Die Öl- und Gaspreise sind infolge der militärischen Eskalation im Nahen Osten deutlich gestiegen. In der Nacht zum Montag legten die Werte für Brent-Öl und Rohöl aus den USA zum Handelsstart um mehr als zehn Prozent im Vergleich zum vorherigen Handelstag zu. Der Preis für Brent-Öl lag zeitweise bei 82,37 US-Dollar je Barrel (159
Liter) und erreichte damit den höchsten Stand seit Juli 2024. Für US-Öl wurden zum Handelsbeginn 75,33 Dollar verlangt, der höchste Stand seit Juni 2025.

Im weiteren Handelsverlauf pendelten sich die Preise wieder etwas niedriger ein, lagen aber immer noch knapp acht Prozent höher als zuletzt.

Auch die Gaspreise in Europa zogen spürbar an. Der als Referenzwert geltende niederländische TTF-Gaskontrakt stieg bis Montagmittag auf 47,935 Euro pro
Megawattstunde – ein Plus von fast 50 Prozent im Vergleich zum Vorhandelstag. Die Nachricht des großen staatlichen Exporteurs QatarEnergy, die Flüssiggas-Produktion (LNG) zu stoppen, hatte den Preisanstieg angetrieben. Katar ist der zweitgrößte LNG-Exporteur der Welt nach den Vereinigten Staaten. Europa hatte seine LNG-Importe in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, um russisches Gas zu ersetzen.

Verbraucher treffen die Preissteigerungen in der Regel nicht direkt: Wegen
langfristiger Kontrakte dauert es üblicherweise, bis
Energieversorger Preisänderungen im Großhandel an Privatkunden
weitergeben.

Sprit und Heizöl in Deutschland spürbar teurer

An den deutschen Tankstellen sind die Folgen des Energiepreisschocks bereits spürbar. Laut dem ADAC stiegen die Preise für E10 und Diesel bis Montagnachmittag um sieben bis acht Cent pro Liter seit Freitag. Der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands, Herbert Rabl, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem großen Andrang und Schlangen an den Tankstellen.

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Beim Heizöl ist der Anstieg noch deutlich stärker. Das
Internetportal Heizoel24 gab den Preis am Montagvormittag
zwischenzeitlich mit mehr 120 Euro pro 100 Litern an. Er pendelte sich bis Montagnachmittag bei rund 119 Euro ein. Noch am Freitag
lagen die Preise deutlich unter 100 Euro.

Nadelöhr Straße von Hormus

Die deutlichen Preisanstiege hängen vor allem mit der Blockade der wichtigen Straße von Hormus durch den Iran zusammen. Der Iran kontrolliert das für die Schifffahrt wichtige Nadelöhr. Die Straße verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen
Meer und dem Indischen Ozean. Ein Fünftel der weltweiten
Ölproduktion wird täglich über diese Handelsroute transportiert. Auch
ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG) wird
über Hormus abgewickelt. Der Brennstoff stammt hauptsächlich aus Katar.

Die Staaten des Ölverbunds Opec+, in dem neben Staaten der Opec auch
andere wichtige Förderstaaten wie Russland organisiert sind, hatten am
Sonntag auf einem planmäßigen Treffen beschlossen, die Tagesproduktion
zu erhöhen, um Engpässe und zu starke Preisanstiege zu verhindern.

Iranische Angriffe auf Ölanlagen und Tanker

Die Lage wird außerdem durch Angriffe des Iran auf Ölanlagen und Tanker weiter verschärft. So wurde in Saudi-Arabien eine Anlage des staatlichen Ölkonzerns Aramco mit
mutmaßlich iranischen Drohnen angegriffen. Die Drohnen
seien abgefangen und zerstört worden, hieß es vom saudischen Verteidigungsministerium. Durch herabfallende Trümmerteile
sei an der Anlage ein Feuer ausgebrochen, Opfer habe es dabei aber nicht
gegeben. Das Energieministerium des Landes teilte mit, einige Teile der Anlage seien als
Vorsichtsmaßnahme vorübergehend geschlossen worden. Es gebe aber keine
Auswirkungen auf die Ölproduktion. Die iranische Revolutionsgarde teilte ‌zudem mit, ⁠sie hätte drei Tanker aus den USA ​und Großbritannien im Golf und in der
Straße von Hormus mit Raketen getroffen.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer,
geht davon aus, dass der Preis für Brent-Öl aus der Nordsee im Fall
einer längeren Schließung der Straße von Hormus weiter in Richtung der
Marke von 100 Dollar steigen könnte. „Bliebe der Ölpreis mehrere Monate
so hoch, würde das die Inflation im Euroraum rechnerisch um mehr als
einen Prozentpunkt erhöhen und das Wirtschaftswachstum um einige Zehntel
Prozentpunkte senken“, sagte Krämer.

Verfolgen Sie alle weiteren Entwicklungen zum Irankrieg und der Lage in Nahost in unserem Liveblog.

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