschock in Frankreich

Es war zu Beginn nicht leicht, mich einzuleben. Ich hatte von Montag bis Freitag jeweils drei Stunden Französisch und drei Stunden Konditorunterricht.

Jede Woche stand unter einem anderen Thema, zum Beispiel Brot, Schokolade, Desserts auf dem Teller oder Entremets. Ich hatte keine Ahnung, dass es in Frankreich so viele verschiedene Desserts gibt. Alles war neu für mich – von Baisers bis zu Brandteig.

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Dazu kam der Kulturschock. Ich sprach vor der Schule kaum Französisch. Ich erinnere mich, wie ich im Supermarkt einfach auf Dinge zeigte, panisch war und mich ständig entschuldigte. Das brachte mich aber dazu, ernsthaft Französisch zu lernen, bevor mein Praktikum begann.

Manchmal hatte ich wieder dieses Impostor-Syndrom, das ich schon aus der Tech-Welt kannte. Aber dann gab es diese Glücksmomente, wenn ich einen Kuchen aus dem Ofen holte und er perfekt war. Meine Welt veränderte sich im besten Sinne, weil ich mich in so kurzer Zeit so stark fordern musste.

Eine neue Sicht aufs Leben

Von Valcourt gefertigte Gebäcke.

Von Valcourt gefertigte Gebäcke.

Courtesy of Valerie Valcourt

Selbst in Momenten des Zweifels freute ich mich darauf, in der Küche zu stehen und jede Woche mit anderen zu arbeiten, um zu lernen, wo ich mich verbessern konnte und worin meine Stärken liegen.

Ich fand jeden Tag Dinge, die mir Freude bereiteten, sogar die Französisch-Hausaufgaben. Am Anfang konnte ich kaum ein Wort, später konnte ich in Restaurants bestellen und mich im Land zurechtfinden. Früher wusste ich nicht einmal, was eine Meringue ist – heute kann ich einen Zitronen-Baiser-Kuchen backen.

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Ich kam aus diesem dunklen Zustand heraus, in dem ich in der Tech-Branche gewesen war. Meine Stimmung besserte sich, weil ich mit Menschen zusammen war, die es liebten, über Essen zu reden und sich für Patisserie zu begeistern. Wir trafen uns zu Mitbringessen und probierten alle Desserts aus den örtlichen Patisserien. Das schweißte uns zusammen. Ich vertraute mir selbst mehr und erlaubte mir, so offen zu sein, wie ich konnte.

Ich vermisse Big Tech nicht. Ich bin dankbar, dass dieses Kapitel abgeschlossen ist und ich mich auf dieses neue konzentrieren kann. Ich liebe es, mit meinen Händen zu arbeiten und nicht acht Stunden am Tag auf einen Bildschirm zu starren.

Wie es weitergeht nach der Kündigung bei Google

Valcourt arbeitete auf mehreren Disney-Kreuzfahrtschiffen.

Valcourt arbeitete auf mehreren Disney-Kreuzfahrtschiffen.

Courtesy of Valerie Valcourt

Nach der Konditorschule wollte ich eigentlich nach Paris ziehen. Dann meldete sich jedoch Disney Cruise Line, und ich wusste, dass ich nicht nein sagen konnte. Ich arbeitete auf den Schiffen Disney Treasure und Disney Wish als Demi Chef de Partie. Im März kehre ich auf die Treasure zurück.

Mein Ziel ist es, eine eigene Patisserie in Connecticut zu eröffnen. Ich möchte meine Lieblingsdesserts teilen, mit den Zutaten arbeiten, die ich in Frankreich kennengelernt habe, und neue Ideen einbringen, die es so in den USA noch nicht gibt.

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Ich möchte auch andere ermutigen, ihren Träumen zu folgen. Gerade mit 30 oder später hat man oft Angst, noch einmal neu anzufangen. Aber die Wahrheit ist: Man steckt nicht fest. Heute darf ich um die Welt reisen und meine Energie in meine Leidenschaft stecken.

Das Leben muss nicht aufhören, nur weil man älter wird. Im Gegenteil: Es kann erst richtig beginnen – wenn man es zulässt.

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