Die martialische Kulisse passte zu Macrons verteidigungspolitischer Rede: Die Île de Longue im äußersten Zipfel der Bretagne ist der Stützpunkt für die vier U-Boote, die einen Teil der 290 französischen Atomsprengköpfe tragen können – und von denen stets eines durch die Weltmeere kreuzt. Angesichts wachsender globaler Bedrohungen erhöht Frankreich die Zahl seiner Atomsprengköpfe. Zu genauen Zahlen werde man sich nicht mehr äußern, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag zur künftigen Strategie der atomaren Abschreckung.

Der Präsident bietet den Europäern eine „fortgeschrittene Abschreckung“ an. Dies bedeute, sagte er, dass europäische Truppen an den Übungen der französischen Atomwaffen-Einheiten teilnehmen könnten. Umgekehrt könnten solche französischen strategischen Truppen in anderen EU-Ländern stationiert werden.

Emanuel Macron At Ile Longue Defence unit - Crozon

Macron am Atomwaffen-Stützpunkt: Nukleare Sprengköpfe in ganz Europa?
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Frankreich will Atomwaffen zur Stärkung der Abschreckung in Europa verteilen

Vor allem aber offeriert Frankreich die Möglichkeit, französische Atomsprengköpfe in ganz Europa zu stationieren. Dies habe zum Ziel, den Standort dieser Waffen noch besser vor dem Feind zu verheimlichen. Das wiederum diene der Abschreckung Frankreichs, aber auch anderer Staaten.

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Macron sagte weiter, der wesentliche Partner in diesen Bemühungen sei Deutschland. Weitere Länder hätten ihrerseits Interesse bekundet, von der Force de Frappe zu profitieren: Polen, die Niederlande, Belgien, Griechenland, Dänemark und Schweden.

05.03.2025, Frankreich, Paris: Dieses Foto zeigt einen Fernsehbildschirm, während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bei einem Live-Interview im französischen Fernsehen einer Rede an die Nation hält. Foto: Ludovic Marin/AFP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Deutsch-französische Verteidigungsausgaben sorgen für Debatte

Abzusehen ist, dass die französischen Nationalisten zur Rechten wie zur Linken gegen Macrons Ankündigungen auf die Barrikaden gehen werden. Sie monieren, dass Deutschland schon heute doppelt so hohe Verteidigungsausgaben wie Frankreich habe; 2030 würden sie sogar dreimal so hoch ausfallen. Sie verdächtigen Merz schon heute „hegemonialer“ Absichten, fast wie in Weltkriegszeiten. Aber es gibt auch Gegenstimmen, die mehr Verständnis für die deutsche Position aufbringen. Von den Sozialisten bis zu den konservativen Republikanern würdigen die gemäßigteren Parteien die Erhöhung des deutschen Wehretats als Beitrag zur europäischen Sicherheit.

Macron kann daraus ein Argument bauen: Denn die Force de Frappe ist nicht nur eine Frage der äußeren Sicherheit, sondern der finanziellen Möglichkeiten. Das Loch in der französischen Staatskasse verzögert aber die überfällige Erneuerung der U-Boote und Kampfjets, die Atomsprengkörper tragen. Hier könnte Deutschland aushelfen. Merz und Macron haben deshalb noch einige Punkte zu regeln, wenn sie das Thema vor den Präsidentschaftswahlen von April 2027 bereinigen wollen.