Ansgar Schledde

AUDIO: WhatsApp-Nachricht befeuert Untreue-Vorwürfe gegen AfD (1 Min)

Stand: 02.03.2026 13:27 Uhr

Eine brisante WhatsApp‑Nachricht setzt Niedersachsens AfD-Chef Ansgar Schledde unter Druck. Sie könnte belegen, dass Abgeordnetenbudgets rechtswidrig für Parteiarbeit genutzt wurden – Vorwürfe, die Schledde bestreitet.

von Amelia Wischnewski

Screenshot eines Chats auf WhatsApp

Diese WhatsApp-Nachricht soll Vorwürfe gegen Niedersachsens AfD-Chef Schledde belegen.

Ein WhatsApp-Chat zwischen der AfD-Bundestagsabgeordneten Martina Uhr und Landeschef Schledde sorgt für massive Unruhe in der niedersächsischen AfD. Darin soll Landeschef Ansgar Schledde offen über die umstrittene 65/35‑Regel sprechen: „Habe gute Leute in der Hinterhand 👍! (…) Müssen ja die Budgetsufteilung 65/35 bedenken“ (Rechtschreibfehler aus dem Original übernommen). Das könnte die Vorwürfe bestätigen, nach denen Ansgar Schledde von Abgeordneten verlangt haben soll, über einen Teil, nämlich 35 Prozent ihres Mitarbeiterbudgets, verfügen zu können. Verwendet werden sollte das Geld für Parteiarbeit auf Landes- und Kommunalebene. Das wäre rechtswidrig. Die WhatsApp-Nachricht, die dem NDR vorliegt, wäre der schriftliche Beleg dafür, dass etwa 1,5 Millionen Euro Steuergelder zweckentfremdet worden sein könnten. Ansgar Schledde äußert sich dazu nicht konkret, bestreitet die Vorwürfe aber weiterhin vehement. Und verlangt jetzt von Martina Uhr, Bundestagsabgeordnete für die AfD, ihr Mandat niederzulegen. Der Landesverband hat rechtliche Schritte gegen Uhr angekündigt.

Martina Uhr erhebt schwere Vorwürfe

Martina Uhr behauptet, alle niedersächsischen Bundestagsabgeordneten würden diese Regel kennen. Vergangene Woche hingegen hatten alle 13 niedersächsischen AfD-Abgeordneten, darunter auch Uhr, eine einheitlich formulierte eidesstattliche Versicherung abgegeben, in der sie die Existenz der 65/35‑Regel kategorisch bestritten. Als am Dienstag Uhrs Vorwürfe gegen Schledde öffentlich wurden, sei AfD-Landesgruppensprecher und Schledde-Vertrauter Andreas Paul in Martina Uhrs Büro gekommen und habe ihr ein vorformuliertes Schreiben auf den Tisch gelegt – das bestätigen beide Seiten dem NDR. Inhalt: Uhr legt ihr Bundestagsmandat nieder. Sie müsse nur unterschreiben. Das tat sie nicht. Noch am selben Abend stellte Paul ihr ein Ultimatum: Legt Uhr ihr Mandat nicht binnen 24 Stunden nieder, will die Landesgruppe ihren Fraktionsausschluss beantragen. Ein solcher Antrag blieb bis Ende der Woche aus – offenbar in der Hoffnung, Uhr könnte ihre Anschuldigungen zurückziehen.

Uhr: „Werde ganz bestimmt nicht zurücktreten“

Inzwischen hat Uhr ihre eidesstattliche Versicherung aber zurückgezogen. „Man hat mich gewaltig unterschätzt, wenn man denkt, man kann mich einschüchtern oder unter Druck setzen“, sagte Uhr dem NDR. Ihr Mandat werde sie keinesfalls niederlegen, so die AfD-Abgeordnete aus Nordhorn. Außerdem habe sie die Landesgruppe aus eigenen Stücken verlassen – noch bevor die Gruppe sie rausgeschmissen hat. Im Gespräch mit dem NDR erklärt Uhr, sie habe weiter Rückhalt aus der Bundestagsfraktion. Unter der Hand erfahre sie viel Zuspruch von einzelnen Fraktionsmitgliedern. Landesgruppensprecher Paul erklärte, eine Zusammenarbeit mit Uhr sei nicht mehr möglich. Er sei „entrüstet, geschockt, enttäuscht“. Den Rausschmiss hatte die Landesgruppe um Paul damit begründet, Martina Uhr habe ihren Lebensgefährten und dessen Tochter als Mitarbeiter beschäftigt. Uhr widerspricht dem.

Uhr: Schledde wusste über Mitarbeiter Bescheid und stimmte zu

Der besagte Büro-Mitarbeiter sei nicht ihr Lebensgefährte, sondern ein guter Freund. Uhr räumt ein, mit ihrem Mitarbeiter in einer Zweck-WG zusammengewohnt zu haben, um Kosten zu sparen, und sich bei Parteitagen aus denselben Gründen Hotelzimmer geteilt zu haben – mehr aber nicht. Fachlich sei die Anstellung des Freundes und seiner Tochter weiterhin gerechtfertigt. Zudem habe sie noch vor der Vertragsunterschrift Rücksprache mit AfD-Landeschef Schledde gehalten. Dieser habe zugesichert, sich in der Personalsache vorab juristisch rückzuversichern. Das könne sie schriftlich belegen, sagte Uhr.

Martina Uhrs Unterschrift auf allen fraglichen Mitarbeiterverträgen?

Die Mitarbeiter, die Schledde über Uhrs Budget bezahlen würde, würden für ihn und nicht für die Bundestagsabgeordnete arbeiten. Deshalb werde nur Schledde als Chef von den Personen akzeptiert, sagt Uhr. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung berichtet. Problematisch ist jedoch: Martina Uhrs Unterschrift steht auf allen fraglichen Mitarbeiterverträgen. Damit trage am Ende des Tages sie die Verantwortung, argumentiert AfD-Landesgruppensprecher Andreas Paul gegenüber dem NDR.

Reporterin Amelia Wischnewski.

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