Auf der gemeinsamen Party unter der Westtribüne der Brita-Arena hatten sich die Fans des FC Ingolstadt und des SV Wehen Wiesbaden am Samstag eine Menge zu erzählen. Die 95 Minuten zuvor waren nicht hochklassig. Doch gerade die Schlussphase beim 1:2 (0:1) aus Schanzer Sicht bot viel Gesprächsstoff.
Warum musste Carlsen mit Rot vom Platz?
Es wäre nicht das erste Fußballspiel gewesen, indem sich eine Mannschaft in Unterzahl zum Schluss noch einen Punkt schnappt – doch diese FCI-Partie zählte nicht dazu. Einen Bärendienst erwies Fredrik Carlsen seiner Mannschaft; der Däne trat gegen Tarik Gözüsirin nach und sah von Schiedsrichterin Fabienne Michel zurecht die Rote Karte (60. Minute). „Braucht er nicht machen, das weiß er selbst“, sagte FCI-Trainerin Sabrina Wittmann zum Platzverweis.
Zu zehnt hielten die Schanzer das Spiel beim Stand von 0:1 offen, nachdem Lukas Schleimer den Ball wunderbar in den Winkel geschlenzt hatte (31.). Dann vermiesten sie durch Max Plaths erstes Profitor zum 1:1 (86.) den Wiesbadenern vermeintlich ihr Jubiläumsspiel (vor 100 Jahren war der Mutterverein SV Wehen gegründet worden).
Doch Gözüsirin sorgte mit der letzten Aktion der Partie für den Heimsieg und den Schanzer Knock-out in letzter Sekunde (90.+6). Wittmann bekannte: „Wir waren nicht gut heute, hätten aber gerne einen Punkt mitgenommen. Wenn man in der letzten Minute der Nachspielzeit das Gegentor bekommt, fühlt sich das einfach hart an.“
Was waren die Ursachen für die erste Niederlage?
Die Ausrede „Lange Unterzahl“ wollte Wittmann nach der ersten Niederlage in diesem Jahr beziehungsweise der ersten seit sieben Spielen nicht gelten lassen. „Wir hatten unfassbar viele Ballverluste. Das war bei vielen Spielern heute ein richtiges Spiel der Kategorie Scheiß-Tag“, kritisierte die 34-Jährige. Im Vergleich zum 3:2 gegen den TSV Havelse tauschte sie auf zwei Positionen: Für Neu-Papa Max Besuschkow (nicht mitgereist) und Dennis Kaygin (krank) liefen Plath und Yann Sturm auf. Der engagierte, oft aber zu verspielte Sturm war es auch, der die einzige Schanzer Chance vor dem 1:1 vorbereitete, doch seine Flanke köpfte Topscorer Marcel Costly nur an die Latte (41.).
Kai Eisele erlebte einen recht ruhigen Nachmittag. Bei den Treffern Schleimers und Gözüsirins war der FCI-Torhüter machtlos, gegen Moritz Flotho (38.) und Ibrahim Ati Allah (90.+3) parierte er stark. Die Niederlage war verdient – so bitter sie aus Schanzer Sicht auch zustande gekommen sein mag. Überlegen waren die Gastgeber nämlich auch schon bei „Elf-gegen Elf“ gewesen, der FCI agierte zu unsauber und gedanklich zu langsam. „Ein Punkt in Unterzahl wäre für die Moral natürlich super gewesen“, merkte Plath an. Sein 1:1 kommentierte der 20-Jährige mit trockenem Humor: „Es gibt hässlichere erste Tore im Profibereich.“
Wie geht es weiter?
Im Sommer steht beim FCI aufgrund finanzieller Zwänge möglicherweise ein weiterer Umbruch bevor. Ganz sicher aber müssen sich die Schanzer nach einem neuen Leiter für die Abteilung Scouting und Analyse umschauen. Marius Reiher hat den Klub verlassen und sich dem FC Hansa Rostock angeschlossen. Dort fungiert der 34-Jährige nun als „Koordinator Scouting Lizenzmannschaft“. Ein Statement von FCI-Seite gab es dazu bislang nicht.
Die unmittelbare sportliche Zukunft hält für die Schanzer eine knackige Englische Woche bereit: In den beiden Heimspielen am kommenden Mittwoch (19 Uhr) gegen den MSV Duisburg und am Sonntag (19.30 Uhr) gegen den SC Verl geht es gegen zwei Top-Teams der Liga. Verletzungssorgen gibt es praktisch keine, mit Carlsen und Linus Rosenlöcher (fünfte Gelbe Karte) aber zwei Gesperrte sowie mit Simon Lorenz, Jonas Scholz, Gustav Christensen und Plath vier vorbelastete Akteure.
DK