Eine große Gruppe junger Menschen quetscht sich um fünf Biertische herum und verzieren ausladende bunte Blumen in ihren Händen. Mehrere versuchen sich aus der Traube herauszukämpfen, um weiteres grünes Zierwerk aus einem Häufchen neben den Tischen zu ergattern.
Es fällt auf, dass mehrere Frauen in der zweiten Tischreihe gleiche schwarze T-Shirts tragen. Ein gelber Aufdruck verrät, sie sind vom „Beruflichen Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung Dresdens“. Zwei von ihnen erklären, dass sie im zweiten Ausbildungsjahr der Floristik sind. Mit ihrer Berufsschule nehmen sie Teil an einem Programm auf der Leipziger „Cadeaux“-Messe – mit Vorträgen und Workshops zu Ihrem Berufsfeld.
Ratschläge von der Blumenfee
Begrüßt werden sie von Hannes Schrader. Er ist die amtierende Deutsche Blumenfee, die vom Zentralverband Gartenbau ausgelobt wird. In einem Vortrag teilt er seine beruflichen Erfahrungen mit den Auszubildenden und versucht Tipps zu geben, wie sie nach der Ausbildung Fuß fassen können. Ganz wichtig sei es, den Beruf zeitgemäß zu halten. „Ihr müsst die Floristik ins 21. Jahrhundert bringen. Gerade die junge Generation kann das am besten über Social Media.“ Man müsse auch die nächste Kundengeneration zu erreichen und das ginge am besten im digitalen Raum.
Ihr müsst die Floristik ins 21. Jahrhundert bringen. Gerade die junge Generation kann das am besten über Social Media.
Hannes Schrader
Deutsche Blumenfee
Davon abgesehen habe er auch gute Erfahrungen mit einem Blumenautomaten vor seinem Laden gemacht. So würde er auch Kunden erreichen, die keine Zeit oder Lust hätte, in den Laden zu gehen. Für die Azubis gäbe es aber auch die Möglichkeit nach ihrer Ausbildung eigene Workshops anzubieten, als Zusatzangebot neben dem Blumenverkauf.
Bei aller Modernisierung liebe er aber die sinnlichen Aspekte seines Berufes. Das Riechen, Anfassen und Aussuchen von einzelnen Blumen in einem Laden könne man nicht ersetzen. Für ihn sei klar, die Auszubildenden haben viele Wege, die sie nach der Schule einschlagen können. Sie müssen nur kreativ dabei sein.
Azubis beschenken Aussteller
Mittlerweile hält jeder der Teilnehmer ein Gesteck mit großer Flamingoblume in den Händen. Damit sollen sie jetzt durch die Messehalle gehen und ihre Werke an Aussteller verschenken. Aus der Dresdner Gruppe lösen sich zwei junge Frauen, um gemeinsam in den Gängen ihre Geschenkziele zu suchen. Sie stellen sich als Anne und Lilly vor. Vor der Ausbildung hätten sie schon studiert, sich dann aber doch noch für eine Ausbildung entschieden.
Bereut habe das aber keine von ihnen. Auch sie sehen die Notwendigkeit mit der Zeit zu gehen. Derzeit wäre spürbar, dass die Kunden weniger Geld für Blumen übrig hätten. Das sei schade, aber auch darauf könne man reagieren. „Ein Teil dessen, was wir können, ist, für jedes Budget etwas Cooles zu machen. Zum Beispiel eine Einzelblüte.“ Anne hält freudig ihr Gesteck mit dunkelroter Blume hoch.
Ein Teil dessen, was wir können, ist, für jedes Budget etwas Cooles zu machen.
Anne
Floritik-Auszubildende aus Dresden
Annes Gesteck geht kurz darauf an einen Aussteller mit Brille und Jackett. Er wirkt leicht überrascht, aber auch erfreut. Für ihn sei es wichtig, dass es die Ausbildung für Floristen gibt. Er zeigt auf den Strauß in seiner Hand. „Das sieht man. Das ist wie beim Friseur, das kann auch nicht jeder.“