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Wiesbaden – Kennzeichen-Fieber in deutschen Rathäusern! Städte ab 20.000 Einwohner sollen ein eigenes Nummernschild bekommen. Mehr als 100 Städte wollen es, 320 könnten. Am Freitag soll die Kennzeichen-Liberalisierung im Bundesrat beschlossen werden – auf Initiative Hessens.
Selten sind sich Politiker aller Parteien so einig. Denn neue Kennzeichen-Kürzel kosten nichts. Tourismus-Experte Professor Ralf Bochert (64) von der Hochschule Heilbronn zu BILD: „Den Zulassungsstellen ist es egal, um welche Buchstaben es sich handelt.“ Dafür bringt es aber Heimatverbundenheit – gestanzt auf ein Stück Blech am Auto und Motorrad.
Städte von Bad Krozingen (BKR) in Baden-Württemberg über Buxtehude (BUX) in Niedersachsen bis Quickborn (Q) in Schleswig-Holstein können ein eigenes Kennzeichen haben. Aber auch Auto-Städte wie Rüsselsheim (RÜ) – bisher GG für Groß-Gerau. Einzige Grenze: Die Stadt muss 20.000 Einwohner haben.

Professor Ralf Bochert (64, Hochschule Heilbronn) hat viele Ideen für neue deutsche Autokennzeichen
Foto: Hochschule Heilbronn
Möglich macht es der Beschluss der Hessischen Landesregierung, die den Entschließungsantrag am Freitag in den Bundesrat einbringen. Die Zustimmung der Länder gilt als sicher. Damit fordern die Länder den Bundestag auf, die Liberalisierung zu beschließen.
Staatsminister: „Kennzeichen ist Ausdruck regionaler Identität“
Hessens Staatsminister Manfred Pentz (45, CDU) zu BILD: „Ein Kennzeichen ist mehr als ein Blechschild am Auto. Für manche ist es Ausdruck regionaler Identität. Der Wunsch nach mehr Freiheit bei regionalen Kennzeichen ist immer wieder an uns als Landesregierung herangetragen worden.“
Der erste Meilenstein für den Kennzeichen-Knall ist am Freitag geschafft: Über eine Änderung der Kfz-Zulassungsverordnung muss das der Bund entscheiden. Seit 2012 sind durch die Wiedereinführung von bereits abgeschafften Kfz-Ortskennungen schon 330 sogenannte Altkennzeichen auf die Straßen zurückgekehrt.
In manchen Städten gibt es inzwischen sogar mehrere Kennzeichen, weil die Buchstaben-Kombinationen wegen der Vielzahl an Neuzulassungen auszugehen drohen. So ist in München neben M auch MUC möglich. Wolfsburg (Niedersachsen) hat sich beim Kraftfahrtbundesamt neben WOB auch WBG gesichert.
Zur Person
Professor Dr. Ralf Bochert (64) lehrt Volkswirtschaftslehre und Tourismusmanagement an der Hochschule Heilbronn. Er forscht seit Jahren zur Wirkung kommunaler Nummernschilder und setzt sich für eine „Kennzeichen-Liberalisierung“ ein.