Beginnen wir mal mit der guten Nachricht: Nach wochenlanger Verletzungspause ist Kevin Vogt fit und einsatzbereit. Zu seinen bislang lediglich sieben Saisonspielen für den VfL Bochum könnten nun also endlich weitere Einsätze hinzukommen. An dieser Stelle aber kommt direkt die schlechte Nachricht für den ehemaligen Spieler des 1. FC Union Berlin: Er bekommt weiterhin keine Spielzeit.
Kevin Vogt nur im Kader, weil Mitspieler gesperrt ist
Woche für Woche sieht man den Innenverteidiger auf dem Trainingsplatz mit den Teamkollegen, an den Spieltagen aber hat er in der 2. Bundesliga derzeit lediglich einen Stammplatz auf der Tribüne. Gegen den 1. FC Nürnberg wurde der 34-Jährige am 20. Februar zwar mal wieder in den Spieltagskader berufen, verbrachte die kompletten 90 Minuten und die Nachspielzeit aber nur auf der Bank. Dass er für diese Partie nominiert wurde, lag lediglich daran, dass Philipp Strompf gesperrt fehlte, was sich spätestens am vergangenen Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf zeigte, als Vogt nach Strompfs Rückkehr wieder nur auf der Tribüne saß.
Vogt muss sich, ohne darüber lachen zu können, mittlerweile wie Schauspieler Bill Murray in der Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ vorkommen. Schließlich wiederholen sich doch derzeit die Ereignisse auf für ihn fast schon tragische Art und Weise.
Zur Erklärung braucht es eine kurze Rückblende auf seine Zeit beim 1. FC Union Berlin. Da war er nach seinem Wechsel im Januar 2024 zunächst unter Nenad Bjelica und Interimstrainer Marco Grote unantastbarer Stabilisator der Dreierkette, Leistungsträger und auch ein Grund dafür, dass die Eisernen am letzten Spieltag den Klassenerhalt in der Bundesliga feiern konnten.
An dieser Rolle sollte sich auch nichts ändern, nachdem im Sommer 2024 Bo Svensson die Mannschaft übernommen hatte. Horst Heldt hatte in Leopold Querfeld zwar einen talentierten Innenverteidiger von Rapid Wien nach Köpenick gelockt, aber Vogt war weiterhin gesetzt und sorgte für ein Stück Bundesliga-Geschichte: Mit seinem beim 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund verwandelten Elfmeter endete am 5. Oktober 2024 nach 275 Spielen die längste Torlosserie eines Feldspielers in der Geschichte der höchsten deutschen Spielklasse.
Im Herbst seiner Karriere also schien Kevin Vogt in Köpenick noch einmal eine große Rolle einnehmen zu können. Doch als bis zum Ende des Kalenderjahres der sportliche Erfolg ausblieb und sich mit der Entlassung von Svensson sowie der Verpflichtung von Steffen Baumgart als neuem Regisseur an der Seitenlinie nicht nur die taktische Ausrichtung von Dreier- auf Viererkette und wieder zurück änderte, wurde Vogt vom Hauptdarsteller zum Komparsen.
Eine Verletzung, die ihn nach offiziellen Aussagen von Baumgart immer wieder zurückwarf, und die herausragende Entwicklung von Querfeld als neuem Abwehrchef im Zentrum waren weitere Gründe für nur noch fünf Einsätze unter dem neuen Trainer. Ein vorzeitiger Abgang aus Köpenick und die Rückkehr zu seinem Jugendverein VfL Bochum klangen nach glücklicher Fügung und fühlten sich zu Beginn auch so an.
In den ersten sieben Partien war er unter Trainer Dieter Hecking wieder der Stammspieler aus seinem ersten Kalenderjahr bei den Eisernen. Aber: Mit seinen durchwachsenen Leistungen – unter anderem verschoss er gegen den FC Schalke 04 einen Elfmeter – war er einer der Faktoren, warum es beim Bundesliga-Absteiger sportlich nicht lief und Hecking kurz darauf durch Uwe Rösler ersetzt wurde.
Und wieder passierte ihm das, was er schon bei den Eisernen erlebte: Während seiner Verletzung nutzten jüngere Spieler ihre Chance und verdrängten den Routinier aus der festen Rotation. Die eingangs erwähnte Nominierung gegen Nürnberg war die bislang einzige seit dem siebten Spieltag am 27. September des vergangenen Jahres.
Es droht dasselbe Szenario wie beim 1. FC Union Berlin
Dass noch weitere hinzukommen werden, scheint nicht nur durch die Leistungen der Teamkollegen, sondern auch nach den Äußerungen seines Trainers sehr unwahrscheinlich: „Ich muss die Leistung sehen, die die Jungs gebracht haben, in der Zeit, in der er nicht da war. Wir werden sehen, ob Kevin jetzt wieder im Kader ist oder spielt. Loosli ist gesetzt, er harmoniert gut mit Strompf. Auch Erhan Masovic hat eine sehr ordentliche Leistung gebracht. Die Konkurrenz ist groß“, sagte Rösler zuletzt auf Nachfrage.