Börsenhändlerin vor Monitoren an der Frankfurter Börse.

marktbericht

Stand: 03.03.2026 • 18:22 Uhr

Der Krieg im Nahen Osten trifft die Börsen mit voller Wucht. Weltweit fallen die Kurse, der deutsche Leitindex hat seit Beginn der Woche rund sechs Prozent verloren.

Zum Handelsschluss in Frankfurt steht heute ein Minus von 3,4 Prozent an der DAX-Tafel. Der deutsche Leitindex ist bis auf 23.790 Punkte gefallen – das ist der niedrigste Stand seit drei Monaten. Seit Wochenbeginn beläuft sich der Rückschlag nun auf gut 1.500 Punkte oder sechs Prozent. Der DAX rutschte erstmals seit November unter eine wichtige Trendlinie für die längerfristige Tendenz.

Als Krisengewinner taten sich heute die Aktien der Deutschen Börse hervor. Sie waren mit plus zwei Prozent der einzige Gewinner im DAX. Gleich zwei Investmentbanken rieten zum Kauf der Deutsche-Börse-Aktien, auch als möglicher Profiteur der starken Marktbewegungen.

Ansonsten zeigte der Blick auf die Börsentafel ein durchweg rotes Bild: Abgesehen von der Deutschen Börse mussten alle Titel heute Verluste verkraften. Die Fachleute des Brokers ActivTrades schrieben, Anlegerinnen und Anleger würden in großem Stil aus Aktien flüchten, um Gewinne zu sichern, bevor diese im Sog des Krieges im Nahen Osten komplett dahinschmelzen.

Zudem sorgt die Entwicklung der Energiepreise aktuell für Verunsicherung. An der Börse in Amsterdam stieg der Preis für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat zeitweise bis auf 65,79 Euro je Megawattstunde (MWh). Damit hat sich der Preis für den Rohstoff innerhalb von nur zwei Tagen in etwa verdoppelt.

Das ist auch für den DAX nicht ohne Bedeutung, hängt der deutsche Leitindex doch seit Beginn der Woche quasi am Gaspreis. Steigt dieser, geben die Aktienkurse nach; gibt der Gaspreis Gewinne wieder ab, stabilisieren sich auch die Aktienkurse wieder. Die Exporte von Flüssigerdgas aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten hätten 2025 etwa ein Fünftel der weltweiten Versorgung ausgemacht, schrieb Nitesh Shah vom Vermögensverwalter Wisdomtree. Selbst vorübergehende Ausfälle verschärften die globale Versorgungslage erheblich.

Ähnlich wie beim Gas ist auch bei den Ölpreisen heute erneut ein deutliches Plus zu sehen. Die Nordsee-Sorte Brent und US-Leichtöl WTI legten kräftig zu. Die Investmentbank Bernstein hob ihre Brent-Prognose für 2026 von 65 auf 80 Dollar an und sie sieht im Extremfall eines längeren Konflikts sogar Preise von 120 bis 150 Dollar.

Denn neben der Schließung der Straße von Hormus verdichten sich die Hinweise auf eine länger anhaltende Verknappung des Ölangebots: Saudi-Arabien musste nach einem Drohnenangriff seine größte Raffinerie schließen. Und auch im Irak gibt es massive Einschnitte. Die Produktion wurde gestoppt, weil es wegen der effektiven Sperrung der Straße von Hormus keine Tanker mehr gibt. Die Lagerbestände in den südlichen Häfen des Landes sind bereits auf ein kritisches Niveau gestiegen.

Die Nachrichten aus der Energiebranche belasten vor allem die Chemieindustrie: Analyst James Hooper von Bernstein Research fürchtet, dass steigende Preise für Energieträger in der Chemiebranche zu Lasten der Margen gehen. Wenig überraschend ist es angesichts dessen, dass die Aktien aus dem deutschen Chemiesektor denn auch besonders stark leiden. Im DAX gehörten die Titel des Branchenriesen BASF zu den großen Verlierern.

Schlusslicht im DAX aber waren die Aktien von Beiersdorf, die um mehr als 18 Prozent einbrachen, auf ein Vier-Jahres-Tief. Der Grund: Konsumgüterkonzern rechnet im laufenden Jahr allenfalls mit einem geringen Wachstum. Analysten monierten die schwache Prognosen der Hamburger für das erste Quartal und das Gesamtjahr.

Ökonomen sehen im Iran-Krieg angesichts der steigenden Rohöl- und Erdgaspreise auch eine Gefahr für die künftige Preisentwicklung im Euroraum. „Sollte sich der Iran-Krieg weiter fortsetzen, dürfte die Inflation im Euroraum über den Erwartungen der EZB liegen“, schreibt Vincent Stamer, Volkswirt bei der Commerzbank.

Die EZB, die am 19. März wieder über die Leitzinsen im Euroraum entscheidet, warnt bereits vor Risiken für die Inflation. Es sei aber fraglich, ob die EZB auf diesen externen Schock mit einer Zinserhöhung reagieren werde, denn die konjunkturellen Risiken nähmen wegen Störungen der Lieferketten auch abseitig der Energie zu, heißt es im Tageskommentar der Helaba.

In der Eurozone ist die Inflationsrate schon vor der Eskalation im Nahen Osten unerwartet gestiegen. Im Februar legten die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 1,9 Prozent zu, wie das Statistikamt Eurostat in Luxemburg nach einer ersten Schätzung mitteilte. Im Januar hatte die Rate noch bei 1,7 Prozent gelegen.

Auch an den US-Börsen ist die Kriegsangst angekommen: Nach einem vergleichsweise ruhigen Handel gestern geht es an der Wall Street zum Handelsstart heute steil nach unten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zur Eröffnung jeweils zweieinhalb Prozent tiefer bei 47.642 Punkten. Damit erreichte der Leitindex das Niveau von Anfang Dezember. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor in ähnlicher Größenordnung auf 22.306 Zähler.

Gleichzeitig flüchten Anleger in den „sicheren Hafen“ Dollar. Der Dollar-Index, der den Wert des Greenback zu anderen wichtigen Währungen misst, stieg heute um knapp ein Prozent auf 99,321 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit mehr als einem Monat. Der Euro verliert im Gegenzug, die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1606 (Montag: 1,1698) Dollar fest.