DruckenTeilen
Der Brief- und Paketzusteller DVS meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an. Der größte Konkurrent der Deutschen Post macht die Wettbewerbssituation dafür verantwortlich.
Düsseldorf – Der Brief- und Paketzusteller Deutsche Versand Service (DVS) ist der größte Konkurrent der Deutschen Post. Nun musste das Unternehmen und die Tochter Xendis GmbH Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellen. Hintergrund für die wirtschaftliche Schieflage seien das Umsatzsteuerprivileg der Deutschen Post, die angespannte Wettbewerbssituation im deutschen Markt für Brief- und Geschäftspost sowie deutlich gestiegene Personalkosten, teilten die Unternehmen am Dienstag (24. Februar) laut Reuters mit.
Der Brief- und Paketzusteller DVS meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an. Der größte Konkurrent der Deutschen Post macht die Wettbewerbssituation dafür verantwortlich. (Symbolbild) © Imago/BihlmayerfotografieBrief- und Paketzusteller DVS insolvent – Geschäftsbetrieb läuft weiter
Sie wollen sich nun in Eigenverwaltung sanieren. „Diesen Schritt haben wir bewusst gewählt, um unsere Unternehmen in einem geordneten und rechtlich klar definierten Verfahren zu stabilisieren und strategisch neu auszurichten“, sagte Michael Mews, geschäftsführender Gesellschafter der DVS. Rechtsanwalt Markus Kier von der Kanzlei Piepenburg Rechtsanwälte wurde durch das Amtsgericht Düsseldorf zum vorläufigen Sachwalter bestellt.
„Auch im Eigenverwaltungsverfahren läuft unser Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiter“, betonte Mews. Zu den Kunden des Briefdienstleisters gehören Großversender wie etwa Banken und Versicherungen oder Energieversorger. DVS hat mit seinem Briefvolumen einen geschätzten Marktanteil von etwa 30 Prozent.
In der Branche beobachtet man die Insolvenz mit Sorge, berichtet die Wirtschaftswoche. Denn wenn die Sanierung von DVS scheitern sollte, würde der alternative Zustellmarkt einen drastischen Dämpfer erhalten, der das Ende der Marktliberalisierung des Briefmarktes bedeuten könnte und drastische Folgen bei der Zeitschriftenzustellung hätte, so das Fachmagazin. Alternative Zusteller tun sich seit jeher schwer, gegen die übermächtige Deutsche Post anzukommen, und fühlen sich bei den Rahmenbedingungen wie der Umsatzsteuerbefreiung ungleich behandelt.
DVS: Klage gegen Marktführer Deutsche Post
DVS wirft der Deutschen Post zudem vor, den Wettbewerb im Briefbereich bei Geschäftskunden systematisch zu unterdrücken. DVS hat deshalb auch eine Kartellklage gegen den ehemaligen Staatsmonopolisten erhoben. Der Kläger macht dabei einen Schaden von rund einer Milliarde Euro geltend.
Das Unternehmen wirft dem Marktführer unter anderem vor, bei Dialogpost-Werbebriefen Mindestpreise unterschritten und sich so Aufträge gesichert zu haben, die sonst DVS erhalten hätte. Die Klage ist nicht von der Insolvenz berührt, da die klagende Gesellschaft von der operativen Einheit der DVS abgespalten worden war. Die Post bestreitet die Vorwürfe. (Quellen: Reuters, Wirtschaftswoche, Handelsblatt)