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Seine Fluchtroute ist BVB-Insidern inzwischen so vertraut wie Nico Schlotterbecks Mucki-Jubel … Linke Treppe aus dem Kabinentrakt hoch, im Schatten des geparkten Gäste-Busses abducken und ab in Richtung VIP-Aufzug zur Nachbesprechung des Spiels in die Chef-Loge. Auch nach der emotionalen Gipfel-Niederlage gegen Bayern (2:3) wählte Dortmunds Sport-Geschäftsführer Lars Ricken (49) diese Strategie, um den rund 20 versammelten Journalisten zu entgehen.
Den Fahrstuhl ersparte sich Ricken am Samstagabend allerdings und lief stattdessen gegen 21.18 Uhr im Stechschritt mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze direkt aus dem Stadion. Nichts wie weg nach dieser Achterbahn-Woche!
Zuvor hatte er noch einen kurzen Pflicht-Halt eingelegt beim provisorischen Sportstudio des ZDF, wo mit Boris Büchler (56) nur ein Reporter auf ihn wartete. Kalkulierbares Risiko.
Ins Kreuzverhör der kritischen Berichterstatter, die den BVB täglich begleiten, musste sich einmal mehr Sportdirektor Sebastian Kehl (46) begeben. Wie schon nach dem Champions-League-K.o. von Bergamo (1:4), als Ricken auf Tauchfahrt ging, während andere die größte BVB-Blamage der letzten Jahre quasi live zu erklären versuchten.
Clevere Arbeitsteilung oder mangelnde Führungsstärke? BILD weiß: Hinter den Dortmunder Kulissen hirnen die Verantwortlichen seit einiger Zeit über diese und ähnliche Fragen.
Ganz klar: Als Hauptverantwortliche für das sportliche Abschneiden muss Ricken sich nach der schwärzesten Woche der Saison (verpennte Leipzig-Chance, Europa-Aus, Meister-Ende, Prognose-Korrektur) umfassend stellen. Ein am Freitag aufgezeichnetes 1:1-Interview bei Rechteinhaber Sky und ein Mini-Auftritt im Sportstudio sind vor diesem Hintergrund eher Wohlfühl-Modus. Oder mit den Worten von Chefberater Matthias Sammer (58): „Der BVB ist harmoniesüchtig.“
► Nach 24 Spieltagen 11 Punkte Rückstand auf Bayern – die Zweiklassengesellschaft in der Bundesliga beginnt ab Platz 2! Mit Konfliktscheu-Mentalität in der Chefetage kann Dortmund die nächste Stufe (eine echte Titel-Attacke) kaum zünden. Dabei warten verdammt viele Aufgaben auf die Bosse. Nur das Wichtigste: Die Schlotterbeck-Zukunft muss zeitnah geklärt, die Kader-Qualität insgesamt drastisch verbessert, die Transferpolitik (zuletzt 100 Mio. Euro für keine Unterschiedsspieler investiert) begradigt und die Leistungsschwankungen analysiert werden.
Alles auf Basis eines sich radikal verändernden Transfermarkts, infrastruktureller Nachteile im Bayern-Vergleich und von zu erwartenden Verlusten von bis zu 27 Mio. Euro (BILD berichtete)!
Alarmierend: Während der BVB in den vergangenen 15 Jahren gigantische Transfer-Überschüsse mit selbst entwickelten Superstars wie Haaland, Sancho, Dembélé und Co. aus eigener Stärke erwirtschaftete, steuert der Klub jetzt erstmals auf „Not-Verkäufe“ von Stammspielern (u.a. Nmecha, Adeyemi, Guirassy, Ryerson) zu, die man eigentlich halten will. Eine gefährliche Entwicklung. Ist die Dortmunder Führung für diese Gratwanderung langfristig richtig aufgestellt? Die Zweifel wachsen …
Knapp 6 Monate nachdem sich Hans-Joachim Watzke (66) aus der sportlichen Verantwortung aufs Präsidentenamt zurückgezogen hat, wird immer deutlicher: Dortmund leidet unter akuter Aki-Armut! Dass der mächtige Klub-Macher der letzten 20 Jahre offiziell nur noch in „BVB-Teilzeit“ arbeitet und nicht mehr täglich auf der Geschäftsstelle anzutreffen ist, macht sich in vielen Bereichen negativ bemerkbar. Wie man hört, tauscht sich Trainer Niko Kovac (54) noch immer am liebsten mit Watzke aus – ein irritierendes Zeichen für die Sport-Bosse und einen stolzen Verein, der 2023 Fast-Meister und 2024 noch im Champions-League-Finale war.
Als Chef des Präsidialausschusses könnte Watzke mittels dieses Gremiums Geschäftsführer auswechseln. Ab sofort steht trotz beeindruckend betoniertem Liga-Platz 2 (mal wieder) alles beim BVB auf dem Prüfstand. Meine Prognose: Im Sommer wird sich die Führung verändern. Vorherige Fluchtmanöver nicht ausgeschlossen.
Ehrliche Aussage nach dem Spiel: Schlotterbeck hätte Rot sofort akzeptiert
Quelle: BILD01.03.2026