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Kunden trinken Bier in einer 2014 neu eröffneten Brewdog-Filiale in Brasilien. Das Unternehmen muss offenbar seine Standorte in Deutschland schließen. (Archivbild) © Sebastiao Moreira/dpa
Der in vielen Ländern aktive Craft-Bierriese steckt in großen Schwierigkeiten. Das Geschäft in Deutschland steht vor dem Aus.
Berlin – Der schottische Craft-Bierhersteller Brewdog steckt in einer tiefen Krise. Wie die Fachzeitschrift Food Service im Juli des vergangenen Jahres berichtete, soll das Unternehmen zehn seiner Pubs in Großbritannien schließen. Im Oktober wurden Stellenstreichungen angekündigt, nachdem ein Jahresverlust von 37 Millionen Pfund aufgelaufen war.
In diesem Jahr häuften sich die Negativnachrichten. Ende Januar bestätigte Brewdog, dass es seine Spirituosensparte Brewdog Distilling Co. schließen wird. Mitte Februar berichtete The Guardian, dass das Unternehmen die Beratungsgesellschaft Alix Partners beauftragt hat, einen Verkauf des Unternehmens zu prüfen. Eine Woche später berichtete Food Service, dass James Watt, einer der Gründer und ehemalige CEO, der immer noch im Aufsichtsrat sitzt, die Brauerei für zehn Millionen Pfund zurückkaufen will.
Brewdog meldet in Deutschland Insolvenz an: Die Standorte in Berlin und Hamburg werden geschlossen
Während das schottische Unternehmen noch um die Rettung kämpft, scheint dieser Kampf für die deutsche Tochter bereits verloren. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, will das Unternehmen Anfang kommender Woche beim Amtsgericht Berlin Insolvenz anmelden. Von der Insolvenz sollen die drei noch bestehenden Gastronomiebetriebe in Berlin und Hamburg sowie die Brauerei in Berlin betroffen sein. Kurz zuvor wurde bereits die Brewdog-Bar in Berlin-Friedrichshain geschlossen. Reservierungen sind nicht mehr möglich.
Die Brewdog-Angestellten in Deutschland erhalten bereits für den Februar Insolvenzgeld über die Bundesagentur für Arbeit. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter soll das Verfahren begleiten. Die bestehenden Arbeitsverträge bleiben nach Unternehmensangaben vorerst bestehen.
Brewdog meldet in Deutschland Insolvenz an: Gespräche mit potenziellen Investoren
Konkrete Ursachen für die Insolvenz nennt Brewdog nicht. Das Unternehmen gibt lediglich an, dass es gemeinsam mit einem vorläufigen Insolvenzverwalter zeitnah klare Abläufe und Perspektiven kommunizieren sowie Gespräche mit potenziellen Investoren fortsetzen werde.
Brewdog betreibt Brauereien im schottischen Ellon sowie in den USA, Australien und Deutschland und unterhält rund 70 Bars. Die 2007 in Schottland gegründete Brauerei kam 2016 mit einer eigenen Bar nach Berlin. Seit 2020 wird in einer eigenen Brauerei in Berlin produziert. Der Ausstoß der Brauerei beläuft sich auf insgesamt rund 800.000 Hektoliter.
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Damit reiht sich Brewdog in die lange Liste von Insolvenzen in der deutschen Brauereibranche ein. Zu den betroffenen Unternehmen zählen unter anderem die Privatbrauerei Eichbaum aus Mannheim, die Traditionsbrauerei Carl Betz aus Celle und die Gesellschaftsbrauerei Viechtach.
Hintergrund ist der sinkende Bierkonsum der Deutschen. Im vergangenen Jahr ging der Inlandsabsatz der Brauereien laut dem Statistischen Bundesamt im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent auf 6,4 Milliarden Liter zurück. Die Zahl der Braustätten reduzierte sich um 3,6 Prozent auf 1.415. Aktuelle Zahlen über den Pro-Kopf-Verbrauch gibt es noch nicht, doch der Wert von 88 Litern aus dem Jahr 2024 dürfte weit unterschritten werden. Verschärft wird die Krise durch stark gestiegene Personal- und Rohstoffkosten.
(Quellen: Food Service, The Guardian, Berliner Morgenpost)