Ein polnisch-jamaikanisches Kochduo wurde zur „Entdeckung des Jahres“ gekürt. Zu Recht: Hier gibt es die spannendste Fusionsküche der Stadt.
Mateusz A Żurek und Jahmarley Grant lachen, als sie gefragt werden, wie sie auf die Idee kamen, polnische und jamaikanische Küche zu kombinieren. „Diese beiden Küchen sind beste Freunde, die sich nur noch nicht getroffen hatten“, sagt Jahmarley. „Polen bringt Tiefe: Fermentation, Rauch, Comfort Food, Ernsthaftigkeit. Jamaika bringt die Party: Hitze, Aromatik, Frucht, Kräuter, Rhythmus. Zusammen ergibt plötzlich alles Sinn – als würde man einer schönen Melodie eine Basslinie hinzufügen.“
Seit 2018 arbeiten die beiden Köche zusammen, haben in Lissabon zwei Restaurants geführt und sind im Juni 2024 nach Hamburg gezogen. Nach einem halben Jahr Pop-ups haben sie Anfang 2025 ihr festes Restaurant am Moorkamp eröffnet, das „Criss Studio“. Das Magazin „Falstaff“ hat sie prompt zur „Entdeckung des Jahres 2026“ gekürt.
Die Speisekarte verrät bewusst wenig. „Wir verkaufen keine Wörter, wir servieren Erlebnisse“, erklärt Mateusz. „Wenn Gäste zu viel wissen, kommen sie mit einer Checkliste: ‚Das mag ich, das hasse ich.‘ Wenn man nicht weiß, was kommt, schmeckt man mit voller Aufmerksamkeit.“
Das Zwölf-Gänge-Menü (135 Euro) ist zu 70 Prozent pflanzlich und zeigt exemplarisch, wie durchdacht diese Kombination funktioniert. Polen baut das Haus, Jamaika öffnet die Fenster, wie Mateusz es formuliert. Jede erdige, schwere Note braucht einen Fluchtweg: Säure, Kräuter, Schärfe oder Bitterkeit. Jede helle, fruchtige Note bekommt Struktur: Rauch, Umami, Fermentation oder Fett.
Eine Speise, die ihre Philosophie perfekt verkörpert: Pierogi, das Nationgericht Polens. „Wir haben sie für ein Weihnachtsessen in Lissabon kreiert“, erzählt Jahmarley. „Polnische Gäste erwarten Pierogi an Weihnachten – das ist quasi Gesetz. Also machten wir Pierogi, die komplett traditionell aussehen, und dann ziehen wir den Boden unter den Füßen weg – auf die beste Art: Innen sind sie zu 100 Prozent jamaikanisch.“ Gefüllt sind die Pierogi mit Okra, serviert in einer würzigen Piment-Kokos-Soße.
Eine weitere überraschende Kombination: Pilz und Rose. „Klingt wie ein Parfüm, schmeckt wie eine Signatur“, sagt Mateusz. Bei einem Dinner für mehrere Botschafter in Lissabon kombinierten sie polnische Rosenmarmelade (klassische Donut-Füllung) mit Pilzen. „Sie sind seltsam ähnlich – beide erdig, beide aromatisch, beide tief. Zusammen kämpfen sie nicht, sie verstärken sich gegenseitig.“