Ehrenamt in Chemnitz
Curling: Warum ein Kulturmacher für Eis brennt
02.03.2026 – 12:21 UhrLesedauer: 2 Min.
Holm Krieger (l.) mit einem Kollegen beim Curling. (Quelle: Toni Söll)
Holm Krieger arbeitet mitten im Chemnitzer Kulturleben – und steht seit 20 Jahren regelmäßig auf dem Eis. Warum ihn ausgerechnet Curling fasziniert und was den Sport so besonders macht.
Holm Krieger steht beruflich mitten im Chemnitzer Kulturleben – und ehrenamtlich regelmäßig auf dem Eis. Der 51-Jährige arbeitet hauptberuflich im Kulturbereich. Seit rund 20 Jahren setzt er sich jedoch mit großer Leidenschaft für eine Sportart ein, die in Deutschland bis heute ein Nischendasein führt: Curling.
„Ich bin gar nicht so sehr über den Sport zur Szene gekommen, sondern eher über die Kultur“, sagt Krieger. Irgendwann habe er Curling für sich entdeckt, es ausprobiert – und sei sofort begeistert gewesen. Inzwischen gehört er zu einer überschaubaren, engagierten Runde von Spielerinnen und Spielern in Chemnitz. Sie trainieren regelmäßig, organisieren Wettbewerbe und machen den Sport in der Region bekannter.
Curling ist eine der kleinsten Sparten im Chemnitzer Eislauf-Club e.V., der vor allem durch seine erfolgreichen Eiskunstläuferinnen und -läufer bekannt ist. Auf derselben Eisfläche, auf der sonst Pirouetten gedreht und Sprünge geübt werden, lassen Krieger und seine Mitstreiter ihre Steine übers Eis gleiten, feilen an Taktiken und bereiten das Spielfeld vor. „Eis vorbereiten, Steine aufs Eis bringen – da fasst jeder mit an“, sagt er. Ehrenamtliche Mithilfe gehört hier selbstverständlich dazu. Besonders gern erinnert sich Krieger an ein internationales Wettbewerbsformat mit Teams aus Deutschland, Polen und Tschechien. „Das war wie eine kleine Vierschanzentournee des Curlings, ein Drei-Länder-Pokal“, erzählt er.
Die Chemnitzer Mannschaft reiste zu Turnieren ins Ausland, zugleich kamen Teams in die sächsische Stadt. Über die Jahre wuchs so ein belastbares Netzwerk aus Kontakten und Freundschaften. Was Krieger am Curling besonders reizt, ist die Offenheit des Sports. „Das ist ein unglaublich intensiver Sport, aber alle können mitspielen – Frauen, Männer, Junge, Alte. Alle agieren auf Augenhöhe.“ Es dominiere kein einzelnes Team dauerhaft, stattdessen spielten Strategie, Präzision und Zusammenspiel die entscheidende Rolle.
Ein fester Termin im Jahreskalender ist die Betriebsmeisterschaft. Am Ende winkt ein Pokal – „oder auch nicht“, sagt Krieger lachend. Darüber hinaus richtet die Gruppe im Mai ein Sommerturnier aus, zu dem sich auch Gastmannschaften anmelden können.
Neben Technik und Taktik fasziniert Krieger vor allem die besondere Haltung, die mit dem Sport verbunden ist. „Es gibt den Spirit of Curling – da steht zum Beispiel drin, dass der Sieger dem Verlierer ein Getränk ausgibt“, erklärt er. Es gelte als unsportlich, sich über Fehler des Gegners zu freuen oder zu jubeln, wenn der andere einen schlechten Stein spiele. Fairness, Respekt und Gemeinschaft stehen im Mittelpunkt – und prägen auch das internationale Umfeld. „Jeder kennt jeden. Man fährt zu Turnieren nach Polen oder Tschechien, trifft bekannte Gesichter, spielt gegeneinander und sitzt danach zusammen.“
Krieger plant Turniere, bereitet das Eis vor und bringt sich organisatorisch ins Vereinsleben ein. Für ihn ist Curling Ausgleich zum Berufsalltag – und zugleich eine Fortsetzung dessen, was ihn auch im Kulturbereich antreibt: Menschen zusammenführen, Austausch ermöglichen, Gemeinschaft stärken.
