Im Leipziger Naturkundemuseum, dem Haus mit der auffälligen Spinne an der Außenwand, wird aus guten Gründen der 120. Geburtstag nicht gefeiert. „Wir sind so in den Prozessen gefangen und arbeiten für das neue Museum mit allem, was wir haben. Wir haben das Feiern fast vergessen“, sagte Präparatorin Louisa Bosser MDR SACHSEN. Ein großer Umzug steht in den kommenden Jahren an. Es geht in den ehemaligen Bowling-Treff am Leuschner-Platz im Herzen Leipzigs. Schräg gegenüber vom Neuen Rathaus hatte sich die 1987 eröffnete Freizeitanlage im Laufe der Jahre in eine Mischung aus „Lost Place“ und Schandfleck verwandelt.

Traum von einer Museums-Kathedrale

Nun zieht mit dem Naturkundemuseum in den kommenden Jahren wieder Leben ein. Direktor Ronny Maik Leder träumt von einer Art Kathedrale: „Diese Vision ist ungebrochen. Dieses Bild habe ich weiterhin im Kopf, und wir haben es auch nach draußen transportiert. Dort in die Tiefe zu gehen und auch in die Tiefe der Naturgeschichte einzutauchen. In einer Kathedrale unter Tage, und da feiern wir die Natur und das Leben.“

Das Geburtsdatum sei „ein bisschen verwaschen“, gibt Direktor Leder zu. Es hänge mit Emil Adolf Roßmäßler zusammen. Der sächsische Naturforscher und Politiker wurde am 3. März 1806 geboren. Und zu dessen 100. Geburtstag setzte die Naturkundliche Vereinigung des Leipziger Lehrervereins eine Forderung von ihm um. Es brauche in Leipzig ein Landesmuseum für vaterländische Geschichte und Industrie – als wichtige Bildungsstätte, um Naturraum und Industriegeschichte zusammenzubringen.

Wesentlich geprägt wurde und wird das Haus durch Herrman ter Meer, dem Begründer moderner Präparationstechnik. Der Niederländer wirkte Anfang des 20. Jahrhunderts in Leipzig und hinterließ 241 Präparate. Präparate, die für sich stehen und wie Kunstwerke wirken.

Besonderer Platz für ter-Meer-Sammlung

Die ter-Meer-Sammlung wird in der zukünftigen Dauerausstellung einen besonderen Platz einnehmen. Voraussetzung dafür sei laut Museum die komplette Überarbeitung und Restaurierung der Bestände. Nicht nur fachliche Kompetenz, sondern viel Zeit wird dafür gebraucht.

„Für uns ist dieser zeitliche Druck halt da. Wir wollen 2029 eröffnen. Und da müssen die Präparate fertig werden. Wir wollen, dass das alte im neuen Museum erkennbar ist“ sagte Präparatorin Louisa Bosser.

Umzug 2029 oder 2030

Ihr Chef Leder peilt 2029 oder 2030 als Eröffnungstermin an.“Wir sind mit Vollgas dabei, alle arbeiten auf dieses Datum hin.“ Das hohe Tempo hänge auch mit den Mitarbeitern zusammen: „Hier haben wir einfach die glückliche Situation, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses mit Leib und Seele Naturkundemuseum machen.“

Was passiert mit der Spinne?

Seit mehr als einem Jahr wird der Bowling-Treff umgebaut. Mitte des Jahres soll mit dem Hauptbau begonnen werden. Wird eigentlich auch die auffällige Außen-Spinne mit umziehen? „Das ist mein Geheimnis, das wird noch ein bisschen brauchen, wir werden es irgendwann lüften, das wird eine große Überraschung werden“, sagt der Direktor. Mit der Überraschung käme dann zur Eröffnung zumindest ein gewisses Geburtstagsfeeling auf.

Mehr Platz im neuen Naturkundemuseum Leipzig
– Das gesamte Gebäude ist ca. 135 Meter breit und reicht über vier Etagen mehr als 15 Meter in die Tiefe.

– Die Ausstellungsfläche wird insgesamt etwa 3.500 Quadratmeter betragen – der Altbauu, in dem das Museum derzeit untergebracht ist, verfügt über lediglich 800 Quadratmeter.

– Das Gebäude insgesamt mit allen Nebenflächen und Büros wird mehr als 8.000 Quadratmeter groß.