Abschied vom Film
Aktuelle Filmarbeiten von Jutta Hoffmann sind rar gesät. Eine Ausnahme war 2016 die preisgekrönte Fernsehproduktion „Ein Teil von uns“. In dem Drama spielt sie Irene, die obdachlose, geistig verwirrte Mutter von Nadja (Brigitte Hobmeier). Für ihr geradezu schmerzhaftes Spiel erhielt sie den Grimme-Preis.
Hoffmann war ab Anfang der 90er-Jahre in Hamburg auch eine hochgeschätzte Schauspielprofessorin, so lernte unter anderem Marie Bäumer bei ihr das Handwerk. Doch für sie selbst gibt es kaum noch etwas zu tun. Große Altersrollen sind in Deutschland nicht vorgesehen. Das kommentierte sie im Gespräch mit MDR KULTUR: „Es endet eben mit 70. Wir haben keine Lobby. Uns braucht man nicht – so wie man die DEFA nicht brauchte.“
Es endet eben mit 70. Wir haben keine Lobby. Uns braucht man nicht – so wie man die DEFA nicht brauchte.
Jutta Hoffmann
Hoffmann war ab Anfang der 90er-Jahre in Hamburg auch eine hochgeschätzte Schauspielprofessorin, so lernte unter anderem Marie Bäumer bei ihr das Handwerk. Doch für sie selbst gibt es kaum noch etwas zu tun. Große Altersrollen sind in Deutschland nicht vorgesehen.
Dutzende Hörspiele von Bertolt Brecht bis Science Fiction:
Eine große Leidenschaft lebt Jutta Hoffmann jedoch bis heute: Hörspiel. Von den 60er-Jahren bis heute hat sie teilweise mehrere Produktionen pro Jahr eingesprochen. Fast 70 Hörspiele sind so im Laufe ihres Lebens zusammengekommen. Auch beim MDR war sie häufig zu Gast, spielte unter anderem in Einar Schleefs „Totentrompeten“, Thilo Refferts „Queen Mary 3“ oder Günter Kunerts „Keine weiteren Vorkommnisse“. Zuletzt nahm sie 2024 für den SWR Sibylle Lewitscharoffs „Trio Null Ouvert“ auf.
Aufrichtig, furchtlos und kompromisslos
MDR KULTUR-Filmkritiker Knut Elstermann ist Jutta Hoffmann mehrfach begegnet. Er beschreibt sie als „absolut aufrichtig, furchtlos und kompromisslos“. Dabei schleudere sie den Menschen ihre Meinung manchmal auch „richtig hart entgegen“ – im Gegenzug bekommt man von ihr „absolute Wahrhaftigkeit, Kompromisslosigkeit, Ehrlichkeit“, sagt Elstermann bewundernd. „Man wird von ihr niemals eine Attitüde erleben oder eine Phrase oder eine Selbstdarstellung, es geht immer um die Sache, es geht immer um die große Kunst, der sie ihr Leben lang gedient hat.“
Quelle: MDR KULTUR (Knut Elstermann, Carsten Tesch)
Redaktionelle Bearbeitung: op