Treffpunkt Brunnen auf dem Marktplatz: Festes Schuhwerk, Taschenlampe und etwas Proviant waren die Information vorab und es sollte eine Nachtwanderung mit dem Eifelverein werden. Zusammen mit Wanderführerin Anja Porgl und elf weiteren neugierigen Wanderern ging es los in die dunklen Ecken im Neusser Grün. Eines hatten die Teilnehmer gemeinsam: Es war ihre erste Nachtwanderung.
Für Wanderführerin Anja Progl war es die zweite Runde Nachtleben im Programm. „Ich bin erst seit einigen Jahren im Eifelverein aktiv und nachdem ich zuerst nur mitgegangen bin, habe ich mir gedacht, dass ich meine vielfältigen Wandererfahrungen auch als Wanderführerin einbringen kann“, erklärt sie. Dabei will Progl auch gern mal die bekannten Wege verlassen und Neues ausprobieren. So entstand die Idee, beim Wandern auch andere Sinne anzusprechen. Das funktionierte, denn alle Wanderer der Tour waren noch nicht bewusst im Dunklen unterwegs. „Es ist wirklich etwas anderes, man nimmt die Umgebung ganz anders wahr, vor allem auf den Wegen, an denen wirklich keine Laterne in der Nähe war. Man wird viel aufmerksamer und horcht und riecht viel mehr“, erklärte Beate Posselt.
Los ging es erst einmal mitten im Stadtleben, über die Promenade und den Rosengarten ist man schnell im grünen, aber es gab noch viel Licht. Anja Progl hielt die Gruppe immer mal wieder kurz an, um auf Bäume am Wegesrand aufmerksam zu machen. Baum Nummer eins war eine Platane, die ihre glatte Borke immer wieder abwirft und gerne in Parks und an Wegen steht. Später kamen noch eine Robinie, eine Kirsche und eine Eiche hinzu.
Zügigen Schrittes ging es weiter durch das „Mokkaloch“ hin zum Reuschenberger Busch. In der Gruppe wird geplaudert. Wer gemeinsam geht, kommt schnell ins Gespräch. Das stellte auch Bernd Schober fest. Mit seiner Frau war er als Gast zum ersten Mal bei einer Wanderung des Eifelvereins dabei: „Ich gehe gerne zusammen mit meiner Frau auf Tour, aber hier in der Gruppe ist es wirklich nett, sehr gesellig und man lernt neue Menschen kennen.“ Dann mussten auch zum ersten Mal die Taschenlampen eingeschaltet werden, denn im Wald wurde es dunkel. Nur der Mond spendete bescheidenes Licht, daher musste man auch auf dem Pfad am Groovschen Loch gut schauen. Als der Weg wieder gut befestigt war, kam die nächste Challenge: Licht aus und Stille genießen. Nicht jedem gelang es auf Anhieb, ein Stück des Weges schweigend zurückzulegen, aber an der Stelle, an der keine Laternen mehr in Sichtweite waren, nahm man die Umgebung anders wahr als bei üblichen Wanderungen bei Tag. In der Region um den Kinderbauernhof und entlang der Erft waren dann die dunkelsten Ecken der Tour erreicht, aber diese Dunkelheit wirkte auf niemanden bedrohlich, da zum einen die Gemeinschaft Rückhalt gibt und mit der erfahrenen Wanderführerin jemand in der Runde war, der die Strecke bereits ausgetestet hat.
Auch Wilma Hackert genoss die Tour, sie war wohl die älteste in der Gruppe. Nach vielen aktiven Jahren erst als Wasserwanderin und später auch zu Fuß war sie zum ersten Mal bewusst im Dunklen in ihrer Heimat unterwegs. „Ich war schon oft mit dem Verein unterwegs, auch schon in den Dolomiten. Wenn man in der Gruppe unterwegs ist, traut man sich auch schon mal mehr“, erklärt sie. Immer wieder kommen Nachfragen zur Region, denn auch wenn die meisten aus Neuss kamen, kannte nicht jeder die Ecken, durch die gegangen wurde.
Für Beate Posselt aus Meerbusch waren die Pfade ebenfalls eher unbekannt. Sie gehört zu den jüngeren Teilnehmerinnen der Runde. Zum Eifelverein ist sie gekommen, nachdem sie ihren Mann viel zu früh verloren hatte und damit der Wanderpartner fehlte. „Da habe ich es mir angeschaut und erst gezögert, da ich erst den Eindruck hatte, hier wandern nur Senioren, aber das ist durchaus nicht so“, erklärt sie: „Bislang sind da immer nette Runden zusammengekommen.“ Eine Beobachtung, die auch Wanderführerin Anja Progl beschreibt: „Organisierte Touren sprechen oft eher ältere Personen an, aber wir bieten auch immer Wanderungen an, die neugierig machen sollen.“ Eine Mitgliedschaft ist für die Teilnahme an einer Wanderung nicht erforderlich, Gäste sind willkommen, lediglich die telefonische Anmeldung ist nötig.
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