Regierungspartei erreicht bei Nachwahl im Großraum Manchester nur Platz 3 nach Reform UK
hip London

Die Nachwahl für ein Unterhausmandat im Großraum Manchester ist für den britischen Premierminister Keir Starmer zu einer schweren Niederlage geworden. Die Kandidatin der Regierungspartei erreichte in der ehemaligen Labour-Hochburg Gordon & Denton lediglich den dritten Platz. Der Sitz im House of Commons ging an Hannah Spencer, die Kandidatin der Grünen, die 40,7% der Stimmen holte. Nigel Farages Rechtspartei Reform UK erreichte mit 28,7% den zweiten Platz. Tories und Liberaldemokraten spielten bei dieser Wahl keine nennenswerte Rolle.

Bei den Wahlen 2024 hatte Starmers Partei in Gordon & Denton noch mehr als die Hälfte der Wählerinnen und Wähler für sich gewonnen. Nun erhielten sie nur noch 25,4%. Meinungsforscher hatten ein knappes Rennen vorhergesagt, manche sogar damit, dass die Stimmen ein weiteres Mal ausgezählt werden müssen. Die Labour-Politikerin Lucy Powell vermochte dem Wahlergebnis noch etwas positives abzugewinnen: Immerhin habe es eine Mehrheit gegen Reform UK gegeben.

Gaza-Krieg als Wahlkampfthema

Spencer, die gerade eine Ausbildung zur Gipserin abschloss, sprach einerseits die traditionelle Klientel von Labour an. Gerade in den ehemaligen Arbeiterregionen des englischen Nordens hatte man nach dem Wahlsieg vor zwei Jahren erwartet, dass sich Labour mehr um Umverteilungsthemen als um einen ausgewogenen Haushalt kümmern würde.

Zudem gibt es im Wahlkreis Gordon & Denton eine große Zahl von Zuwanderern aus Pakistan, die traditionell Labour wählten. Die Grünen appellierten mit dem Versprechen, in Westminster ihre Stimme für Gaza zu erheben, direkt an sie. Großbritannien erkannte unter Starmer zwar den Staat Palästina an. Doch die Unterstützung seiner Regierung für den Krieg gegen die Hamas sorgte dafür, dass sich viele Wählerinnen neu orientierten. Schon 2024 brachte das unabhängige Kandidaten aus stark durch Zuwanderung geprägten Wahlkreisen nach Westminster.

„Jeder sollte ein angenehmes Leben haben“

Nun zieht Spencer als fünfte grüne Abgeordnete ins Unterhaus ein. Sie sei nicht mit der Idee aufgewachsen, einmal Politikerin zu werden sagte Spencer. Ihre Wähler hätten die Erfahrung, dass einem harte Arbeit etwas bringt. Aber das habe sich geändert.

Statt für ein angenehmes Leben „arbeiten wir dafür, die Taschen von Milliardären zu füllen“, sagte sie nach ihrer Wahl. „Ich finde, jeder sollte ein angenehmes Leben haben. Offensichtlich bin ich damit nicht allein.“ Die Labour-Kandidatin Angeliki Stogia verließ nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses die Auszählung, ohne sich den Medien zu stellen.

Es ist dem „Spectator“ zufolge mehr als 40 Jahre her, dass Labour bei einer Nachwahl nur den dritten Platz erreichte.

Unüberhörbare Kritik an Starmer

Die Kritik an Starmer aus den eigenen Reihen ist in Westminster unüberhörbar. Verkehrsministerin Heidi Alexander war am Freitag gezwungen, in morgendlichen Interviews zu beteuern, dass seine Position nicht gefährdet sei.

Viele Labour-Mitglieder sind der Meinung, dass sein Rivale Andy Burnham den Wahlkreis nicht verloren hätte. Doch sorgten Starmers Unterstützer dafür, dass der Bürgermeister von Manchester nicht für die Partei antreten durfte. Denn es wäre der erste Schritt für ihn gewesen, um die Machtfrage zu stellen.