DruckenTeilen
Die Ukraine zerstört ein russisches Waffenlager in Kursk. Soldaten entdeckten die Material-Anhäufung kurz zuvor – und können ihren Augen kaum glauben.
Kiew/Moskau – Drohnen-Sturzflug auf ein russisches Lagerhaus, der Pilot traut seinen Augen kaum. Reihen von Fahrzeugen, gestapelte Munition, Dutzende Drohnen – bereit zum Einsatz gegen die Ukraine. Was die Aufnahmen der 80. Separaten Luftangriffsbrigade zeigen, ist mehr als ein gelungener Angriff auf ein Depot. Es zeigt beispielhaft, wie der Ukraine-Krieg inzwischen geführt wird.
Russlands Präsident Wladimir Putin, dessen Truppen nach Angaben der ukrainischen 80. Separaten Luftangriffsbrigade vergessen haben, „dass eine solche Konzentration wertvoller Ressourcen unweigerlich zu ihrer Zerstörung führt“. © IMAGO/Mikhail Metzel
Ein russisches Munitionsdepot in der Region Kursk ist nach ukrainischen Angaben vollständig zerstört worden. Operatoren der 80. Separaten Luftangriffsbrigade hatten das Lagerhaus auf russischem Territorium aufgespürt und mit Drohnen angegriffen. Videos des Einsatzes, die die Brigade auf Telegram veröffentlichte, zeigen die Reaktion eines Piloten beim Anblick der gelagerten Ausrüstung.
„Das ist einfach unglaublich!“: Ukraine-Drohne manövriert vorbei an Fahrzeugen auf Putin-Waffenlager zu
„Das ist einfach unglaublich!“, ist auf der Aufnahme zu hören, als die Drohne in das Lagerhaus eindringt. „Sehen Sie sich an, was für Autos da stehen!“ Der Operator manövriert das Gerät durch das Depot, vorbei an russischen Drohnen, Fahrzeugen und gestapelten Munitionspaketen, bevor er ein Fahrzeug trifft. Anschließend dringt eine zweite Drohne ein und wiederholt den Angriff.
Laut der Brigade handelte es sich um ein „großes feindliches Depot“, in dem der Gegner „eine beträchtliche Anzahl von Drohnen, Munition und zugehöriger Ausrüstung sowie leichte Fahrzeuge“ konzentriert hatte. „Der Feind glaubte, dass ihm auf seinem eigenen Territorium nichts drohte“, schrieb die Brigade auf Telegram. Dabei hätten die Truppen von Russlands Präsident Wladimir Putin aber vergessen, „dass eine solche Konzentration wertvoller Ressourcen unweigerlich zu ihrer Zerstörung führt“.
Schatten aus Stahl an der Front: Panzer gestern, heute und morgen
Fotostrecke ansehenDrohnenanteil an Verlusten im Ukraine-Krieg bei 80 Prozent: 2022 lag er noch unter zehn Prozent
Ziel der Aktion war nach eigenen Angaben die russische Logistik. Die UAV-Operatoren der 80. Brigade arbeiteten demnach daran, „das Angriffspotenzial der Russen zu verringern, indem sie deren Nachschubwege ins Visier nehmen“. Unabhängig verifizieren ließ sich das Ausmaß der Schäden zunächst nicht.
Wie grundlegend Drohnen den Ukraine-Krieg verändert haben, zeigt ein aktueller Reuters-Bericht. Den drohnenverursachten Anteil an den Gesamtverlusten beziffert das französische Institut für Internationale Beziehungen demnach auf bis zu 80 Prozent im vergangenen Jahr – 2022 lag er noch unter zehn Prozent. Gepanzerte Fahrzeuge können sich kaum noch frei bewegen. „Sie werden sich nicht auf offenes Gelände begeben, da sie von FPV-Drohnen und stärkeren Drohnen angegriffen werden“, so der ukrainische Panzerzugführer Valentyn Bohdanov. Sein T-72 stehe versteckt unter einem Netz und fungiere praktisch nur noch als statisches Artilleriegeschütz.
Medizinische Bergungseinsätze dauern drei Tage: Drohnen verändern den Ukraine-Krieg massiv
Tausende Präzisionsdrohnen, oft für wenige hundert Dollar das Stück gefertigt, durchstreifen täglich den Himmel entlang der 1.200 Kilometer langen Front. Drohnenjägerteams patrouillieren Versorgungsrouten, um das Wenige an Bewegungsfreiheit zu sichern, das noch bleibt. „Sie sind die ganze Zeit so in der Luft und lassen niemanden entkommen“, beschreibt ein ukrainischer Drohnenjäger mit dem Rufzeichen „Marine“ in dem Bericht die Lage. Einmal habe er beobachtet, wie 54 Drohnen innerhalb einer Stunde ein einziges Ziel angriffen.
Die Folgen reichen der Nachrichtenagentur zufolge bis in die Feldmedizin. Drohnenangriffe auf Evakuierungsfahrzeuge haben die durchschnittliche Dauer medizinischer Bergungseinsätze auf über drei Tage verlängert – weit jenseits der sogenannten goldenen Stunde, des 60-minütigen Zeitfensters, das über Leben und Tod entscheiden kann. „Alle Länder, die sich zu Hause auf einen Krieg vorbereiten, müssen sich bewusst sein, dass es keine goldene Stunde geben wird“, warnt Oberst Viacheslav Kurinnyi, Chefarzt eines Krankenhauses in Charkiw. Höchstens „einen goldenen Tag, wenn sie Glück haben“. (Quellen: Kyiv Post, Reuters, Telegram) (tpn)