
AUDIO: WhatsApp-Nachricht befeuert Untreue-Vorwürfe gegen AfD (1 Min)
Stand: 01.03.2026 20:22 Uhr
Eine brisante WhatsApp‑Nachricht setzt Niedersachsens AfD-Chef Ansgar Schledde unter Druck. Sie könnte belegen, dass Abgeordnetenbudgets rechtswidrig für Parteiarbeit genutzt wurden – Vorwürfe, die Schledde bestreitet.
Eine WhatsApp-Nachricht, die die AfD-Bundestagsabgeordnete Martina Uhr der „Bild“-Zeitung vorgelegt hat, sorgt für massive Unruhe in der niedersächsischen AfD. Darin soll Landeschef Ansgar Schledde offen über die umstrittene 65/35‑Regel sprechen: „Habe gute Leute in der Hinterhand 👍! (…) Müssen ja die Budgetsufteilung 65/35 bedenken“ (Rechtschreibfehler aus dem Original übernommen). Die 65/35-Regel soll besagen, dass Bundestagsabgeordnete angeblich 35 Prozent ihres Mitarbeiterbudgets für Parteiarbeit auf Landes- und Kommunalebene zur Verfügung stellen sollen. Das wäre rechtswidrig.

Diese WhatsApp-Nachricht soll Vorwürfe gegen Niedersachsens AfD-Chef Schledde belegen.
Die WhatsApp-Nachricht könnte der erste schriftliche Beleg für die Untreue-Vorwürfe gegen Ansgar Schledde sein. Der äußert sich nicht konkret zu der WhatsApp Nachricht, bestreitet die Vorwürfe aber weiterhin vehement. Der Landesverband hat rechtliche Schritte gegen Martina Uhr angekündigt.
Martina Uhr erhebt schwere Vorwürfe – und spricht erstmals öffentlich
In einem Bericht der „Bild“-Zeitung von Samstag spricht Uhr erstmals öffentlich: „Die meisten Mitarbeiter, die Schledde über mein Budget bezahlte, arbeiteten nicht für mich als Abgeordnete. Sie akzeptieren deshalb nur Schledde als Chef.“ Problematisch ist jedoch: Ihre Unterschrift steht auf allen fraglichen Mitarbeiterverträgen. Damit trage am Ende des Tages sie die Verantwortung, argumentiert AfD-Landesgruppensprecher Andreas Paul gegenüber dem NDR.
Ultimatum im Bundestag – Rücktritt gefordert
Am Montag hatten alle 13 niedersächsischen AfD-Abgeordneten, darunter auch Uhr, eine einheitlich formulierte eidesstattliche Versicherung abgegeben, in der sie die Existenz der 35/65‑Regel kategorisch bestritten. Nachdem am Dienstag Uhrs Vorwürfe gegen Schledde öffentlich wurden, sei AfD-Landesgruppensprecher und Schledde-Vertrauter Andreas Paul in Martina Uhrs Büro gekommen und habe ihr einen vorformulierten Brief auf den Tisch gelegt – das bestätigen beide Seiten. Inhalt: Uhr solle ihr Mandat niederlegen. Sie müsse nur unterschreiben. Das tat sie nicht. Noch am selben Abend stellte Paul ihr ein Ultimatum: Legt Uhr ihr Mandat nicht binnen 24 Stunden nieder, will die Landesgruppe ihren Fraktionsausschluss beantragen. Ein solcher Antrag blieb bis Freitagmorgen aus – offenbar in der Hoffnung, Uhr könnte ihre Anschuldigungen zurückziehen.

In der Bundesvorstandssitzung musste sich Niedersachsens AfD-Landesvorstand Ansgar Schledde zu innerparteilichen Vorwürfen erklären.
Paul: „Vertrauensverhältnis zerstört“
Inzwischen hat Uhr ihre eidesstattliche Versicherung aber zurückgezogen. Für Paul ein Affront: Er sei „entrüstet, geschockt, enttäuscht“. Eine Zusammenarbeit sei „nicht mehr möglich“. Die Forderung, Uhr solle ihr Mandat niederlegen, bleibe bestehen. Den Rausschmiss hatte die Landesgruppe um Paul damit begründet, Martina Uhr habe ihren Lebensgefährten und dessen Tochter als Mitarbeiter beschäftigt. Uhr widerspricht dem nun in der „Bild“: „Es ist falsch, dass mein Büro-Mitarbeiter mein Lebensgefährte ist. Wir sind gut befreundet – waren aber nie ein Paar.“ Uhr räumt ein, mit ihrem Mitarbeiter in einer Zweck-WG zusammengewohnt zu haben, um Kosten zu sparen, und sich bei Parteitagen aus denselben Gründen Hotelzimmer geteilt zu haben – mehr aber nicht. Fachlich sei die Anstellung der beiden weiterhin gerechtfertigt.
Neue Vorwürfe gegen Andreas Paul
Nun gerät Andreas Paul, Bundestagsabgeordneter aus Oldenburg, selbst unter Druck. In einem internen Brandbrief wirft ein ehemaliger Mitarbeiter ihm vor, dass Paul ihn verbotenerweise für kommunalpolitische Arbeit eingesetzt habe – bezahlt aus Bundestagsmitteln. Der Mitarbeiter verweist auf Kommunikationsnachweise. Paul bestreitet jede Verbindung zur 35/65‑Regel. Er weist die Vorwürfe als „lächerlich“ zurück. Der Mitarbeiter habe unzureichend gearbeitet und wolle ihm nun „vors Schienbein treten“. Er räumt allerdings ein, dass sein Bundestagsmitarbeiter ihn „in seiner Freizeit“ bei kommunaler Pressearbeit unterstützt habe.

Laut dem AfD-Landesgruppenchef könnte Uhr ihre Vorwürfe gegen Ansgar Schledde zurückziehen. Uhr hat sich bisher nicht geäußert.
Pressearbeit über Fake-Accounts
Hinzu kommt ein weiterer Vorwurf des ehemaligen Mitarbeiters: Er sei von Paul angewiesen worden, „mehrere Social‑Media‑Accounts“ unter falschem Namen anzulegen – angeblich, um seine Persönlichkeitsrechte zu schützen. Mit diesen Fake‑Accounts sollte der Mitarbeiter Pauls Social‑Media‑Postings kommentieren und liken, um dessen Reichweite zu erhöhen. Paul hat diese Vorwürfe nicht bestritten. Screenshots belegen außerdem, dass Paul einer von mehreren Administratoren einer WhatsApp-Gruppe namens „Allianz-Hauptquartier“ war. Diese Gruppe soll eine „Partei in der Partei“ sein und Strukturen zur persönlichen Bereicherung aufgebaut haben. Dem widerspricht Paul gegenüber dem NDR. Die WhatsApp-Gruppe habe nur der Organisation von „Anreisen zu Parteitagen und für Geburtstagsglückwünsche“ gedient.

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