In Brandenburg bleibt die Zahl antisemitischer Straftaten auf einem hohen Niveau. Wie aus einer Antwort der Potsdamer Landesregierung auf eine „Kleine Anfrage“ des SPD-Landtagsabgeordneten Andreas Noack hervorgeht, wurden 2025 insgesamt 262 antisemitische Straftaten in Brandenburg registriert. Im Jahr zuvor waren es 274.

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Zum Vergleich: In den Jahren 2014 bis 2018 lag die Zahl der antisemitischen Straftaten in Brandenburg bei jährlich unter 100. „Rein rechnerisch bedeutet das: Fast an jedem Tag wird in unserem Land eine antisemitische Straftat begangen – das nicht erfasste Dunkelfeld ist noch nicht einmal mit eingerechnet“, so Noack. Die Gesellschaft könne und dürfe nur eine Null-Toleranz-Strategie verfolgen, sagte Noack am Montag in Potsdam. „Jeder antisemitische Vorfall muss benannt, verfolgt und gesellschaftlich geächtet werden.“ Der Schutz jüdischen Lebens sei keine freiwillige Aufgabe, sondern eine historische und demokratische Verpflichtung des Landes.

Besorgt äußerte sich auch der Brandenburger Antisemitismus-Beauftragte Andreas Büttner. „262 antisemitische Straftaten in einem Jahr – das ist keine abstrakte Zahl, sondern Ausdruck einer besorgniserregenden Entwicklung“, sagte Büttner. Hinter jeder Tat stehe ein Angriff auf Menschen, die in Brandenburg selbstverständlich und sicher leben wollen. „Antisemitismus ist kein Randphänomen und kein Relikt der Vergangenheit“, sagte der Landesbeauftragte, auf dessen Grundstück in Templin erst im Januar ein Brandanschlag verübt worden war. „Er zeigt sich heute offen, aggressiv und zunehmend enthemmt.“

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Antisemitismus beginne dabei nicht erst mit der Straftat. Er beginne mit Worten, Abwertungen und der Infragestellung jüdischen Lebens in unserem Land. „Deshalb braucht es eine klare politische Haltung, konsequente Strafverfolgung und eine starke Präventionsarbeit – insbesondere in Schulen und in der politischen Bildung“, sagte Büttner. „Der Schutz jüdischen Lebens ist ein Gradmesser für die Stabilität unserer Demokratie.“ Wenn hier nachlasse, gefährde das Fundament des freiheitlichen Zusammenlebens in Deutschland.