Ölförderpumpe im Gegenlicht.

Stand: 03.03.2026 • 08:59 Uhr

Iran hat die strategisch wichtige Straße von Hormus für geschlossen erklärt. Das treibt die Ölpreise weiter nach oben. Unterdessen gleichen die USA Lieferausfälle aus Katar beim Flüssigerdgas LNG aus.

Die Ölpreise steigen massiv weiter, nachdem der Iran gedroht hat, auf jedes Schiff zu feuern, das versucht, die Straße von Hormus zu durchfahren. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich am Morgen um rund drei Prozent auf 80,09 Dollar je Barrel. US-Leichtöl WTI legte um etwas mehr als zwei Prozent auf knapp 73 Dollar zu.

Ölpreise könnten auf über 100 Dollar steigen

Ein hochrangiger Vertreter der iranischen Revolutionsgarden erklärte laut iranischen Medien, die Meerenge sei geschlossen. Versicherer haben ihre Deckung für Schiffe in der Region gestrichen. Der unter honduranischer Flagge fahrende Tanker „Athe Nova“ brenne nach einem Drohnenangriff, meldeten iranische Nachrichtenagenturen.

Analysten rechnen in den kommenden Tagen mit weiter steigenden Preisen. Die Investmentbank Bernstein hob ihre Brent-Prognose für 2026 von 65 auf 80 Dollar an und sieht im Extremfall eines längeren Konflikts sogar 120 bis 150 Dollar. Saudi-Arabien musste nach einem Drohnenangriff seine größte Raffinerie schließen.

Gestern hatte Brent zeitweise um bis zu 13 Prozent zugelegt und bei 82,37 Dollar den höchsten Stand seit Januar erreicht, bevor sich die Gewinne auf 5,5 Prozent reduzierten. Die US-Dieselpreise erreichten ein Zweijahreshoch, europäisches Gasöl verteuerte sich um 2,7 Prozent.

Wirtschaftsweise warnt vor Energieschock

Container-Reedereien haben ihre Schiffsdurchfahrten in der Straße von Hormus ausgesetzt und leiten ihre Schiffe um Afrika herum. Durch die Meerenge werden täglich etwa 17 Millionen Barrel Öl transportiert, was rund 20 Prozent der weltweiten Produktion entspricht. Laut Schiffsdaten lagen am Sonntag mehr als 200 Schiffe vor der gesperrten Meerenge vor Anker.

Der Anteil des Nahen Ostens an den europäischen Rohölimporten ist mit rund fünf Prozent vergleichsweise gering. Allerdings ist Europa bei Kraftstoffen deutlich abhängiger: Daten des Analysehauses Kpler zufolge ist die Region der wichtigste Lieferant von Mitteldestillaten, zu denen Diesel und Kerosin gehören. Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm warnte gestern vor einem neuen Energieschock für Deutschland durch die Eskalation.

„Ein erneuter Energieschock würde eine Wirtschaft belasten, die sich noch immer von den vergangenen Preissprüngen erholt“, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Grimm forderte daher, Europas Energieversorgung widerstandsfähiger zu machen – durch diversifizierte Lieferketten, gut gefüllte Speicher, koordinierte europäische Beschaffung und einen beschleunigten Ausbau der eigenen Energieversorgung.

LNG-Exporte der USA steigen deutlich

Die Vereinigten Staaten haben ihre Abhängigkeit derweil drastisch reduziert und sind mittlerweile der weltweit größte Öl- und Erdgasproduzent. Die Importe aus den Golfstaaten lagen im vergangenen Jahr bei weniger als 0,9 Millionen Barrel pro Tag (bpd) – bei einem Gesamtbedarf von über 20 Millionen bpd. Als weltweit führender Exporteur von Flüssigerdgas (LNG) beziehen die USA zudem fast kein LNG aus dem Nahen Osten.

Und auch ihre Exporte steigen deutlich. So steigerte die USA ihre Flüssigerdgas-Auslieferungen im Februar im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 17 Prozent gesteigert. Nach vorläufigen Daten des Finanzdienstleisters LSEG wurden 9,94 Millionen Tonnen des verflüssigten Erdgases exportiert, nach 8,2 Millionen Tonnen im Vorjahreszeitraum.

Damit können die USA Lieferausfälle aus Katar ausgleichen, dessen Exporte wegen des Iran-Kriegs gestört sind. Der wichtigste Markt für US-LNG bleibt Europa mit 7,66 Millionen Tonnen oder 77 Prozent der Gesamtmenge. das zeigen die LSEG-Schiffsverfolgungsdaten. Falls die LNG-Produktion in Katar nicht bald wieder aufgenommen werde, drohten weitere empfindliche Anstiege der Energiepreise, warnte Wirtschaftsweise Grimm.