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Dresden – Vor zwölf Jahren begann Pegida damit, jeden Montag auf die Straße zu gehen. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ folgten ihrem Anführer Lutz Bachmann (53). Der nahm später Reißaus und wanderte nach Spanien aus. Die Hintergründe sind bis heute unklar. Jetzt kam der Mann mit den 22 Vorstrafen zurück nach Deutschland.
Das Landgericht Dresden verhandelte am Montag gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft und auch Bachmann selbst hatten gegen ein Urteil des Amtsgerichts Berufung eingelegt. Im September 2024 war der Pegida-Chef u.a. wegen Beihilfe zur Volksverhetzung zu 17 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die 14. Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Thomas Mrodzinsky (62) versuchte auszuloten, was das Ziel der Berufung ist. Bachmann beteuerte seine Unschuld, forderte einen Freispruch – die Staatsanwaltschaft auch eine Verurteilung wegen Körperverletzung.

Richter Thomas Mrodzinsky (62, Mitte) mit den beiden Schöffen und der Protokollantin. Links: Staatsanwalt Alexander Thürmer (46). Rechts: Lutz Bachmann (53) mit seiner Anwältin Katja Reichel (56)
Foto: Olaf Rentsch
Das wird Bachmann vorgeworfen
In der Corona-Krise 2021 war auf dem Telegram-Kanal „Lutziges“ ein Foto zu sehen, das zur einen Hälfte einen SS-Offizier und zur anderen einen Polizisten zeigte, zudem eine verbotene SS-Rune und einen Totenkopf. Dazu stand: „Ich führe nur Befehle aus.“ In einem weiteren Telegram-Beitrag aus 2022 ging es um Ukraine-Flüchtlinge. Darunter stand: Unter die „echten Flüchtlinge“ würden sich jede Menge „Halsabschneider“ und „Gelumpe“ aus Afrika mischen. Im dritten Fall aus 2023 wurde ein Beitrag über ein Flüchtlingsheim geteilt. Zu sehen sind zwei Mitarbeiter. Der Kommentar auf dem Bachmann-Kanal: „Merkt euch die Gesichter, das sind meiner Meinung nach Mittäter bei Raub und Vergewaltigung.“
Für diese Beiträge ist Bachmann vom Amtsgericht verurteilt worden. Ein früheres Urteil über sechs Monate wurde einbezogen. Freigesprochen wurde Bachmann für einen angeblichen Schlag gegen einen Journalisten am Rande einer Demo.

Die letzte Pegida-Demo vor dem Aus. Im Oktober 2024 löste sich die fremdenfeindliche Bewegung auf
Foto: Dirk Sukow
Ex-Pegida-Boss unter Bewährung
Am Landgericht behauptet Bachmann, er hätte keinen Zugang mehr zum Profil bei Telegram. Bei der Pegida-Trennung (offiziell 2024) hätte es Streit gegeben und es sei weiter unter seinem Namen gepostet worden. Namen, wer dahintersteckt, wollte er nicht nennen.
Der pragmatische Richter machte kurzen Prozess: „Es besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass etwas Ähnliches herauskommt, wie beim ersten Mal.“ Er hob jedoch hervor, dass seit dem Urteil viel Zeit vergangen und nichts Neues dazugekommen sei. Schließlich einigte man sich in einem Rechtsgespräch. Die Staatsanwaltschaft zog ihre Berufung zurück, Bachmann beschränkte sich auf die Rechtsfolgen. Heißt: Er erkennt die Schuld an. Richter Mrodzinsky urteilte danach: neun Monate Haft auf Bewährung und damit acht weniger als im ersten Urteil.

Bachmann lebt seit zehn Jahren auf der Urlaubsinsel Teneriffa
Foto: picture alliance/Zoonar
Das macht Lutz Bachmann heute
Der frühere Pegida-Boss der fremdenfeindlichen Bewegung sagte vor Gericht, dass er auf den Kanaren lebe. Die Adresse führt zu einer Wohnanlage im Süden der Insel Teneriffa, mit einem Gemeinschaftspool und ganz in der Nähe des Flughafens. Als Job gibt Bachmann „selbstständig“ an, er arbeite in der Firma seiner Frau. Einkommen hätte er keins. „Was ich brauche, wird gekauft“, sagt er dem Richter. BILD hakte nach, was denn die Firma seiner Frau mache und was sein heutiger Job sei. Bachmann: „Dies und das. Und ich helfe Leuten beim Auswandern.“ Im Klartext: Der Mann, der gegen Einwanderung nach Deutschland wetterte, hilft nun Menschen bei der Einwanderung nach Spanien.