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Berlin – Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle (56) will an ihrem Posten festhalten. „Ich bin sehr stolz auf mein Team und das Festival und möchte die gemeinsam begonnene Arbeit in vollem Vertrauen und mit institutioneller Unabhängigkeit fortsetzen“, sagte Tuttle der Deutschen Presse-Agentur.

Eigentlich wollten sowohl Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (61) als auch die US-Amerikanerin ein Vertragsende. Auf einer Krisensitzung war bekannt geworden, dass Tuttle selbst nicht mehr weitermachen wolle. Weimer wollte nach den Antisemitismus-Skandalen einen Neustart.

Berlinale-Chefin diskutierte Kündigung

Jetzt sagt sie: Als sie mit Weimer am Dienstagabend gesprochen habe, habe sie sich die Frage gestellt, „ob ich in einem Umfeld, in dem meine Führungsrolle und die Integrität der Berlinale öffentlich ernsthaft in Zweifel gezogen wurden, weiterhin effektiv arbeiten könnte“. Und weiter: „Wir diskutierten die Möglichkeit meiner einvernehmlichen Kündigung.“

Demonstratives Propaganda-Foto mit Berlinale-Chefin: Tricia Tuttle (56, eingekreist) posierte mit der Crew des Films „Chronicles from the Siege“ mit Palästina-Fahne und Pali-Tüchern

Demonstratives Propaganda-Foto mit Berlinale-Chefin: Tricia Tuttle (56, eingekreist) posierte mit der Crew des Films „Chronicles from the Siege“ mit Palästina-Fahne und Pali-Tüchern

Foto: Wikimedia Commons/Celestinesucess

„Klarheit wiederhergestellt“

BILD hatte nach dem Filmfestival berichtet, Tuttle soll abgelöst werden. Die Nachricht einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung sei erschienen, noch bevor ihre Gespräche mit Weimer vollständig abgeschlossen waren, sagt Tuttle der dpa.

In der Kulturbranche hatte sich Protest formiert, der die Situation für sie verändert hat: „Und ehrlich gesagt, hat dies auch meine eigene Klarheit nach einigen schwierigen Wochen wiederhergestellt“.

Mehr zum ThemaCDU fordert: Keine Bühne für Israelhass

Kritik zu Berlinale-Skandalen unter der Leitung Tuttles kommt u. a. von Pascal Reddig (30), Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Ausschuss für Kultur und Medien. Er sagt BILD: „Die Berlinale befindet sich seit Jahren im Klammergriff israelfeindlicher, antisemitischer Aktivisten, die das Filmfestival missbrauchen und überschatten. Film darf und soll politisch sein, aber diese israelhassende und aggressive Aktivistenszene beschädigt die Berlinale.“ Jetzt brauche es eine Richtungsentscheidung für die Zukunft. „Keinen roten Teppich und keine Bühne mehr für Israelhass!“

Der Berlinale-Skandal

Ausgezeichnet worden war als „Bester Erstlingsfilm“ auf der Berlinale das Werk „Chronicles from the Siege“ des palästinensischen Aktivisten Abdallah Alkhatib (37). Und der hatte statt einer Dankes- eine Hassrede gegen Israel und Deutschland gehalten – ungestört auf offener Bühne, mit Pali-Tuch und Pali-Fahne.

Problematisch für Tuttle ist nicht nur der Antisemitismus-Eklat auf der Preisverleihung, sondern auch, dass Berlinale-Chefin Tuttle mit der Filmcrew eine Woche zuvor schon mit Palästinenser-Fahne und Pali-Tüchern posiert hatte.