Fast doppelt so viele Teilnehmer wie ursprünglich angedacht haben sich am Sonntagnachmittag zu einem Marsch durch die Düsseldorfer Innenstadt versammelt. Ursprünglich geplant und von einer Privatperson angemeldet war eine Demonstration für einen freien Iran mit 3500 Menschen. Doch nachdem in der Nacht zu Samstag die USA gemeinsam mit ihren Verbündeten Israel einen Militärschlag gegen den Iran durchgeführt hatten, bei dem Irans Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde, verschob sich der Fokus der Veranstaltung und die Teilnehmerzahl stieg auf gut 6000 Personen.

„Bei uns herrscht heute nur pure Freude. Wir wollen heute feiern. Wir sind glücklich, dass mit dem Tod von Chamenei jetzt Hoffnung auf eine bessere Zukunft besteht“, sagt der 27-jährige Mahdi, der aus Duisburg zur Veranstaltung nach Düsseldorf kam. „Das ist zu hundert Prozent der schönste Tag in meinem Leben“, sagt Arezoo Rostami aus Neuss. 19 Jahre habe sie sich gegen das Regime engagiert. „Jetzt hat die Schlange ihren Kopf verloren, der Tod von Chamenei war ein wichtiger Schritt.“

So wurde bei dem Demonstrationszug durch die Düsseldorfer Innenstadt viel gesungen und getanzt, fielen sich Menschen immer wieder in die Arme und skandierten „Iran, Iran, Iran“ oder Parolen wie „Wir sind das Volk, wir wollen den Iran zurückerobern“. Politisch war der Zug dennoch, denn zahlreiche Plakate und Schilder mit dem Foto von Reza Pahlavi wurden hochgehalten und dabei „King Reza Pahlavi“ skandiert. Der Sohn des letzten Schahs ist für viele Iran die einzige Person, die als Übergangsführer in Teheran infrage kommt. „Wir vertrauen seiner Familie. Wir brauchen Freiheit und mit Pahlavi ist das möglich“, ist eine 35-jährige Kölnerin überzeugt.

Damit aber überhaupt Pahlavi an die Macht kommen kann, sei weitere Unterstützung durch die USA notwendig, ist Demo-Teilnehmer Omid Imani überzeugt. „Wie die Alliierten Deutschland von den Nazis befreit haben, sollen sie nun den Iran befreien. Religion und Staat müssen künftig getrennt bleiben.“ Auch deshalb waren zahlreiche USA- und Israel-Fahnen zu sehen. „Damit wollen wir unseren Dank zeigen“, sagt eine ältere Frau. Aber auch die Deutschlandfahne wurde gezeigt. „Denn wir sind dankbar, dass wir hier das Recht haben, zu demonstrieren“, sagt Omid Imani.

Angst, dass bei weiteren Militärschlägen Angehörige im Iran gefährdet sein könnten, wurde nicht geäußert. „Als es drei Wochen lang im Januar im Iran kein Internet gab, ich meine Mutter und Schwester nicht erreichen konnte, habe ich durchgeweint. Jetzt habe ich keine Sorge, denn Amerika und Israel haben versprochen, nicht auf Zivilisten zu schießen“, sagt Nina aus Düsseldorf, die hier seit 40 Jahren lebt. Düsseldorf sei inzwischen ihre Heimat, aber sie würde viele kennen, die bereits jetzt schon den Wunsch geäußert hätten, wieder in den Iran zurückkehren zu wollen.

Rund zweieinhalb Stunden zogen die mehr als 6000 Demonstranten von der Friedrich-Ebert-Straße über die Steinstraße und Königsallee in Richtung Mühlenstraße und Burgplatz. Wie schon bei ähnlichen Veranstaltungen in den zurückliegenden Wochen, sei auch diesmal wieder alles gut organisiert gewesen und friedlich verlaufen, erklärte ein Polizeisprecher am Nachmittag. Teilweise kam es aber zu Verkehrsbehinderungen, die Rheinbahn stellte vorübergehend den Bahnbetrieb an der Berliner Allee und den Busbetrieb an der Karlstraße ein. „Ein Verkehrschaos entstand aber nicht“, so die Polizei.

Bereits am Samstag hatten sich einige Dutzend Menschen zu einer Spontan-Demonstration am Schadowplatz eingefunden. Sie hielten sowohl Iran- als auch Israel-Flaggen hoch, auf Schildern war „Für Friede und Freiheit“ zu lesen. In der Nacht zu Sonntag hatten sich zudem etwa 80 Exil-Iraner in der Altstadt versammelt. Laut Polizei kamen sie gegen Mitternacht an der Flinger Straße zusammen und zogen – iranische Fahnen schwenkend – via Marktplatz zum Burgplatz. Die spontane Versammlung blieb friedlich und löste sich nach einer Stunde auf.