Steuerfahnder und Polizisten durchsuchen am Mittwoch unter anderem in Charlottenburg, Neukölln und Mitte diverse Geschäftsräume. Es geht dabei um möglichen Steuerbetrug in Millionenhöhe. Zudem sollen mutmaßlich unlauter erlangte Vermögenswerte wie Edelmetall, Oberklassewagen sowie Bargeld gesichert werden.

Steuerfahndung, Finanzkriminalität, Finanzamt Ullsteinstraße, Training Ein Steuerfahnder zeigt im Finanzamt in Berlin seine Marke.

© Hannes Heine

Nach „Bild“-Angaben war zur Razzia auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) nach Neukölln ausgerückt. Wahrscheinlich begleiteten die schwer bewaffneten SEK-Beamten eine Durchsuchung eines nach Tagesspiegel-Informationen auch als Treffpunkt bekannter Clans eingestuften Areals.

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Den Einsatz hatte die Europäische Staatsanwaltschaft ausgelöst. Die Behörde mit Sitz in Luxemburg ist für die Verfolgung von Straftaten zuständig, die den finanziellen Interessen der Europäischen Union schaden. Immer wieder geraten Netzwerke ins Visier der Ermittler, die europaweit Subventionsbetrug organisieren und systematisch Ausgaben bei Finanzämtern geltend machen, die sie nicht hatten – etwa durch Scheinrechnungen.

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Solche Fälle hatte es zuletzt öfter unter einschlägig bekannten Großfamilien und bis nach Osteuropa vernetzten Banden gegeben. In Berlin ist das Fahndungsfinanzamt in der Tempelhofer Ullsteinstraße für die Verfolgung von Steuervergehen zuständig. Im Jahr 2024 führte das Amt fast 6000 – auch internationale – Steuerstrafverfahren durch, 1300 mehr als im Vorjahr. Es wurden Geld- sowie Freiheitstrafen erwirkt und 132,3 Millionen Euro nachgezahlter Steuern eingenommen.

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Die Arbeit, hieß es unlängst aus den Finanzämtern, habe sich in den vergangenen 20 Jahren verändert: International vernetzte Täter, Cyberbetrug, Scheinfirmen – viele Fälle der Steuerkriminalität gingen inzwischen oft von Banden aus, die etwa systematisch Schwarzarbeit organisierten. Circa 240 Beschäftigte arbeiten im Berliner Fahndungsfinanzamt. Sie tragen keine Waffen, trainieren jedoch Selbstverteidigung.