Die Geschichte der Kioskbesitzerin Marlies Lintener, die mit fast 95 Jahren noch jeden Tag in ihrem Büdchen in Wuppertal steht, Kostenpflichtiger Inhalt hat im Herbst 2025 viele Menschen bewegt und eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Die Seniorin bekam von Unternehmen aus der Stadt unter anderem einen Treppenlift und eine barrierefreie Dusche eingebaut. Über die Plattform „GoFundMe“ liefen zwei Spendenaktionen für die ältere Dame, die sich mit ihrem Kiosk gegen große Geschäfte und den Online-Handel behaupten muss. Aber ein Mann, der sich zunächst besonders engagiert gezeigt und rund 8000 Euro gesammelt hatte, war plötzlich für das Umfeld der Seniorin nicht mehr erreichbar.

„Das Geld kam bis heute nicht bei Marlies an“, sagt eine Nachbarin, die ihr nahesteht, aber anonym bleiben will. „Sie ist sehr enttäuscht.“ Die Seniorin frage sie immer wieder, ob der Mann sich gemeldet habe. Im November war der Kontakt zu ihm abgebrochen. Unserer Redaktion hatte der 30-Jährige im Dezember am Telefon gesagt, er wolle den Vorwurf dringend aus der Welt schaffen. „Es ist nicht so, dass ich mich auf Kosten einer älteren Frau bereichern wollte“, betonte er.

Abzüglich einer Gebühr der Spendenplattform habe er 7300 Euro von den gesammelten 7594 Euro erhalten. Und davon habe er einen großen Teil für Anschaffungen, Materialien, aber auch Handwerkerlohn für Arbeiten im Wohnhaus der älteren Dame ausgegeben. „Von den Spenden müssten noch knapp 850 Euro übrig sein, die bin ich gerne bereit auszuzahlen.“ Doch auch diese Summe ist bisher nicht auf dem Konto der Seniorin eingegangen, wie ihre Bekannte sagt.

Der Mann muss der Spendenplattform über Quittungen und Belege glaubhaft nachweisen, wofür das Geld ausgegeben wurde. Eine Sprecherin von „GofundMe“ teilt auf Anfrage mit: „Er ist uns gegenüber kooperativ und wir haben keine Hinweise auf betrügerische Aktivitäten festgestellt.“ Aus Datenschutzgründen könnte das Unternehmen keine weiteren Details zu den laufenden Ermittlungen preisgeben. „GoFundMe kooperiert mit der Wuppertaler Polizei“, teilt die Sprecherin mit. Die Polizei hatte im vergangenen Jahr Ermittlungen wegen des Verdachts der Unterschlagung eingeleitet. „Diese Ermittlungen dauern noch an“, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal. Mehr könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Das Umfeld der Seniorin will die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass der Mann das Geld noch überweist, das viele Menschen für die Kioskbesitzerin gespendet haben. „Also wenn er das Geld hat, warum erledigt er die Sache nicht?“, sagt die Nachbarin. Der Beschuldigte selbst hat sich auf zwei Mail-Anfragen unserer Redaktion nicht mehr zurückgemeldet.