„Einmal im Leben durch Wuppertal schweben“ – das dürften sich am Wochenende so einige Leute gedacht haben. So machten sich am Jubiläumswochenende der Schwebebahn Familien, Hobbyfotografen und Transportbegeisterte aus der Region auf nach Wuppertal, um anlässlich der Feierlichkeit kostenlos mit dem einzigartigen Transportmittel zu fahren und möglichst noch etwas von der Stadt zu sehen.

Für viele von ihnen startete oder endete der Schwebebahn-Sonntag bei strahlendem Sonnenschein in Vohwinkel. Um kurz nach 10 Uhr trafen immer mehr Familien am westlichen Endpunkt der Schwebebahn ein, viele versuchten, die beliebten Sitzplätze am großen Fenster hinten in der Schwebebahn zu ergattern. In der Schwebebahn angekommen, zückten viele schnell ihre Handys, nahmen Fotos und Videos auf oder erfreuten sich schlichtweg an dem Blick, der ihnen schwebend durch die Stadt ermöglicht wurde. Und auch über eine kleine Überraschung konnten sie sich freuen, denn die WSW teilten in den Schwebebahnen Stickerbögen aus, auf denen alle vier Modelle des beliebten Transportmittels zu entdecken waren.

„Wir sind heute extra
hierfür hierher gekommen“

Aber nicht nur in den Schwebebahnen war die Begeisterung groß: Sowohl vor der Bäckerei Peter in Vohwinkel als auch im Stationsgarten positionierten sich die Menschen mit Kameras, um die vorbeifahrende Bahn fotografisch festzuhalten. In Elberfeld standen vor allem Leute an der Alten Freiheit und auf den vielen Stegen zwischen Hauptbahnhof und Ohligsmühle, um Schwebebahn und Wupper gut zusammen einzufangen, manche mit Profi-Equipment und Stativ.

Unter ihnen auch die drei Freundinnen Joanna Podgorski, Monika Arndt und Bernadette Altenhofen. Sie waren mit der Schwebebahn zum Hauptbahnhof gefahren, liefen anschließend in das nahe gelegene Luisenviertel, um dort zu frühstücken – selbstverständlich aber nicht ohne den ein oder anderen Schnappschuss auf dem Weg dorthin. „Wir sind heute extra hierfür hierher gekommen. Ich bin erst das zweite Mal in meinem Leben in Wuppertal“, erzählte Joanna Podgorski. Sie und ihre Freundinnen waren aus Bergisch Gladbach und Leverkusen angereist. „Das Wetter ist natürlich bombastisch hierfür“, sagte sie, betonte, dass die Anreise sich für sie gelohnt hätte, woraufhin ihre Freundinnen ihr zustimmten. „Es ist natürlich klasse, dass man kostenlos fahren kann und nicht dran denken muss, irgendwo ein Ticket zu lösen.“

Als Fotomotive eigneten sich aber nicht nur die Schwebebahnen selbst – die WSW hatten zudem an sechs Orten nahe der Stationen Fotowände aufgestellt, mittels derer die Fahrgäste für einen Moment in die Fahrerkabinen der Schwebebahn schlüpfen und sich dort ablichten lassen konnten. Ein Angebot, das am Döppersberg etwa die Familie Rieth aus Velbert nutzte. Zwar war es nicht ihr erstes Mal in der Schwebebahn, trotzdem würde man Aktionen wie die freien Fahrten am Jubiläumswochenende „gerne mitnehmen“, erklärte Vater Sebastian Rieth. „Gerade heute als Familie Zeit zusammen zu haben, das ist schön“, betonte er.

Unter die Feierlichkeiten und Begeisterung für die Schwebebahn mischte sich aber auch Kritik. Wer vom Bürgersteig hinaufblickte, konnte schon den ganzen Vormittag über beobachten, wie prall gefüllt die Bahnen waren. Vor allem die beiden Bahnsteige an den Endstationen in Vohwinkel und Oberbarmen waren voll besetzt mit Familien, Kinderwagen und älteren Menschen. „Es ist brechend voll hier“, sagte eine Frau mit Kleinkind in Vohwinkel, als sie gerade einstieg. Viele warteten einfach auf die nächste Bahn, um einen guten Sitz zu bekommen. Dass man am Samstag und Sonntag gratis fahren konnte, wussten zudem nicht alle, wie sich unter anderem am Hauptbahnhof zeigte. Hier wollte eine Mutter gerade Fahrkarten für sich und ihre drei Kinder kaufen, als sie auf die Aktion hingewiesen wurde.

Die gut 30-minütige Fahrt war für einige am Sonntag zudem leider mit etwas Stress verbunden: „Das fängt ja gut an”, sagte ein Passagier aus Ratingen, unterwegs mit Sohn und Kinderwagen – denn der Aufzug hoch zum Bahnsteig funktionierte nicht. Ähnlich erging es einigen Fahrgästen an der Haltestelle Oberbarmen, denn auch hier wartete man vergeblich auf einen Aufzug hinauf zu oder hinab von den Schwebebahnsteigen. „Ich bin ehrlich gesagt enttäuscht, ich hatte mir mehr versprochen“, sagte Inge von der Heydt, die mit der Schwebebahn bis Oberbarmen gefahren war. Sie ist in Wuppertal geboren, lebt jetzt seit über 80 Jahren hier. Sie hätte sich mehr Aktionen gewünscht, zum Beispiel Luftballons oder Gummibärchen für Kinder. Und auch die nicht fahrenden Aufzüge bemängelte sie – vor allem, wenn das Treppensteigen etwa aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr gut funktioniert. „Ich bin immer froh, wenn ich nicht die Treppe nehmen muss, vor allem nach oben“, sagte sie.

Wer – ähnlich wie Inge von der Heydt – auf noch mehr Aktionen hofft, der sollte im Laufe des Jahres die Augen offen halten. Denn die WSW haben noch mehr Aktionen und Besonderheiten geplant. Noch sind jedoch keine konkreten Details bekannt – man darf also gespannt bleiben.