Der erste 100-prozentige Wasserstoffmotor, ein Einzylinder 35/44DF, wurde Ende 2025 am Everllence Standort in Augsburg erfolgreich in Betrieb genommen. Foto: Everllence
Das Augsburger Traditionsunternehmen hat im Rahmen des „HydroPoLEn“-Projekts einen Schiffsmotor für den Wasserstoffbetrieb aufgerüstet. Der erfolgreiche Test wird als maßgeblicher Schritt in Richtung maritimer Dekarbonisierung bewertet.
Everllence SE treibt die Dekarbonisierung in der Schifffahrt voran: Kürzlich wurde im Rahmen des Forschungsprojekts HydroPoLEn erfolgreich ein Motor einzig mit Wasserstoff betrieben.
HydroPoLEn ist eine gemeinsame Initiative des Augsburger Maschinenbauers mit den Unternehmen WTZ, Tenneco und Carnival Maritime sowie dem Lehrstuhl für Nachhaltige Mobile Antriebssysteme der TU München und wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
Das Ziel der Initiative
Das Forschungsprojekt HydroPoLEn, kurz für „Hydrogen Powered Large Engines“ (zu Deutsch „Wasserstoffbetriebene Großmotoren“), zielt darauf ab, nachhaltige Antriebslösungen für die globale Schifffahrt zu entwickeln. Um dies zu erreichen, wurden in den vergangenen Jahren neben speziellen Komponenten und Bauteilen auch dezidierte Verbrennungsprozesse entwickelt, die einen reinen Wasserstoffbetrieb ermöglichen sollen. Ein solcher Betrieb wurde nun erfolgreich getestet.
Der Projektmanager bei Everllence, Dr. Cornelius Wagner, erklärt: „Wasserstoff stellt erhebliche Herausforderungen für den Motorbetrieb dar und erfordert eine optimale Anpassung der Sicherheitssysteme und Komponenten, um sein maximales Potenzial ausschöpfen zu können. Nachdem diese zentralen Herausforderungen nun bewältigt sind, rückt Wasserstoff als langfristige Lösung für die Defossilisierung von Passagierschiffen in greifbare Nähe.”
Dieser Erfolg deckt sich auch mit dem Ausblick von Everllence-CEO Dr. Uwe Lauber. Er will das Unternehmen mit der Strategie „Moving big things to zero“ als weltweiten Dekarbonisierungs-Champion etablieren.
Neue Infrastruktur am Standort Augsburg entstanden
Parallel zu dem Motorenprüfstand und -tests wurde eine Versorgungsinfrastruktur für Wasserstoff in Augsburg errichtet. Diese Investition ziele darauf ab, den Forschungsstandort langfristig für die Erprobung alternativer Energieträger zu rüsten. Die neu geschaffenen technischen Anlagen sollen über die aktuelle Projektlaufzeit hinaus weiterführende Versuchsreihen zur maritimen Dekarbonisierung ermöglichen. Gleichzeitig seien durch diese Kapazitätserweiterungen die Voraussetzungen geschaffen worden, um technologische Entwicklungen auch in Zukunft direkt vor Ort bis zur praktischen Anwendung zu begleiten.
Dr. Matthias Auer, Head of Performance & Emissions, Four-Stroke R&D bei Everllence, kommentiert: „Im Wettlauf um zukunftsfähige Antriebstechnologien im maritimen Sektor spielt Wasserstoff neben Ammoniak und Methanol eine entscheidende Rolle. Da in absehbarer Zeit wahrscheinlich keine Technologie allein für alle Anwendungen geeignet sein wird, müssen Unternehmen flexibel bleiben und alle Optionen prüfen. Wasserstoff wird in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielen.“