Ihrem Stück liegen zwei Opern zugrunde: Der 1918 uraufgeführte Einakter „Suor Angelica“ von Giacomo Puccini zeigt, dass Frauenklöster nicht nur Freiräume, sondern auch Orte von Verbannung und Strafe waren. In „Dialogues des Carmélites“ (1957) von Francis Poulenc geht es um den unbeugsamen Glauben von Ordensschwestern während der Französischen Revolution, der im Märtyrertod endet. Wie passen diese beiden Werke in die heutige Zeit?

Ich habe schon häufiger mit Puccini-Opern gearbeitet. Als ich den Schwestern von Mariazell von meiner Idee berichtet hatte, gaben sie mir zu verstehen, dass sie sich mit der Geschichte von „Suor Angelica“ – bei der eine junge Frau wegen einer unehelichen Schwangerschaft ins Kloster verbannt wird und am Ende Suizid begeht – nicht identifizieren können, mit den freien, selbstbestimmten Nonnen von Poulenc hingegen schon.

Das war eine wichtige Rückmeldung für mich. Letztlich sind die beiden Opern für mein Stück „Schwester“ aber nur der Aufhänger, um sich mit der Geschichte und dem Reichtum des monastischen Lebens auseinanderzusetzen.

Was wollen Sie dem Publikum vermitteln?

Das Stück beginnt mit der Komplet, dem Abendgebet im Klosteralltag, zu dem sich etwa zur gleichen Zeit auch die Schwestern in Mariazell versammeln. Wir hacken uns im Theater also gewissermaßen in den Tagesablauf des Klosters ein. Die Performance soll ein Kaleidoskop klösterlicher Erfahrungen und Quellen transportieren.

Neben der Musik von Puccini, Poulenc und dem Klangkünstler Pantha Du Prince prägen Texte von Hildegard von Bingen, Katharina von Siena und der Heiligen Klara das Stück. Ich wünsche mir, dass das Publikum dabei eine ähnliche Erfahrung macht, wie ich sie im Kloster erlebt habe: dass klösterliche Praxis eine Art Akku-Ladestation ist, die einen bewegt und beflügelt.

Die meisten Klöster leiden unter Nachwuchsmangel. Was ginge verloren, wenn diese Lebensform verschwinden würde?

Die Krise der Klöster ist eine Krise für uns. Klöster sind Kraftorte. Ich finde es enorm, dass die Schwestern dort täglich mehrfach im Chorgestühl für uns, für die Welt, für den Frieden, für Zusammenhalt beten. Und dass wir das nicht mal wahrnehmen. Wir wissen es nicht, und es findet trotzdem statt – das hat mich sehr bewegt. Viele Klöster sind hunderte Jahre alt, und all diese Zeit wurde dort kontinuierlich gebetet. Das ist eine Kraft, die nicht anders kann, als durch die Klostermauern zu dringen und auch unsere Welt zu infizieren.

Empfinden Sie das als Trost?

Ja. Wenn jemand an mich denkt, ist das eine Sache. Aber wenn jemand für mich und meine Anliegen betet, dann ist das das größte Geschenk, das man bekommen kann.