Kovac schreibt Titel ab 

BVB bangt um verletzten Can – Schlotterbeck: „Dann spiele ich irgendwann Schach“

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Borussia Dortmunds Kapitän Emre Can droht nach seiner Verletzung im Bundesliga-Topspiel gegen den FC Bayern München (2:3) ein langer Ausfall. Der Arzt habe nach der ersten Untersuchung „kein gutes Gefühl“ gehabt, sagte Trainer Niko Kovac bei „Sky“. Auf die Nachfrage, ob es sich um eine Verletzung am Kreuzband handele, antwortete Kovac: „Es sieht ein bisschen danach aus. Es ist schon so, und er hat auch was gehört.“ Sollten sich die Kreuzbandverletzung und der lange Ausfall bestätigen, „dann ist es für uns wieder ein richtig harter Schlag“, sagte Kovac.

„Da werde ich richtig sentimental“, sagte der BVB-Coach später. Der Vertrag des Dortmunder Kapitäns läuft am Saisonende aus. Can hatte sich gegen Ende der ersten Halbzeit am linken Knie verletzt. Der 48-fache Nationalspieler wollte sich zunächst aber nicht auswechseln lassen und kam aufs Feld zurück. „Er hat dann nochmal weitergemacht und die zweite Aktion hat ihm dann, glaube ich, noch den Rest gegeben, leider“, sagte Kovac, der seinen Abwehrspieler in der Nachspielzeit der ersten Hälfte auswechselte.

„Ich habe ihn ja gefragt, und die Ärzte wussten auch nicht, was jetzt los ist. Die wollten ihn untersuchen, er sagte: Ich mach‘ jetzt weiter. Dann kannst du als Arzt auch nichts sagen“, verteidigte Kovac die medizinische Abteilung des BVB. Ob Can der Nationalmannschaft für die ersten Länderspiele des Jahres Ende März in der Schweiz und gegen Ghana zur Verfügung steht, ist sehr fraglich. Im Falle eines Kreuzbandrisses wäre die WM-Teilnahme im Sommer unmöglich.

BVB-Coach Kovac schreibt Meisterschaft fast ab

Mit Blick auf das verlorene Top-Spiel bilanzierte Coach Kovac derweil: „Ich denke, dass wir nach dem Spiel in Bergamo heute schon eine richtig gute Leistung gezeigt haben. Vor allen Dingen auch, wie wir gegengehalten haben. Wir haben uns richtig gut gewehrt und die Mannschaft hat wirklich ein Kompliment verdient. Wir wissen auf der anderen Seite: Der FC Bayern München ist allein schon, wenn man sich das erste Tor anschaut, wie Joshua Kimmich den Serge findet und wie er den dritten dann reinmacht, Weltklasse. Das ist letzten Endes der Unterschied, der heute dann auch ein bisschen zu sehen war. Aber trotzdem muss und möchte ich meiner Mannschaft ein Kompliment aussprechen und möchte das auch tun.“

Das Spiel sei „Werbung“ für die Bundesliga gewesen, in der Dortmund vorerst nicht mehr auf die Meisterschaft schielen werde. „Wir haben noch ein Ziel. Wir wollen jetzt als Zweiter in die Champions League. Es sind zwar elf Punkte, da kann im Fußball alles passieren, aber ich bin nicht blauäugig. Wir wollen zusehen, dass wir den Rückspiegel weiterhin im Auge behalten beziehungsweise dass die Jungs hinter uns kleiner werden“, so Kovac.

Dortmunds Schlotterbeck im Fokus: „Hatte ein bisschen Glück“

Selbstkritik nach dem Wechselbad der Gefühle gab es derweil bei Nico Schlotterbeck. An den meisten entscheidenden Szenen war der 26-Jährige direkt beteiligt. In Bezug auf einen heftigen Moment war der Nationalverteidiger anschließend ehrlich: Nach gut einer Viertelstunde hätte Schlotterbeck bereits vom Feld fliegen können. „Ich glaube, dass man da schon Rot geben kann. Da hatte ich ein bisschen Glück, ja“, bekannte Schlotterbeck bei „Sky“ zu seinem heftigen Foul an Josip Stanisic, für das er nur die Gelbe Karte sah.

Schlotterbeck hatte Stanisic mit den Stollen am linken Bein getroffen und mit beiden Beinen das Sprunggelenk des Kroaten eingeklemmt. „Es ist hier schon eine brutale Intensität“, sagte später auch Dortmunds Sportchef Lars Ricken im „ZDF-Sportstudio“: „Da haben wir schon ein bisschen Glück gehabt, dass es nur eine Gelbe Karte ist.“ Vier Tage zuvor hatte Schlotterbeck beim Dortmunder Champions-League-Aus bei Atalanta Bergamo als Ersatzspieler die Rote Karte gesehen. Einen Platzverweis hätte der Dortmunder auch am Samstag nach der heftigen Szene sehen können. Nur acht Minuten nach seinem Einsteigen gegen Stanisic hatte Schlotterbeck sein Team per Kopf in Führung gebracht und dabei so intensiv gejubelt, dass er über die Bande sprang und mit den Fans jubelte. Eine zweite Gelbe Karte sah er dafür nicht.

„Wir können jetzt auch alles ausmustern“, echauffierte sich der Abwehrspieler später. „Wenn man alles ausmustert, dann haben wir keinen Fußball mehr. Aber dann, ich sage es dir ehrlich, dann spiele ich irgendwann Schach. Weil wenn ich dafür eine Gelbe bekomme, dann hört es auf.“ Auch im zweiten Durchgang stand Schlotterbeck wieder im Blickpunkt, als er in der 70. Minute wieder Stanisic – diesmal im Strafraum – traf und einen Elfmeter verursachte. Den verwandelte Torjäger Harry Kane zum 2:1 für den Rekordmeister. Auch hier hätte Schlotterbeck wieder Gelb und damit Gelb-Rot sehen können. „Ich finde, es war schon ein sehr, sehr leichter Kontakt“, sagte er dazu. „Und mir dann dafür Gelb zu geben, wüsste ich jetzt nicht.“ Schlotterbeck hatte zuletzt erst wegen einer Gelbsperre und dann muskulärer Probleme gefehlt.