Beim Rüstungsunternehmen Hensoldt purzeln die Rekorde: Die Hightech-Schmiede aus Taufkirchen bei München, die unter anderem auch Standorte in Ulm, Aalen, Oberkochen und Immenstaad betreibt, meldet einen neuen Rekord bei den Auftragseingängen. Auch der Umsatz der Bayern erhöhte sich 2025 um fast zehn Prozent auf beinahe 2,46 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,24 Milliarden Euro).
„2025 war ein starkes Jahr für uns“, sagt entsprechend Hensoldt-Vorstandschef Oliver Dörre bei der Vorlage der Zahlen. Die „Zeitenwende“ komme jetzt in der Industrie an, sie setze sich mittlerweile in „konkreten Beschaffungen“ um. Aus politischen Aussagen werden also Aufträge und Umsätze. Hensoldt entwickelt und integriert vernetzte Sensoren für Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen und profitiert so von der gewaltigen Aufrüstung in Europa seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine.
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Auftragseingang liegt 62 Prozent über dem Vorjahr
Der Auftragseingang von Hensoldt lag 2025 bei 4,71 Milliarden Euro und damit 62 Prozent über dem Vorjahr (2,9 Milliarden Euro) – ein absoluter Rekordwert. Die Entwicklung stützt den Auftragsbestand und gibt dem Konzern nach eigenen Angaben „Planungssicherheit für die kommenden Jahre“. Der Auftragsbestand wuchs um rund ein Drittel auf 8,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 6,6 Milliarden Euro). Der im M-Dax notierte Sensor- und Optronik-Spezialist steigerte 2025 auch das Ergebnis, hebt Teile seiner Prognose für 2026 an und will zudem die Dividende erhöhen. Es sind goldene Zeiten, könnte man sagen, die so schnell auch nicht vorbei sein dürften.
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„Ein Ende des Wachstums ist nicht absehbar“, sagt Vorstandschef Dörre auf Anfrage der Schwäbischen Zeitung. Der Manager spricht von einem „Superzyklus“ und einer „Dekade des Eisens“. Neben den zahlreichen Neubeschaffungen werde langfristig auch die Ertüchtigung bestehender Verteidigungssysteme für Umsatz sorgen. Aktuell macht Hensoldt 65 Prozent seiner Erlöse in Deutschland und 25 Prozent im restlichen Europa. Das Geschäft außerhalb des alten Kontinents beträgt erst zehn Prozent. Doch langfristig soll Deutschland „nur“ noch 50 Prozent ausmachen, dafür Europa dann 30 und die weltweiten Märkte rund 20 Prozent. Dörre sieht unter anderem Absatzmärkte in „Asia/Pacific“ und „Middle East“, aber auch in Australien, Indien und den USA – trotz aller Zoll-Querelen.
1600 Neueinstellungen im laufenden Jahr geplant
Das bereinigte EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) erreichte 452 Millionen Euro nach 405 Millionen Euro im Vorjahr. Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 18,4 Prozent. Der „Free Cashflow“ – also die Summe der liquiden Mittel – belief sich derweil auf 347 Millionen Euro. „Deutschland hat 2025 wesentlich zum Auftragseingang beigetragen“, sagt Dörre.
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Finanzvorstand Christian Ladurner verweist derweil auf die Profitabilität des Wachstums: Die Marge liege über der Prognose, und der Cashflow zeige die operative Leistungsfähigkeit von Hensoldt. Das Unternehmen investiert laut dem Manager in Kapazitäten und Prozesse, „um den Auftragsbestand planmäßig in Umsatz zu überführen“. Konkret heißt das: Es wird massiv in den Ausbau der Produktion investiert, inklusive eines deutlichen Personalaufbaus. Im laufenden Jahr sind 1600 Neueinstellungen geplant, wie der Konzern auf Anfrage mitteilt. Zum Jahresende 2025 beschäftigte Hensoldt mehr als 9360 Mitarbeiter. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 8990. Davon waren circa 7200 (2024) beziehungsweise 7700 (2025) in Deutschland beschäftigt. Auch die Mitarbeiterzahlen an den baden-württembergischen Standorten sind gestiegen, sodass Hensoldt nach eigenen Angaben in Ulm bei rund 3400 Mitarbeitern steht und in Oberkochen bei 1150 angekommen ist.
Vorschlag: Dividende soll deutlich steigen
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Im Segment „Sensoren“ erreichte der Auftragseingang von Hensoldt mehr als 3,1 Milliarden Euro. Wesentliche Impulse kamen dabei laut dem Unternehmen aus Luftverteidigungsradaren, dem Eurofighter-Programm sowie den Militärflugzeugen Pegasus und P-8 Poseidon. Der Umsatz stieg hier um acht Prozent auf knapp 2,1 Milliarden Euro. Im Segment „Optronics“ (optisch-elektronische Geräte zur Verteidigung) verdoppelte sich der Auftragseingang sogar auf 1,6 Milliarden Euro.
Treiber waren Bestellungen für das Panzerfahrzeug „Luchs 2“ und den Kampfpanzer „Leopard 2“. Der Umsatz legte um 20 Prozent auf 419 Millionen Euro zu. Der Vorstand will dem Aufsichtsrat und der Hauptversammlung eine Dividende von 0,55 Euro je Aktie vorschlagen. Das wäre ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Jahr konkretisierte Hensoldt seine Prognose. Erwartet wird nun ein Umsatz von gut 2,7 Milliarden Euro. Die Spanne für die bereinigte EBITDA-Marge wurde auf „18,5 bis 19 Prozent“ angehoben.
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Um das künftige Wachstum noch besser meistern zu können und auch den Erfordernissen auf dem Schlachtfeld der Zukunft erfolgreich zu begegnen, setzt Hensoldt immer mehr auf Kooperationen. So ist erst kürzlich bekannt geworden, dass man fortan mit „Schwarz Digits“, der IT-Sparte der Neckarsulmer Lidl-Mutter Schwarz, eng zusammenarbeiten wird. Schwarz Digits wird in diesem Rahmen Cloud-Infrastruktur und Verschlüsselungsdienste an Helsoldt liefern. Auch mit dem Drohnenabwehr-Spezialisten „Tytan Technologies“ sowie „Helsing“, einem Experten für Künstliche Intelligenz (KI) im Rüstungssektor, wird eng kooperiert. Künftig dürfte also noch so einiges Neues aus dem Hause Hensoldt zu erwarten sein.