Werther. Ob er keine Angst habe, dass die Besucherinnen und Besucher die Bilder vom Boden aufheben und umdrehen, um zu sehen, wie die Arbeiten darunter und dahinter aussehen? „Nein“, sagt Lars Rosenbohm und muss lachen. „Habe ich eigentlich nicht.“ Dass mehrere Bilder auf Stapeln auf dem Boden liegen und hintereinander an der Wand stehen, ist nicht nur außergewöhnlich. Es ist Konzept. Und ein spannender Kontrapunkt zu der eher klassischen Ausstellung „Akte und Blumenschicksale“, die aktuell im Museum zu sehen ist.
Lars Rosenbohm ist freischaffender Künstler aus Bielefeld. Er und der künstlerische Leiter des Museums Peter August Böckstiegel, David Riedel, kennen sich seit 2008. Damals arbeitete Riedel in der Bielefelder Kunsthalle, wo Rosenbohm ausstellte. Als Riedel jetzt in Werther die Schau mit Stillleben und Aktbildern Böckstiegels vorbereitete, suchte er nach einem Gegenpart – und fand ihn in Rosenbohm.
„Ich bin immer bemüht, in homöopathischen Dosen auch zeitgenössische Kunst ins Museum zu holen“, so Riedel augenzwinkernd. Das mache eine Ausstellung spannend und lade zu Diskussionen ein.
Manche Bilder verstecken sich hinter und unter anderen
David Riedel, künstlerischer Leiter des Museums Peter August Böckstiegel, freut sich über den außergewöhnlichen Kontrapunkt zur aktuellen Stillleben-Ausstellung.
| © Silke Derkum-Homburg
Dass Rosenbohms Wandcollage diesen Anspruch erfüllt, dürfte klar sein. „Eigentlich war zunächst geplant, dass ich ein Wandbild malen soll“, so der 55-Jährige. Weil das aber überhaupt nicht seine Art zu arbeiten sei, habe er sich in Absprache mit David Riedel für eine Collage aus Einzelbildern entschieden. Dass es am Ende – zusammen mit denen, die sich unter oder hinter anderen Bildern verstecken – fast 30 werden würden, hätte er am Anfang auch nicht gedacht.
Ein fester Bezugspunkt war hingegen Böckstiegels Ölbild „Sonnenblumen mit Mutter“ von 1925, das nun Teil der Wandcollage ist. Rosenbohms Arbeiten aus Acryl, Tusche, Zeichenkohle und Pastellkreide lehnen sich an die darin gezeigten menschlichen und organischen Formen an, sind aber freier und expressiver. „Die Lebendigkeit und Bewegung von Böckstiegel, auch seine Farbigkeit und eine gewisse Dunkelheit sollten bleiben“, beschreibt Rosenbohm.
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Was er unbedingt habe erreichen wollen, war, dass die Arbeiten aufeinander reagieren. Entsprechend viele Gedanken habe er sich gemacht, wie er die Bilder hängt, stellt und legt. Am Ende habe er sich für eine Kombination entschieden – und damit eine Atmosphäre fast wie in seinem Atelier geschaffen. Die Bilder nicht zu rahmen und manche sogar von ihrem Keilrahmen zu nehmen, geschah mit Absicht.
Besuchern im Wertheraner Museum bleibt Raum für eigene Interpretationen
„Bei den Betrachtern dürfen gern ein paar Fragezeichen bleiben“, hat der Künstler nichts gegen anderweitige Interpretationen einzuwenden. „Hauptsache, der Dialog zwischen Böckstiegels Arbeit und meinen funktioniert.“
Das beantwortet David Riedel klar mit einem Ja. Er sei froh, dass die Wandcollage einen eigenen Akzent in die Ausstellung bringe. „Und es gehört auch Mut dazu, eine so prominente Wand zu bespielen“, findet der Museumsleiter.
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„Das war eine tolle Herausforderung“, gibt Lars Rosenbohm zurück. Noch nie habe er wie hier Bezug auf ein anderes Kunstwerk genommen. Schon gar nicht auf ein klassisches Stillleben.
Böckstiegel-Stiftung lädt in Werther zum Künstlergespräch ein
Um die Besucherinnen und Besucher in diesen besonderen Teil der Ausstellung mitzunehmen, hat die Böckstiegel-Stiftung eine Infokarte drucken lassen, die am Eingang zur Ausstellung zur Mitnahme bereitliegt. Wer darüber hinaus mit dem Künstler ins Gespräch kommen möchte, sollte sich den Freitag, 17. April, 18.30 Uhr, notieren. Dann findet im Museum ein Abend mit Lars Rosenbohm statt. Seine Wandcollage ist wie die aktuelle Ausstellung noch bis zum 17. Mai im Arrode zu sehen.
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