„Es ist wie Geburtstag haben, wenn ich mit ihnen auf der Bühne stehen darf. Alle haben ihren individuellen Klang und jeder Abend ist anders“, freut er sich zu Beginn. Mit Ben van Gelder am Altsaxophon, Ivo Neame am Klavier und Francesco Ciniglio am Schlagzeug hatte Lukassen weitere renommierte Jazzmusiker an seiner Seite.

Ein besonderes Geschenk für die Zuhörer hatte das Quartett bereits am Anfang des Abends. Der Schwebebahn widmeten sie ein Stück. „Inspiriert hat mich ein Bild der Schwebebahn, das ich auf den Kopf gestellt habe“, so Lukassen schmunzelnd. Der Auftritt bot eine Mischung aus Stücken, die auf „Still Waters“ zu hören sind, und weiteren, meist neuen Kompositionen. Das Stück „Karma“ gehört dazu. Es fußt auf Erfahrungen, die Lukassen während eines mehrwöchigen Aufenthalts in Indien gemacht hat, fängt die Spiritualität und Musikalität des Landes ein. Schlagzeuger Ciniglio klopft den Anfangstakt mit den Händen auf seiner Brust und alle vier ausgezeichneten Musiker sorgen locker und entspannt für ein Klangvolumen, das das Publikum immer wieder zu Zwischenapplaus veranlasst. Besonders bei den einzelnen Soloeinlagen.

Klänge fließen wie
sämiger Honig von der Decke

Die Klänge, die van Gelder seinem Saxophon entlockt, fließen aus dem Instrument wie sämiger Honig von der Decke. Die einzelnen Individualisten verschmelzen gekonnt und wie selbstverständlich zu einer synergetischen fließenden Einheit. Vom „malerischen Sinn für instrumentale Lyrik“ ist bei Lukassen zu lesen. Und in der Tat haben seine Jazzkompositionen eine mitreißende, abwechslungsreiche Ästhetik, toll gespielt von einem Musiker, der sein Kontrabass bravourös beherrscht.

Das virtuose Spiel der Musiker paart sich mit dem lyrisch-musikalischen Feingefühl der Kompositionen, die die künstlerische Ausdrucksweise von Lukassen spiegeln. Es folgt, in Anlehnung an die CD, das Stück „Still waters run deep“ und bei der eingeforderten Zugabe „Luna“ beweist Lukassen, dass er auch singen kann. „Die Inhalte der Texte sind mir sehr wichtig“, sagt er: Das Lied sei, obwohl einem Sterbenden gewidmet, ein Hoffnungsträger.